Glencore plc rückt mit erneuten Fusionsgesprächen mit der Rio Tinto Group in den Fokus der Rohstoffmärkte. Im Zentrum stehen Kupfer-Assets, das umfangreiche Kohlegeschäft und die Frage, ob aus Glencore plc Teil eines neuen Bergbau-Giganten wird.

Was planen Glencore plc und Rio Tinto Group?
Glencore plc und die Rio Tinto Group haben ihre Fusionsgespräche wiederaufgenommen. Diskutiert wird eine Kombination einiger oder aller Geschäftsbereiche bis hin zu einer vollständigen Übernahme von Glencore durch Rio Tinto auf Aktienbasis. Ein erfolgreicher Deal würde das möglicherweise größte Bergbauunternehmen der Welt schaffen, mit einem kombinierten Marktwert von mehr als 200 Milliarden US‑Dollar und in manchen Einschätzungen sogar der „Geburtsstunde eines 300‑Milliarden‑Giganten“ gleichkommen.
Die Kombination würde zwei Schwergewichte im globalen Rohstoffsektor vereinen und könnte eine Art Rohstoffgiganten formen, der in zentralen Basismetallen, insbesondere Kupfer, eine herausragende Stellung einnimmt. Dabei steht zur Diskussion, ob nur ausgewählte Sparten zusammengelegt oder tatsächlich alle Geschäftsbereiche integriert werden.
Warum steht Kupfer im Mittelpunkt?
Die industrielle Logik der geplanten Megafusion stützt sich stark auf Kupfer. Die Preise sind zuletzt auf Rekordstände von über 13.000 US‑Dollar je Tonne gestiegen. Kupfer gilt als zentraler Rohstoff der Energiewende und wird für Stromnetze, Elektromobilität, industrielle Anwendungen und Rechenzentren in immer größeren Mengen benötigt.
Glencore plc hat sich bei jüngsten Investorentagen klar als Kupferunternehmen positioniert und verfügt über sehr große und strategisch bedeutende Kupfer-Assets. Nach Phasen sinkender Produktion sieht das Management hier erhebliches Wachstumspotenzial. Ein Zusammenschluss mit Rio Tinto würde einen der weltweit größten Kupferproduzenten formen und könnte damit die Angebotsseite in einem angespannten Markt maßgeblich prägen.
Im aktuellen Umfeld, in dem das Hinzufügen neuer Minenkapazitäten als schwierig und langwierig gilt, erscheint die Übernahme von Wettbewerbern als der einfachere und schnellere Weg, um an zusätzliche Kupferreserven zu gelangen. Genau hier setzt die Deal-Logik an.
Welche Rolle spielt das Kohlegeschäft?
Ein Knackpunkt der Gespräche war bislang das umfangreiche Kohlegeschäft von Glencore plc. Das Unternehmen zählt zu den weltweit größten Kohleproduzenten und hat die Position jüngst durch den Kauf der Kohleaktivitäten von Teck Resources weiter ausgebaut. Das Portfolio von Glencore ist damit zugleich kupferlastig und kohlelastig.
Die Rio Tinto Group ist in den vergangenen Jahren dagegen aus fossilen Brennstoffen ausgestiegen und hatte sich von ihren Kohle-Assets getrennt. Umso bemerkenswerter ist, dass Rio Tinto nun offen dafür sein soll, das massive Kohlegeschäft von Glencore zu behalten, falls der Zusammenschluss zustande kommt. Diese Bereitschaft könnte ein entscheidender Faktor sein, um die Hürden für den Deal zu senken und wird von Marktbeobachtern als mögliches „grünes Licht“ für das Zustandekommen der Megafusion interpretiert.
Führungskräfte bei Glencore zeigen sich von Kohle weiterhin überzeugt. Ein Zusammenschluss würde damit einen globalen Rohstoffkonzern schaffen, der einerseits in Zukunftsmetallen wie Kupfer führend wäre, andererseits aber auch starkes Exposure zu Kohle behält.
Wie reagiert die Aktie von Glencore plc?
Die Fusionsfantasie schlägt sich unmittelbar im Kurs von Glencore plc nieder. Zuletzt legte die Aktie im Zuge der neuen Gesprächsrunde kräftig zu, mit Kursanstiegen von fast 8 % bis über 10 % an einzelnen Handelstagen. Aktuell notiert der in den USA gehandelte Titel mit dem Ticker GLNCY bei 12,08 US‑Dollar und damit leicht unter dem Vortagesschluss von 12,28 US‑Dollar, was einem Tagesminus von rund 0,25 % entspricht.
Während Glencore deutlich zulegen konnte, reagierten die Aktien der Rio Tinto Group eher verhalten bis negativ und verloren zeitweise rund 4,5 %. An den Londoner Börsen war zu beobachten, dass Rio Tinto fällt, während Glencore springt. Der Markt preist damit offenbar ein, dass eine mögliche Übernahme für Glencore-Aktionäre einen attraktiven Aufschlag bedeuten könnte, während für Rio-Tinto-Investoren zunächst Risiken und Integrationskosten im Vordergrund stehen.
Welche Hürden gibt es noch?
Trotz der neuen Dynamik bleiben mehrere strukturelle und regulatorische Herausforderungen. Die Rio Tinto Group verfügt über eine duale Börsennotierungsstruktur, was eine technische und rechtliche Komplexität für einen vollständigen Zusammenschluss mit Glencore plc bedeutet. Hinzu kommt ein großer chinesischer Aktionär bei Rio Tinto (Chinalco), dessen Zustimmung für einen Deal von Bedeutung wäre.
Aus wettbewerbsrechtlicher Sicht würde der Zusammenschluss insbesondere im Kupferbereich einen der weltweit größten Produzenten entstehen lassen. Entsprechend intensiv könnte die kartellrechtliche Prüfung in mehreren Jurisdiktionen ausfallen. Zudem steht ein zeitlicher Rahmen im Raum: Rio Tinto muss bis Anfang Februar ein formelles Gebot vorlegen, wobei Fristverlängerungen möglich sind.
Fazit: Glencore plc steht mit den erneuten Fusionsgesprächen mit der Rio Tinto Group vor einem potenziell historischen Wendepunkt. Im Zentrum der strategischen Überlegungen stehen die enorm gefragten Kupfer-Assets und das umfangreiche Kohleportfolio. Während die Aktie von Glencore deutlich von der Spekulation auf eine Übernahme profitiert, bleiben strukturelle, regulatorische und politische Hürden hoch. Ob es tatsächlich zur „Megafusion im Bergbau“ kommt, entscheidet sich in den kommenden Monaten – die Kursentwicklung von GLNCY dürfte bis dahin stark von neuen Signalen aus den Verhandlungen abhängen.
Fazit: Glencore plc steht mit den erneuten Fusionsgesprächen mit der Rio Tinto Group vor einem potenziell historischen Wendepunkt. Im Zentrum der strategischen Überlegungen stehen die enorm gefragten Kupfer-Assets und das umfangreiche Kohleportfolio. Während die Aktie von Glencore deutlich von der Spekulation auf eine Übernahme profitiert, bleiben strukturelle, regulatorische und politische Hürden hoch. Ob es tatsächlich zur „Megafusion im Bergbau“ kommt, entscheidet sich in den kommenden Monaten – die Kursentwicklung von GLNCY dürfte bis dahin stark von neuen Signalen aus den Verhandlungen abhängen.