Die Gerresheimer Aktie zeigt nach einem schwachen Jahresstart eine deutliche Erholung – doch wie nachhaltig ist der Aufschwung wirklich?
Deutliche Erholung gegenüber dem ersten Quartal
Der Umsatz lag im zweiten Quartal um 55 Millionen Euro über dem ersten Quartal, das bereinigte EBITDA verbesserte sich um 35 Millionen Euro. Die EBITDA-Marge erreichte 17,6 Prozent und stieg damit im Quartalsvergleich um 5,0 Prozentpunkte. Im Vorjahresvergleich fiel die Entwicklung dagegen schwächer aus: Der Umsatz lag nach angepassten 614 Millionen Euro im zweiten Quartal 2025 bei 578 Millionen Euro; das bereinigte EBITDA sank von 126 auf 102 Millionen Euro.
Für das erste Halbjahr weist Gerresheimer vorläufig einen Umsatz von 1,10 Milliarden Euro und ein bereinigtes EBITDA von 168 Millionen Euro aus. Finanzvorstand Wolf Lehmann erklärte: „Unser Transformationsprogramm gto beginnt zu greifen.“ Das Unternehmen erwartet für das zweite Halbjahr verbesserte Ergebnisse und eine deutlich bessere Finanzlage.
Uneinheitliche Entwicklung in den Sparten
Wachstum gegenüber dem Vorjahr kam im ersten Halbjahr vor allem aus dem Bereich Containment & Delivery Systems. Dort stieg der Umsatz auf 604 Millionen Euro, während das bereinigte EBITDA 135 Millionen Euro erreichte. Die Marge des Bereichs verbesserte sich im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal auf 23,9 Prozent. Gerresheimer führt die Entwicklung unter anderem auf eine höhere Nachfrage nach Medikamenten-Verabreichungssystemen zurück.
Schwächer liefen Primary Injectable Solutions und Moulded Glass. Bei Injektionslösungen sank der Halbjahresumsatz auf 212 Millionen Euro nach angepassten 246 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum; die Nachfrage nach Spritzensystemen und Standard-Injektionsfläschchen war in Europa und Amerika geringer. Moulded Glass erzielte im ersten Halbjahr 309 Millionen Euro Umsatz und 33 Millionen Euro bereinigtes EBITDA. Im zweiten Quartal verbesserte sich die Marge gegenüber dem ersten Quartal jedoch auf 14,9 Prozent.
Verkäufe sollen die Finanzlage stärken
Der Verkauf der US-Tochter Centor befindet sich nach Unternehmensangaben in der Schlussphase und soll kurzfristig abgeschlossen werden. Der Verkauf des Geschäfts mit Primary Packaging Plastics ist für das erste Halbjahr 2027 vorgesehen. Die Erlöse sollen dazu beitragen, die Kapital- und Finanzierungsstruktur zu verbessern und die Verschuldung zu reduzieren.
Die endgültigen Halbjahreszahlen will Gerresheimer voraussichtlich Ende November veröffentlichen. Auch die vorläufigen Ergebnisse zeigen damit ein gemischtes Bild: eine kräftige Erholung gegenüber dem ersten Quartal, aber weiterhin Rückgänge gegenüber dem Vorjahr und deutliche Unterschiede zwischen den Geschäftsbereichen.
Strategiewechsel und Führungsneuanfang im Blick
Die jüngsten Quartalszahlen knüpfen an die strategische Neuaufstellung an, die bereits bei der Gerresheimer-Hauptversammlung und dem Führungswechsel Thema war. Im Mittelpunkt stehen nun die operative Erholung, der Verkauf von Unternehmensteilen und die geplante Stärkung der Finanzstruktur.
Gerresheimer hat sich im zweiten Quartal gegenüber dem schwachen Jahresauftakt deutlich verbessert, blieb bei Umsatz und bereinigtem EBITDA aber unter dem Vorjahresniveau; zudem entwickelten sich die Sparten unterschiedlich. Für Anleger zählen nun sowohl die angekündigte Erholung im zweiten Halbjahr als auch die Fortschritte bei den Unternehmensverkäufen und der Finanzstruktur. Die endgültigen Halbjahreszahlen Ende November werden zeigen, ob der operative Aufwärtstrend trägt und schaffen eine wichtige Grundlage für die weitere Bewertung.



