Wie konnte NVIDIA trotz Margendruck und wachsender Konkurrenz einen Rekord-Umsatz erzielen und die Aktie um +4.8% steigen lassen?
Beeindruckende NVIDIA Quartalszahlen und Ausblick
Die NVIDIA Corporation (NVDA) hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Umsatz von 96,2 Milliarden US-Dollar erzielt, was einer Steigerung von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der bereinigte Gewinn pro Aktie lag bei 2,22 US-Dollar, deutlich über den Analystenschätzungen von 2,09 US-Dollar. Besonders hervorzuheben ist das Rechenzentrumsgeschäft, dessen Erlöse um 117 Prozent auf 89 Milliarden US-Dollar anstiegen und damit die Prognosen von 85,86 Milliarden US-Dollar übertrafen. Jensen Huang, Gründer und CEO von NVIDIA, betonte, dass KI ihren Wendepunkt erreicht habe und Rechenleistung heute direkt in Ertrag umgemünzt werde. Die Nachfrage beschleunige sich weiter, und die neue Chip-Generation Vera Rubin sei in voller Serienproduktion.
Für das laufende dritte Quartal prognostiziert NVIDIA einen Umsatz von 108 Milliarden US-Dollar, was die Konsensschätzung von 104 Milliarden US-Dollar übertrifft. Die Finanzchefin Colette Kress stellte zudem ein Umsatzwachstum von rund 70 Prozent für das gesamte Geschäftsjahr 2028 in Aussicht, was deutlich über den Schätzungen von 45 Prozent liegt. Dies ist das erste Mal, dass NVIDIA eine so weit reichende Prognose abgibt, was auf eine verbesserte Visibilität und das Vertrauen in die Lieferkette hindeutet. Trotz dieser positiven Nachrichten reagierte die Aktie nachbörslich zunächst mit einem leichten Minus, erholte sich jedoch im Verlauf auf ein Plus von über 4 Prozent.
Margendruck und Investitionen in das KI-Ökosystem
Ein zentrales Thema in der Diskussion um die NVIDIA Quartalszahlen sind die Bruttomargen. Während die bereinigte Bruttomarge im zweiten Quartal mit 75 Prozent den Erwartungen entsprach, prognostiziert NVIDIA für das dritte Quartal einen Rückgang auf 74 Prozent und einen Tiefpunkt von 71 bis 72 Prozent im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2027. Dieser Margendruck wird hauptsächlich auf die extrem gestiegenen Preise für Speicherchips zurückgeführt. Colette Kress erklärte, dass die Speicherknappheit ein Symptom der hohen Nachfrage sei, die auch NVIDIAs Wachstum antreibe.
NVIDIA verstärkt seine Investitionen in das gesamte KI-Ökosystem. Das Unternehmen hat in den letzten Wochen milliardenschwere Engagements bekannt gegeben, darunter eine Investition von 1,5 Milliarden US-Dollar in SB Energy und eine Absicherung von bis zu 105 Milliarden US-Dollar für ein Rechenzentrumsprojekt von OpenAI in Ohio. Diese Strategie, die von einigen als „zirkuläre Finanzierung“ kritisiert wird, verteidigt Kress als notwendig, um das Wachstum der „Frontier AI Labs“ zu unterstützen, die sie als die größten Technologieunternehmen der Geschichte sieht. Die Verpflichtungen gegenüber Lieferanten stiegen von 119 Milliarden US-Dollar im Vorquartal auf 279 Milliarden US-Dollar, hauptsächlich für die Beschaffung von Speicher.
Wachsende Konkurrenz und China-Strategie
Die Vormachtstellung von NVIDIA im KI-Markt ist nicht unumstritten. Konkurrenten wie Advanced Micro Devices (AMD) und Google mit seinen TPUs drängen auf den Markt. Zudem entwickeln wichtige Kunden wie Amazon, Microsoft und Meta eigene KI-Chips für spezifische Anwendungen. OpenAI hat beispielsweise den eigenen Inferenz-Chip „Jalapeño“ vorgestellt, der in einigen Testszenarien besser abschnitt als NVIDIAs Blackwell-Chips. Jensen Huang zeigte sich jedoch unbeeindruckt und betonte, dass NVIDIAs Systeme und Softwarebibliotheken unerreicht seien und die großen KI-Labs weiterhin auf NVIDIA-Hardware angewiesen sein werden.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist NVIDIAs China-Strategie. Im zweiten Quartal machten die Lieferungen von Hopper-Produkten nach China weniger als 1 Prozent des Rechenzentrums-Umsatzes aus. NVIDIA geht in seinem Ausblick für das dritte Quartal von keinen Rechenzentrums-Umsätzen aus China aus. Huang argumentiert, dass ein Verkaufsverbot amerikanischen Unternehmen schadet, da chinesische Akteure die Lücke füllen. Analysten sehen China jedoch als eine Art „kostenlose Call-Option“: Sollten sich die geopolitischen Spannungen entspannen, könnte dies einen erheblichen positiven Impuls für NVIDIA darstellen, da der Markt derzeit kaum Beiträge aus dieser Region erwartet.
Analysten-Stimmen und Marktreaktion
Die Mehrheit der Analysten bleibt optimistisch. Raymond James hat ein Kursziel von 352 US-Dollar, während CFRA eine „Strong Buy“-Einstufung beibehält. Bank of America Securities-Analyst Vivek Arya sieht NVIDIA als 30-50% unterbewertet an, basierend auf einem PEG-Verhältnis von 0,3x im Vergleich zu einem fairen Wert von 1x. Er prognostiziert, dass NVIDIA bis zum nächsten Jahr täglich eine Milliarde US-Dollar an freiem Cashflow generieren könnte. Gil Luria, Leiter der Technologieforschung bei D.A. Davidson, bemerkte, dass der Markt NVIDIA so behandele, als ob es aufgrund der bereits erreichten Größe kein weiteres Wachstumspotenzial gäbe.
Trotz der beeindruckenden Zahlen und des positiven Ausblicks bleibt die Aktie volatil. In den letzten vier Quartalen fiel der Kurs nach der Veröffentlichung der NVIDIA Quartalszahlen, obwohl die Erwartungen übertroffen wurden. Dies zeigt, dass die Anleger nicht nur auf die reinen Zahlen, sondern zunehmend auf die Nachhaltigkeit des Wachstums und die Entwicklung der Margen achten. Die Partnerschaft mit Amazon Web Services (AWS) zur zusätzlichen Bereitstellung von 2 Millionen GPUs in den Jahren 2027-2028 und die Integration von NVIDIAs Vera CPUs in AWS-Infrastrukturen wurden von Analysten positiv hervorgehoben und trugen zur Erholung des Aktienkurses bei.
NVIDIA und Nike: Ein Blick auf aktuelle Marktgeschehnisse
Die aktuellen Quartalsergebnisse von NVIDIA zeigen eine beeindruckende Performance, werfen aber auch Fragen zur Nachhaltigkeit des KI-Booms auf, wie der Artikel NVIDIA Quartalszahlen: KI-Boom auf dem Prüfstand und Aktie +2.0% erörtert. Im Gegensatz dazu steht der Sportartikelhersteller Nike, dessen Aktie nach enttäuschenden Zahlen unter Druck gerät, wie im Beitrag Nike Quartalszahlen: Aktie auf 12-Jahres-Tief nach Analysten-Schock zu lesen ist.
„KI hat ihren Wendepunkt erreicht. Sie leistet nützliche Arbeit. Ihre Token sind produktiv und profitabel. Rechenleistung ist heute Umsatz, und die Nachfrage beschleunigt sich.“— Jensen Huang, Gründer und CEO von NVIDIA
Die jüngsten NVIDIA Quartalszahlen bestätigen die beeindruckende Wachstumsdynamik des Unternehmens im KI-Sektor, angetrieben durch Rekordumsätze und einen optimistischen Ausblick. Für Anleger bedeutet dies eine Fortsetzung der starken Performance, die jedoch von hohen Erwartungen und der Entwicklung der Bruttomargen begleitet wird. Die nächsten Quartale werden zeigen, ob NVIDIA seine dominante Position trotz wachsender Konkurrenz und Margendruck weiterhin erfolgreich behaupten kann.



