Droht Novo Nordisk durch neue GLP-1-Konkurrenz und Telemedizin-Deals ein Machtverlust im boomenden Adipositas-Markt?
Wie stark trifft die Novo Nordisk GLP-1 Konkurrenz das Wegovy-Geschäft?
Die jüngsten Kursbewegungen zeigen, dass der Nimbus der Unantastbarkeit bei Novo Nordisk (NVO) Risse bekommen hat. Während Wettbewerber wie Eli Lilly im gleichen Zeitraum rund 60 % Kursplus verzeichneten, ist die Aktie von Novo Nordisk von ihrem Hoch aus betrachtet zeitweise um etwa 60 % eingebrochen. Hintergrund ist die sich zuspitzende Novo Nordisk GLP-1 Konkurrenz, insbesondere im hart umkämpften Markt für Adipositas-Therapien.
Für Unruhe sorgt vor allem Structure Therapeutics mit seiner experimentellen GLP‑1-Tablette Aleniglipron. In einer Phase‑2-Studie erreichten Patienten nach rund elf Monaten im Schnitt etwa 16 % Gewichtsverlust – und das sowohl bei 180 mg als auch bei 240 mg. Zum Vergleich: Die orale Version von Wegovy kam in Studien nach 16 Monaten auf rund 13,6 %, Eli Lillys Orforglipron lag bei etwa 11,2 %. Analyst Evan David Seigerman von BMO Capital Markets spricht von einer „äußerst wettbewerbsfähigen“ Wirksamkeit, die über der Wegovy-Tablette und Orforglipron liege.
Besonders kritisch für Novo Nordisk: Die hohe Effektivität trifft auf eine bislang überraschend gute Verträglichkeit. Die Abbruchrate der Behandlung lag bei Aleniglipron nur zwischen 2 und 3,4 %, während in Studien zur Wegovy-Tablette bis zu 16,9 % der Patienten die Therapie wegen Nebenwirkungen abbrachen. Damit bekommt die bisherige orale GLP‑1-Strategie von Novo Nordisk einen klaren Dämpfer.
Structure Therapeutics: Ein ernstzunehmender Wegovy-Rivale?
Analystin Yasmeen Rahimi von Piper Sandler sieht in den Daten zu Aleniglipron potenziell die „bisher höchste Wirksamkeit eines oralen Präparats“. Bemerkenswert ist zudem, dass in der Studie noch kein Plateau beim Gewichtsverlust erkennbar war – ein Hinweis, dass Patienten bei längerer Einnahme weiter abnehmen könnten. Sollte sich dies in größeren, späteren Studien bestätigen, würde die Novo Nordisk GLP-1 Konkurrenz nicht nur im Tabletten-Segment, sondern sogar gegenüber injizierbaren Präparaten an Schärfe gewinnen.
Für den Marktführer ist dies aus mehreren Gründen brisant. Zum einen wächst der Adipositas-Markt rasant und wird von Investoren als langfristiges Multimilliarden-Segment eingeschätzt. Zum anderen bevorzugen viele Patienten eine tägliche Tablette statt regelmäßiger Injektionen, was oralen Präparaten strukturelle Vorteile verschafft. Gelingt es Structure Therapeutics, mit Aleniglipron eine Zulassung zu erreichen, könnte dies mittelfristig Marktanteile von Wegovy verschieben und die Bewertung von Novo Nordisk zusätzlich belasten.
Auch wenn große Häuser wie die Citigroup und RBC Capital aktuell nicht explizit ihre Einstufungen zu Aleniglipron aktualisiert haben, unterstreichen Kommentare von BMO Capital Markets und Piper Sandler, dass Investoren die neue Konkurrenz sehr ernst nehmen. Damit rückt die Frage in den Fokus, wie Novo Nordisk seine starke Position in einem immer dichter besetzten Feld verteidigen will.

Hims & Hers: Telemedizin-Deal als Gegenangriff von Novo Nordisk?
Parallel zur wachsenden Novo Nordisk GLP-1 Konkurrenz setzt der Konzern strategische Akzente im Vertrieb. Mit Hims & Hers hat Novo Nordisk eine Partnerschaft geschlossen, die den Zugang zu den GLP‑1‑Blockbustern Ozempic und Wegovy über die Telemedizin-Plattform deutlich ausweitet. Hims & Hers wird künftig FDA-zugelassene Ozempic-Injektionen sowie Wegovy als Tablette und als Injektion zu „erschwinglichen Selbstzahlerpreisen“ anbieten, die mit anderen Telehealth-Anbietern vergleichbar sind.
Damit adressiert Novo Nordisk gleich zwei Probleme: Einerseits wird die Reichweite bei preisbewussten, digital affinen Patienten erhöht. Andererseits zwingt der Deal Hims & Hers dazu, den Verkauf und die Werbung für nicht zugelassene, nachgebauten GLP‑1‑Präparate einzustellen. In einem Markt, in dem mit der enormen Nachfrage nach GLP‑1-Medikamenten auch graue Vertriebswege boomen, schafft Novo Nordisk so ein Sicherheitsargument und lenkt Patienten zurück zu geprüften Originalmedikamenten.
Im Zuge der Vereinbarung zieht Novo Nordisk seine laufende Patentklage gegen Hims & Hers zunächst zurück, behält sich aber ein späteres erneutes Vorgehen vor. Konzernchef Mike Doustdar spricht von einem „Sieg für Patienten“, weil sichere, zugelassene Mittel klar priorisiert würden. Strategisch ist der Schritt auch als Antwort auf die Novo Nordisk GLP-1 Konkurrenz zu werten: Wer den Vertrieb über Telemedizin kontrolliert, sichert sich einen wichtigen Hebel im Kampf um Marktanteile.
Die aktuellen Studiendaten zu Aleniglipron setzen einen neuen Maßstab für orale GLP‑1-Therapien und erhöhen den Druck auf etablierte Anbieter.
— Yasmeen Rahimi, Piper Sandler
Fazit
Die Novo Nordisk GLP-1 Konkurrenz gewinnt mit der starken Aleniglipron-Studie deutlich an Schlagkraft und stellt die bisherige Dominanz von Wegovy in Frage. Für Anleger bleibt Novo Nordisk zwar ein Schwergewicht im Adipositas-Markt, doch Bewertungsrisiken steigen, solange neue orale Rivale die Erwartungshaltung übertreffen. Entscheidend wird sein, ob der Telemedizin-Deal mit Hims & Hers und weitere Innovationen ausreichen, um die Novo Nordisk GLP-1 Konkurrenz auszubremsen und das Wachstum langfristig zu sichern.
Weiterführende Quellen
- Structure Therapeutics reports positive Phase 2 data for oral GLP-1 agonist Aleniglipron (Reuters)
- Hims & Hers announces collaboration with Novo Nordisk to offer GLP-1 medications (Bloomberg)
- Analyst reaction to Aleniglipron Phase 2 data (Piper Sandler)
- Novo Nordisk GLP-1 Konkurrenz und Telemedizin-Deal bei Yahoo Finance (Yahoo Finance)

