Trotz eines Gewinnanstiegs und angehobener Jahresprognose stürzt die Marriott-Aktie ab – warum reagieren Anleger so negativ?
Marriott Quartalszahlen: Gewinn übertrifft Erwartungen, Umsatz enttäuscht
Die Marriott International meldete für das zweite Quartal 2026 ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 3,19 US-Dollar, was die Konsensschätzung von 3,05 US-Dollar übertraf. Der Umsatz erreichte jedoch nur 7,07 Milliarden US-Dollar und blieb damit unter den erwarteten 7,17 Milliarden US-Dollar. Trotz eines Umsatzwachstums von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr reagierte der Markt mit Skepsis. Die Aktie von Marriott (MAR) verzeichnete im vorbörslichen Handel einen Rückgang von rund 3,4 Prozent und setzte ihre Abwärtsbewegung im Laufe des Tages fort, um 6,97 Prozent auf 346,11 US-Dollar zu fallen.
Ein genauerer Blick auf die Kennzahlen zeigt, dass der weltweite Umsatz pro verfügbarem Zimmer (RevPAR) um 3,4 Prozent zulegte. Dieses Wachstum wurde maßgeblich von einem starken Plus von 5,0 Prozent in den USA und Kanada getragen. Im internationalen Geschäft hingegen sank der RevPAR um 0,5 Prozent, hauptsächlich bedingt durch einen dramatischen Einbruch von 43 Prozent im Nahen Osten infolge der dortigen Konfliktlage. Dieser Rückgang überschattete solide Zuwächse in Europa, der Region Asien-Pazifik und Greater China.
Welche Rolle spielt der Nahostkonflikt für Marriott?
Der Konflikt im Nahen Osten hat sich als signifikanter Bremsfaktor für das internationale Geschäft von Marriott erwiesen. Die Führungskräfte des Unternehmens erwarten, dass die Bauverzögerungen bei neuen Hotels in dieser Region das Nettozimmerwachstum am unteren Ende der prognostizierten Spanne von 4,5 bis 5 Prozent ansiedeln werden. Truist-Analyst Patrick Scholes weist darauf hin, dass Marriott unter den großen US-Hotelketten die höchste Exposition gegenüber dem Nahen Osten hat, wobei etwa 4 Prozent aller Marriott-Zimmer dort liegen. Das Management warnt zudem, dass die Auswirkungen des Konflikts im vierten Quartal noch stärker ausfallen könnten, da dies die Hauptreisezeit in der Region ist und etwa 35 Prozent des Jahresumsatzes aus dem Nahen Osten in diesem Zeitraum erzielt werden.
Trotz dieser Herausforderungen betonte CEO Anthony Capuano die starke Reisenachfrage und die anhaltende Entwicklungsdynamik. Marriott fügte im Quartal netto rund 17.900 Zimmer hinzu, was einem Anstieg von 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Entwicklungspipeline erreichte mit knapp 4.200 Objekten und etwa 629.000 Zimmern einen neuen Rekordwert, wobei 44 Prozent davon bereits im Bau sind. Dies unterstreicht die langfristige Wachstumsstrategie des Unternehmens, die auch durch die Umwandlung bestehender Hotels in Marriott-Marken gefördert wird.
Angehobener Jahresausblick versus verhaltener Q3-Prognose
Für das Gesamtjahr 2026 hob Marriott seine Prognose an: Der bereinigte Gewinn je Aktie soll nun zwischen 11,64 und 11,81 US-Dollar liegen, und das RevPAR-Wachstum wird zwischen 3,0 und 3,5 Prozent erwartet. Dies liegt über den zuvor kommunizierten Bandbreiten. In dieser aktualisierten Prognose sind bereits die Auswirkungen der neu verhandelten Konditionen mit JPMorgan Chase und American Express für das US-Co-Branding-Kreditkartenprogramm berücksichtigt, die das Unternehmen positiv beeinflussen sollen.
Allerdings dämpfte der Ausblick für das dritte Quartal die Begeisterung der Anleger. Marriott erwartet für Q3 einen bereinigten Gewinn zwischen 2,74 und 2,82 US-Dollar je Aktie, was unter der Analystenschätzung von 2,87 US-Dollar liegt. Das RevPAR-Wachstum für das dritte Quartal wird bei 3,5 bis 4,0 Prozent prognostiziert. Analysten wie Brian Egger von Bloomberg Intelligence merkten an, dass der RevPAR des zweiten Quartals eine Enttäuschung für die Anleger war. Die Aktie von Marriott (MAR) hatte vor dem Bericht bereits eine starke Performance hingelegt, was die Erwartungen erhöhte und jede Enttäuschung umso stärker wirken ließ.
Kapitalrückflüsse und Technologieinvestitionen
Marriott setzte seinen Kurs der Kapitalrückführung an die Aktionäre fort. Im zweiten Quartal kaufte der Konzern eigene Aktien im Wert von 1,1 Milliarden US-Dollar zurück. Seit Jahresbeginn beliefen sich die Kapitalrückflüsse an die Aktionäre, einschließlich Dividenden, auf rund 2,6 Milliarden US-Dollar. Für das Gesamtjahr 2026 plant Marriott, über 4,5 Milliarden US-Dollar an die Aktionäre zurückzuführen.
Das Unternehmen investiert zudem stark in Technologie und Digitalisierung. Die mehrjährige Technologietransformation und der verstärkte Einsatz von KI, beispielsweise mit dem Rollout von „Ask Bonvoy“, sollen die Effizienz steigern und das Gästeerlebnis verbessern. Diese Investitionen zielen darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und das Wachstum langfristig zu unterstützen, selbst in einem Umfeld, das von geopolitischen Spannungen und sich ändernden Reisebedürfnissen geprägt ist. Die jüngsten Marriott Quartalszahlen spiegeln diese vielschichtigen Entwicklungen wider.
Wir haben heute Morgen ein sehr starkes zweites Quartal gemeldet, mit RevPAR und Finanzergebnissen über unseren früheren Erwartungen.— Tony Capuano, President und Chief Executive Officer von Marriott International
Die jüngsten Marriott Quartalszahlen zeigen ein solides operatives Geschäft, das von einer starken Nachfrage in Nordamerika und einer wachsenden Entwicklungspipeline profitiert. Trotz übertroffener Gewinnprognosen und einer angehobenen Jahresprognose reagierte der Markt verhalten, was auf den enttäuschenden Ausblick für das dritte Quartal und die anhaltenden Belastungen im internationalen Geschäft zurückzuführen ist. Für Anleger bedeutet dies, die Auswirkungen des Nahostkonflikts und die Entwicklung der RevPAR-Kennzahlen genau zu beobachten, um die langfristige Stabilität des Hotelkonzerns zu bewerten. Die nächsten Quartalsberichte werden zeigen, ob Marriott die Herausforderungen im internationalen Geschäft meistern und das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen kann.



