Ist der CagriSema-Schock für Novo Nordisk nur ein schmerzhafter Rueckschlag oder der Beginn eines tieferen Strukturbruchs?
Wie hart trifft der CagriSema-Schock Novo Nordisk?
Auslöser des Kursdramas ist der Rückschlag bei Novo Nordisk CagriSema, einem Kombinationspräparat aus Semaglutid und Cagrilintid. In der Phase‑3‑Studie REDEFINE‑4 gelang es dem Wirkstoff nicht, den Rivalen Zepbound von Eli Lilly bei der Gewichtsreduktion zu übertreffen. Statt eines erhofften Durchbruchs lieferte CagriSema lediglich geringere oder vergleichbare Effekte – ein schwerer Dämpfer für die Positionierung als Adipositas-Mittel der nächsten Generation.
An der Börse führte das zu Panikverkäufen: Die Papiere brachen am Montag zeitweise um fast 20 % ein, die ADRs verloren bis zu 16 % und fielen auf Niveaus, die zuletzt 2021 gesehen wurden. Mit aktuell 38,59 US-Dollar liegen sie deutlich unter früheren Hochs, womit der jahrelange Aufwärtstrend zunächst klar gebrochen ist. Auch am Dienstag setzt sich der Abgabedruck mit weiteren rund 3 % Minus fort.
Besonders brisant: Analysten bezifferten das Umsatzpotenzial von Novo Nordisk CagriSema ursprünglich auf rund 12 Milliarden US‑Dollar jährlich. Nach dem Studienflop wird dieses Potenzial nun drastisch auf etwa 2 Milliarden US‑Dollar eingedampft. Damit verliert der Konzern einen zentralen Baustein für die Zeit nach Semaglutid.
Wie reagieren Analysten auf Novo Nordisk?
Die negative Studie zu Novo Nordisk CagriSema hat eine Welle von Abstufungen ausgelöst. Mehrere große Investmentbanken haben ihre Kursziele teils um ein Drittel nach unten revidiert und frühere Kaufempfehlungen zurückgenommen. Einschätzungen gehen davon aus, dass das langfristige EPS‑Wachstum von erwarteten 8 % pro Jahr im Zeitraum 2027 bis 2031 auf nur noch rund 5 % fallen könnte.
Barclays senkt beispielsweise seine Umsatzprognosen für den Bereich Adipositas und Typ‑2‑Diabetes deutlich und spricht von einer „schwachen Pipeline“, die Novo Nordisk ohne neue Blockbuster verwundbar mache. Das Kursziel wurde von 340 auf 270 dänische Kronen reduziert – nur noch rund 10 % über dem aktuellen Niveau in Kopenhagen. Auch andere Häuser passen ihre Modelle an, nachdem sich gezeigt hat, dass CagriSema Zepbound beziehungsweise dem Eli‑Lilly‑Wirkstoff Tirzepatid nicht gewachsen ist.
Gleichzeitig verweisen optimistischere Stimmen auf Chancen durch Oral Wegovy, die neue Tablettenvariante von Semaglutid. Diese könnte dank höherem Komfort und starker Wirksamkeit vor allem außerhalb der USA für Wachstum sorgen, sobald weitere Zulassungen vorliegen. Damit bleibt das Kerngeschäft zwar intakt, doch der Bewertungsaufschlag für eine scheinbar unangreifbare Marktführerschaft ist erst einmal dahin.

Was bedeutet der Preiskrieg für Wegovy und Ozempic?
Parallel zum Schock um Novo Nordisk CagriSema entzündet der Konzern einen Preiskrieg im lukrativen GLP‑1‑Markt. Ab dem 1. Januar 2027 will Novo Nordisk die US‑Listenpreise für Wegovy und Ozempic deutlich senken. Beide Präparate sollen dann für 675 US‑Dollar pro Monat gelistet sein – etwa die Hälfte des bisherigen Wegovy-Preises und rund ein Drittel weniger als bisher bei Ozempic. Die Anpassung gilt auch für orale Formate wie Rybelsus.
Offiziell begründet das Management den Schritt mit dem Ziel, den Zugang für Patienten mit hohen Selbstbeteiligungen zu verbessern und die reale Erschwinglichkeit zu erhöhen. Faktisch verschärft Novo Nordisk damit aber vor allem den Wettbewerb mit Eli Lilly, dessen Zepbound bislang als wirksamer gilt und im Marktanteil schon vorbeigezogen ist. Nettoeinnahmen könnten unter Druck geraten, auch wenn die bisherigen Rabattstrukturen und direkten Cash‑Preisprogramme (149 bis 499 US‑Dollar monatlich) vorerst unverändert bleiben sollen.
Der Markt reagiert verhalten: Sowohl die Aktie von Novo Nordisk als auch die von Eli Lilly gaben nach Bekanntwerden der Preissenkungen nach. Investoren fürchten eine strukturelle Margen-Erosion in einem Markt, dessen Volumen zwar von derzeit rund 72 Milliarden auf geschätzte 139 Milliarden US‑Dollar bis 2030 wachsen dürfte, in dem aber der Preisdruck nun klar zunimmt.
Immerhin arbeitet Novo Nordisk daran, die CagriSema-Baustelle nicht sich selbst zu überlassen. Eine neue Phase‑3‑Studie mit höherer Dosierung steht im Raum, um bessere Resultate zu erzielen. Bis dahin bleibt Novo Nordisk CagriSema jedoch ein Symbol für den abrupten Reality‑Check einer zuvor als unantastbar geltenden Wachstumsstory.
Unsere Hoffnung ist, dass niedrigere Preise zu einem besseren Zugang und größerer Erschwinglichkeit führen.
— Jamey Millar, Executive Vice President US‑Geschäft von Novo Nordisk
Fazit
Die Kombination aus Studienflop bei Novo Nordisk CagriSema und angekündigtem Preiskrieg bei Wegovy und Ozempic zwingt den Konzern zu einer schmerzhaften Neubewertung. Für Anleger bedeutet das: Die Story bleibt intakt, aber ohne den früheren Bewertungsbonus und mit deutlich höherem Ausführungsrisiko. Entscheidend wird nun, ob Oral Wegovy und eine mögliche neue CagriSema-Studie das Vertrauen in das Wachstum ab 2027 wieder stärken können.
Weiterführende Quellen
- Novo Nordisk A/S (NVO) bei Yahoo Finance (Yahoo Finance)
- Novo Nordisk downgraded as CagriSema trial flops (Proactive Investors)
- Novo Nordisk to slash Wegovy, Ozempic U.S. list prices (Reuters)
- Ozempic And Wegovy Prices Will Be Cut Next Year (Forbes)

