Die neuesten Microsoft Earnings sorgen für Aufsehen: Rekordumsatz, stark steigende Gewinne – und dennoch rutscht die Aktie deutlich ab. Anleger fragen sich, ob der KI-Boom die hohen Investitionen rechtfertigt oder ob Microsoft in eine gefährliche Übertreibungsphase steuert. Der folgende Überblick ordnet Zahlen, Marktreaktion und Analystenstimmen ein.

Microsoft Earnings: Warum fällt die Aktie trotz Rekordgewinn?
Microsoft Corporation hat für das zum 31. Dezember 2025 abgeschlossene Quartal starke Zahlen vorgelegt: Der Umsatz kletterte auf rund 81,3 Milliarden US‑Dollar, ein Plus von 17 % gegenüber dem Vorjahr. Der verwässerte Gewinn je Aktie sprang um 60 % auf 5,16 Dollar, das operative Ergebnis stieg um 21 % auf 38,3 Milliarden Dollar. Damit lagen Umsatz und Gewinn klar über den durchschnittlichen Analystenschätzungen.
An der Börse honoriert wurde das aber nicht: Die Aktie erlitt den größten Tagesverlust seit März 2020 und brach zeitweise um rund 10–11 % ein. Auch in den darauffolgenden Handelstagen hält der Druck an, der Kurs liegt aktuell bei etwa 424,55 Dollar und damit deutlich unter dem Vortagsschluss von 433,50 Dollar. Der Auslöser: Anleger fokussieren sich bei den jüngsten Microsoft Earnings weniger auf das Gewinnniveau, sondern auf die Kombination aus verlangsamtem Cloud‑Wachstum und explosionsartig steigenden Zukunftsinvestitionen.
Im Marktumfeld verstärkt sich parallel eine generelle Skepsis gegenüber großen Software‑ und KI‑Werten. Investoren rotieren verstärkt in zyklische Branchen, während Tech‑Schwergewichte der „Magnificent Seven“ vermehrt Gewinnmitnahmen sehen. Microsoft gerät damit in den Sog einer ganzen Sektorrotation.
Microsoft: KI-Boom oder Investitionsfalle?
Im Zentrum der Diskussion steht das Cloud‑Geschäft. Der Umsatz mit Microsoft Cloud lag zuletzt bei rund 51,5 Milliarden Dollar und wuchs um 26 % im Jahresvergleich. Die Azure‑ und KI‑Umsätze legten zwar um knapp 38 % zu, erfüllten aber nur knapp beziehungsweise leicht unter den sehr hohen Markterwartungen, zudem verlangsamte sich die Dynamik im Vergleich zum Vorquartal. Die Börse hatte auf eine weitere Beschleunigung gesetzt – ein Anspruch, den die aktuellen Microsoft Earnings nicht einlösen konnten.
Gleichzeitig schießen die Investitionen in die Höhe: Die Sachinvestitionen stiegen um rund zwei Drittel auf etwa 37,5 Milliarden Dollar, vor allem für KI‑Rechenzentren und Hochleistungschips. Das weckt die Sorge, dass die Branche in eine Phase eintritt, in der „mehrere Unternehmen viel mehr investieren und dafür zunächst deutlich weniger zurückbekommen“. Hedgefonds und aktive Fondsmanager haben ihre Engagements in Tech‑Titeln zuletzt spürbar reduziert; laut Handelsdaten war der IT‑Sektor zwei Wochen in Folge der Bereich mit den höchsten Nettoverkäufen.
Dennoch gibt es klare Signale, dass die KI‑Initiativen bereits monetarisiert werden: Bezahlt‑Abos für Copilot‑Lösungen wachsen dreistellig, Copilot‑Seats sollen im jüngsten Quartal um 160 % zugelegt haben, während die Zahl der aktiven Nutzer sich verzehnfacht hat. Hinzu kommt der Ausbau von Plattformen wie Foundry und Agent 365, mit denen Unternehmen generative KI‑Agenten über mehrere Clouds steuern und produktiv einsetzen können.

Microsoft: Wie bewerten Analysten die Microsoft Earnings?
Die widersprüchliche Marktreaktion auf die Microsoft Earnings spiegelt sich auch in den Analystenkommentaren wider. Einerseits haben mehrere Häuser ihre kurzfristigen Kursziele leicht zurückgenommen, weil das Cloud‑Wachstum nicht stärker anzog als erwartet und der Capex‑Pfad nach oben zeigt. Andererseits bleibt der Grundton mittel‑ bis langfristig überwiegend positiv.
So bestätigen zahlreiche Research‑Abteilungen großer Banken Microsoft als Kerninvestment im KI‑Sektor und verweisen auf die Kombination aus Cloud‑Infrastruktur, Office‑Ökosystem, Gaming und LinkedIn. Analysten betonen, dass die operative Kostenbasis nur moderat um etwa 5 % gewachsen ist, während Umsatz und operatives Ergebnis deutlich schneller zulegten – ein Hinweis auf Skaleneffekte trotz hoher Investitionen. Zudem wird auf die starke Bilanzqualität und die Funktion von Microsoft als „Rückenmark“ der Unternehmens‑IT hingewiesen.
Kurstreiber der nächsten Quartale dürften vor allem zwei Fragen sein: Erstens, ob Azure‑ und Cloud‑Umsätze spürbar beschleunigen und damit die KI‑Capex rechtfertigen. Zweitens, in welchem Tempo Copilot‑ und Agent‑Lösungen in den Massenmarkt der Unternehmenskunden diffundieren und wiederkehrende Abo‑Erlöse aufbauen.
Auch aus der Perspektive langfristiger Anleger werden die aktuellen Microsoft Earnings eher als Zwischenstation in einem mehrjährigen KI‑Zyklus gewertet. Die Aktie wirkt nach dem Rückgang fundamental günstiger als in den vergangenen drei Jahren, das Kurs‑Gewinn‑Verhältnis liegt wieder näher an historischen Durchschnittswerten. Wer auf ein nachhaltiges Wachstum der KI‑Cloud und der Produktivitäts‑Suite setzt, findet in Microsoft aus Sicht vieler Marktbeobachter einen qualitativ hochwertigen, wenn auch nicht risikofreien Hebel auf den globalen KI‑Boom.
Die Microsoft Earnings kombinieren beeindruckende Wachstumszahlen mit einem schmerzhaften Kurssturz, weil der Markt den Return auf enorme KI‑Investitionen schneller sehen will. Für kurzfristig orientierte Trader bleibt die Aktie anfällig für Volatilität, langfristige Anleger sehen im Rücksetzer eine Chance, eine KI‑Schlüsselposition zu reduziertem Bewertungsniveau auszubauen. Die nächsten Quartalsberichte werden zeigen, ob Microsoft das Cloud‑Wachstum beschleunigen und damit das Vertrauen in seine Milliardenwette auf Künstliche Intelligenz weiter stärken kann.