Trotz starker Analystenprognosen und des Google-Deals: Warum verliert die Marvell Technology Aktie nachbörslich fast 4%?
Marvell Technology Quartalszahlen im Kontext des Google-Deals
Marvell Technology steht kurz vor der Veröffentlichung seiner Quartalszahlen, die für Donnerstagabend deutscher Zeit erwartet werden. Die Erwartungen sind hoch, insbesondere nach der strategischen Partnerschaft mit Google. Dieser Deal sieht vor, dass Marvell maßgeschneiderte Chips für Googles TPU-Ökosystem entwickeln wird, darunter KI-Inferenz-Beschleuniger, Speicher- und Netzwerk-Controller. Für Google ist dies ein entscheidender Schritt, um seine KI-Infrastruktur zu stärken und die Abhängigkeit von externen Chipanbietern zu verringern. Im Gegenzug erhält Google Warrants auf bis zu 58,97 Millionen Marvell-Aktien, gekoppelt an künftige Umsätze bis zum Geschäftsjahr 2033, was ein potenzielles Volumen von bis zu 120 Milliarden US-Dollar bedeutet.
Analysten sehen in diesem Abkommen einen „Ritterschlag“ für Marvell Technology. Wells Fargo hat das Kursziel für Marvell von 240 US-Dollar auf 310 US-Dollar angehoben und die Aktie weiterhin mit „Overweight“ eingestuft. Die Bank prognostiziert, dass der Gewinn pro Aktie bis zum Fiskaljahr 2029 auf über 11 US-Dollar steigen könnte, was das enorme Potenzial des Google-Deals unterstreicht. Auch Morgan Stanley erhöhte sein Kursziel von 195 US-Dollar auf 224 US-Dollar, behielt jedoch die Einstufung „Equal-Weight“ bei. JPMorgan erwartet ebenfalls starke Ergebnisse für das zweite Fiskalquartal und einen optimistischen Ausblick für das dritte Quartal, angetrieben durch den Trainium 3-Hochlauf.
Wie beeinflusst die KI-Nachfrage die Geschäftsentwicklung von Marvell Technology?
Die Nachfrage nach KI-Infrastruktur ist ein wesentlicher Treiber für das Wachstum von Marvell Technology. Das Unternehmen verzeichnet eine „außergewöhnliche Anzahl an KI-bezogenen Auftragsbuchungen“, wie CEO Matt Murphy auf der letzten Telefonkonferenz betonte. Im ersten Fiskalquartal 2027 steigerte Marvell seinen Umsatz im Datacenter-Segment, das 76 % des Gesamtumsatzes ausmachte, erheblich. Das Management hat die Umsatzprognose für das Fiskaljahr 2027 auf nahezu 11,5 Milliarden US-Dollar und für 2028 auf etwa 16,5 Milliarden US-Dollar angehoben. Dies entspricht einem Anstieg von 1,5 Milliarden US-Dollar gegenüber der vorherigen Prognose und zeigt die dynamische Entwicklung im Bereich der KI-Chips.
Insbesondere der Bereich Interconnect wird voraussichtlich im Fiskaljahr 2027 um mehr als 70 % wachsen, und der Umsatz mit Scale-Out-Switches soll 600 Millionen US-Dollar übersteigen. Für das Fiskaljahr 2029 wird ein Ziel von über 10 Milliarden US-Dollar allein im Custom-Silicon-Bereich angestrebt. Diese Zahlen rechtfertigen aus Sicht vieler Analysten die aktuelle Bewertung von Marvell, auch wenn das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 58 für das kommende Jahr auf den ersten Blick hoch erscheinen mag. Im Vergleich zu Wettbewerbern wie Broadcom und NVIDIA wird Marvell trotz seines geringeren Umfangs eine steilere Beschleunigungskurve zugeschrieben.
Welche Herausforderungen und Chancen bestehen für Marvell?
Trotz des starken Wachstums und der positiven Analystenmeinungen gibt es auch Herausforderungen. Der Nettogewinn im ersten Fiskalquartal 2027 ging um 80,61 % zurück, was hauptsächlich auf eine einmalige, nicht-liquiditätswirksame Belastung von 331,8 Millionen US-Dollar im Zusammenhang mit der Bewertung einer bedingten Gegenleistung zurückzuführen war. Zudem steigt die aktienbasierte Vergütung. Die Integration der jüngsten Akquisitionen von Celestial AI und XConn Technologies birgt ebenfalls Ausführungsrisiken, die sich über mehrere Quartale erstrecken könnten. Diese Akquisitionen sollen Marvell jedoch in die Lage versetzen, End-to-End-Lösungen für photonische Fabrics und Chiplet-Konnektivität anzubieten.
Die Aktie von Marvell Technology hat im laufenden Jahr bereits eine beeindruckende Performance hingelegt und ist um etwa 179 % gestiegen. Trotz des jüngsten Rückgangs im Zuge eines breiteren Ausverkaufs im Chip-Sektor, der auch durch Sorgen um KI-Ausgaben und eine mögliche Blase im Sektor beeinflusst wird, sehen Analysten weiterhin Aufwärtspotenzial. Die starke Position von Marvell im Datacenter-Geschäft und die strategische Partnerschaft mit Google werden als entscheidende Faktoren für die zukünftige Entwicklung angesehen. Die nächsten Marvell Technology Quartalszahlen werden weitere Einblicke in die Umsetzung dieser Strategien geben.
Marvell Technologies Position im AI-Sektor
Die strategische Partnerschaft von Marvell Technology mit Google zeigt die wachsende Bedeutung des Unternehmens im KI-Sektor. Während der Marvell Google Deal die Aktie trotz Milliarden-Chance kurzfristig fallen ließ, sehen Analysten langfristig starkes Potenzial. Im Vergleich dazu erlebte XPeng trotz Rekord-Finanzierung für die Robotik-Sparte einen Schock nach gemischten Quartalszahlen, was die unterschiedlichen Marktreaktionen auf Unternehmensnachrichten im Technologiebereich verdeutlicht.
Wir sehen außergewöhnliche KI-bezogene Buchungen und erhöhen infolgedessen die Umsatzprognose von Marvell für die Fiskaljahre 2027 und 2028 erheblich.— Matt Murphy, CEO Marvell Technology
Die bevorstehenden Marvell Technology Quartalszahlen werden mit Spannung erwartet, da der jüngste Google-Deal und die starke KI-Nachfrage das Unternehmen in eine vielversprechende Position gebracht haben. Analysten wie Wells Fargo und JPMorgan sehen erhebliches Aufwärtspotenzial, gestützt durch wachsende Umsätze im Datacenter-Bereich und strategische Akquisitionen. Für Anleger könnte die Aktie von Marvell Technology trotz kurzfristiger Volatilität eine attraktive langfristige Chance im aufstrebenden KI-Sektor darstellen. Die zukünftigen Berichte werden zeigen, ob das Unternehmen seine ambitionierten Ziele weiterhin erreichen und die Erwartungen der Analysten erfüllen kann.



