Kann der KI-Boom die NuScale SMR-Technologie retten, oder begraben die massiven Projektverzögerungen in Rumänien die Träume der Anleger endgültig?
Warum treibt der KI-Boom das Interesse an NuScale SMR?
Die künstliche Intelligenz gilt als einer der größten Wachstumstreiber unserer Zeit. Doch der Betrieb von gigantischen Rechenzentren, wie sie für die Modelle von Tech-Giganten wie NVIDIA benötigt werden, verschlingt unvorstellbare Mengen an Strom. Traditionelle erneuerbare Energien wie Wind und Sonne stoßen bei der geforderten Grundlastfähigkeit oft an ihre Grenzen. Hier kommt die Technologie von NuScale Power Corp. ins Spiel.
Das Unternehmen hat sich auf kleine modulare Reaktoren spezialisiert. Ein solcher NuScale SMR bietet den Vorteil, dass er kompakter, sicherer und flexibler einsetzbar ist als klassische Großkraftwerke. Bereits im Jahr 2020 erhielt das Unternehmen als erster Akteur die Genehmigung der US-Nuklearaufsichtsbehörde für sein grundlegendes Design. Im Jahr 2025 folgte die Zulassung für eine leistungsstärkere Variante, was die Position als führender amerikanischer Anbieter untermauerte. Die Aussichten für die gesamte Branche sind vielversprechend: Analysten von Bank of America prognostizieren, dass die Kernkraft in den kommenden Jahrzehnten eine globale Marktchance von rund 10 Billionen US-Dollar darstellen könnte, wobei modulare Reaktoren eine fundamentale Rolle einnehmen dürften.
Welche operativen Probleme belasten die Aktie der NuScale Power Corp.?
Trotz der technologischen Pionierarbeit und der theoretisch gigantischen Nachfrage spiegelt der Aktienkurs von NuScale Power Corp. (SMR) eine tiefe Verunsicherung der Anleger wider. Nach dem Börsengang im Jahr 2022 erlebte das Papier zunächst einen dramatischen Absturz von über 80 Prozent, bevor ein beispielloser Hype um künstliche Intelligenz die Aktie bis zum Sommer 2025 um mehr als 1.800 Prozent nach oben katapultierte. Seit diesem Höchststand hat sich die Euphorie jedoch wieder drastisch abgekühlt, und die Notierung ist erneut um rund 80 Prozent eingebrochen. Am heutigen Handelstag markiert der Abschlag von 7,13 Prozent auf 8,39 US-Dollar die Fortsetzung dieser volatilen Phase.
Der Grund für den jüngsten Abverkauf liegt in den massiven Verzögerungen bei der Umsetzung der realen Projekte. Ein prominentes Beispiel ist die geplante Anlage in Rumänien: Hier wurde das anvisierte Fertigstellungsdatum von ursprünglich 2030 auf das Jahr 2034 verschoben. Solche zeitlichen Verzögerungen und die damit verbundenen steigenden Kosten belasten das Vertrauen des Marktes schwer. Da weltweit bisher nur eine Handvoll dieser neuartigen Reaktoren tatsächlich in Betrieb ist, bleibt die Skalierung der Technologie ein risikoreiches Unterfangen mit ungewissem Ausgang.
Wie sieht der Ausblick für die kommenden Jahre aus?
Neue technologische Fortschritte könnten nun den Wendepunkt markieren, an dem kleine modulare Reaktoren die nuklearen Lieferketten im nächsten Jahrzehnt grundlegend umgestalten.— Bank of America
Für Investoren stellt sich nun die Frage, wann mit den ersten kommerziellen Umsätzen aus operativen Anlagen gerechnet werden kann. Branchenkenner gehen davon aus, dass vor dem Ende dieses Jahrzehnts keine funktionsfähigen Reaktoren des Unternehmens am Netz sein werden. Der Fokus der Marktbeobachter richtet sich daher primär auf das ambitionierte Projekt mit der Tennessee Valley Authority im Osten der USA, das eine Kapazität von 6 Gigawatt umfassen soll. Obwohl der Bau noch Jahre entfernt ist, könnten bereits im kommenden Dezember wichtige Neuigkeiten über eine langfristige Stromabnahmevereinbarung bekannt gegeben werden. Ein solcher Vertrag würde dem Unternehmen über Jahrzehnte hinweg feste Einnahmen garantieren und könnte als starker Katalysator für den Aktienkurs wirken.



