Kann die Lufthansa Kurzstrecke den Konzernumbau stützen, ohne das Netz weiter zu zerreißen?
Wie geht es mit der Lufthansa Kurzstrecke weiter?
Die Deutsche Lufthansa AG setzt den Kurs der Netzoptimierung konsequent fort. Chief Commercial Officer Dieter Vranckx bestätigte im Gespräch mit dem Handelsblatt, dass die Reduktion von Kapazitäten auf der Kurzstrecke ein „fortlaufender Prozess“ sei. Entscheidend sei nicht die bloße Fluganzahl, sondern die wirtschaftliche Tragfähigkeit jeder Verbindung – insbesondere vor dem Hintergrund extrem hoher Standortkosten in Deutschland. Die Gruppe will sicherstellen, dass jedes Einzugsgebiet mindestens ein Drehkreuz erreicht – doch nicht mehr alle sechs Hubs (Frankfurt, München, Zürich, Wien, Brüssel, Rom) sollen jedes Ziel anfliegen. Das Ziel: ein schlankeres, aber kundenorientiertes Netz, das die Verbindungsqualität erhält, ohne Verluste auf der Kurzstrecke zu generieren.
Warum sechs Drehkreuze ein Problem sind
Hinter der Lufthansa Kurzstrecke-Strategie steht eine strukturelle Herausforderung: Die sogenannte Multi-Hub-Strategie führt zu erheblichen Überlappungen im Einzugsgebiet. Luftfahrtexperte Gerald Wissel von Airborne Consulting kritisiert, dass keiner der Hubs über ein eigenständig wirtschaftliches Einzugsgebiet für Langstreckenflüge verfügt – im Gegensatz zu London oder Paris. Das zwingt die Gruppe zu aufwendigen Zubringerflügen, die oft auf der Kurzstrecke Verluste erwirtschaften. Diese Verluste beeinträchtigen nach Vranckx direkt die Gewinne aus dem profitableren Langstreckengeschäft. Daher sei die Konsolidierung „nicht nachhaltig“ – und damit unverzichtbar.
Was bedeutet „Matrix Next Level“ für Anleger?
Seit Jahresbeginn gilt die neue Organisationsstruktur „Matrix Next Level“ und „TOM26“, die die bisher weitgehend eigenständigen Airlines – Lufthansa Classic, Swiss, Brussels Airlines, Austrian Airlines und ITA – unter zentrale Steuerung stellt. Angebot, Netzplanung, Vertrieb und Miles & More werden nun gruppenweit koordiniert. Das hat sich bereits bewährt: Als Ende Februar der Konflikt im Iran eskalierte, konnte die Gruppe binnen Stunden Kapazitäten von Nahost-Zielen nach Südeuropa, Asien und Afrika umleiten. Diese Agilität stärkt die operative Resilienz – ein wichtiger Faktor für langfristige Anleger.
Wie hoch ist die Gewinnmarge-Zielvorgabe?
Die Deutsche Lufthansa AG peilt eine bereinigte Ergebnismarge von acht bis zehn Prozent an – ein ambitioniertes Ziel, von dem der Konzern aktuell „noch weit entfernt“ ist. Die Lufthansa Kurzstrecke spielt hier eine Schlüsselrolle: Nur durch gezielte Reduktion unwirtschaftlicher Verbindungen kann die Gruppe ihre Kostenbasis stabilisieren. Die Konsolidierung im Kontinentalverkehr soll spätestens 2028 abgeschlossen sein. Bis dahin werden weitere Flugstrecken gestrichen oder an Partner wie Eurowings oder Regionalfluggesellschaften übergeben. Passagiere aus Städten wie Bremen sollen künftig über München, Wien oder Zürich Langstreckenziele erreichen – ein Modell, das Effizienz und Netzqualität vereint.
Wie reagieren Analysten auf die Strategie?
Wir werden immer dann gezielt Kapazität auf der Kurzstrecke reduzieren, wenn es wirtschaftlich geboten ist.— Dieter Vranckx, Chief Commercial Officer, Deutsche Lufthansa AG
Citigroup hebt das Kursziel für die Deutsche Lufthansa AG auf 10,20 Euro an und bestätigt das Rating „Buy“. RBC Capital Markets stuft die Aktie als „Outperform“ ein und betont die „klare operative Umsetzungsfähigkeit“ der neuen Struktur. Goldman Sachs sieht in der zentralen Netzsteuerung einen „entscheidenden Hebel für Margenverbesserung“ und prognostiziert ein steigendes operatives Ergebnis ab Q3 2026. Die Aktie notiert aktuell bei 8,90 Euro – ein Plus von 0,79 Prozent zum Vortag – und hat damit das Februar-Hoch überschritten. Das nächste technische Ziel liegt bei 9,59 Euro.




