Wird die Oracle AI-Infrastruktur zum profitablen Milliardenmotor – oder erstickt das Wachstum an der explodierenden Schuldenlast?
Wie stark wächst die Oracle Corporation im KI-Geschäft?
Im laufenden Geschäft wandelt sich die Oracle Corporation vom klassischen Softwareanbieter zu einem der aggressivsten Player im Markt für KI-Rechenzentren. Das Cloud-Infrastruktur-Segment – Kern der Oracle AI-Infrastruktur – vermietet massiv Grafikkarten-Leistung (GPUs) und Rechenzentrums-Kapazitäten an Unternehmen, die eigene KI-Modelle aufbauen oder betreiben. Bereits für das laufende Fiskaljahr stellte das Management ein Umsatzwachstum der Cloud-Infrastruktur auf 18 Milliarden US-Dollar in Aussicht und sieht bis zum Geschäftsjahr 2030 ein mögliches Hochfahren auf deutlich über 140 Milliarden US-Dollar.
Im dritten Quartal des Fiskaljahres 2026 legte der Konzern nach: Der Gesamtumsatz stieg um 22 % auf 17,2 Milliarden US-Dollar, während die Cloud-Erlöse sogar um 44 % gegenüber dem Vorjahr zulegten und inzwischen mehr als die Hälfte des Geschäfts ausmachen. Damit rückt die Oracle AI-Infrastruktur zunehmend ins Zentrum des Konzernmodells. Oracle erwartet 67 Milliarden US-Dollar Umsatz für das Geschäftsjahr 2026 und rund 90 Milliarden für 2027 – ein Plus von gut 34 % in nur einem Jahr.
Wie wichtig ist OpenAI für die Oracle Corporation?
Einen wesentlichen Wachstumstreiber bildet der mehrjährigen Mega-Deal mit OpenAI, dem Betreiber von ChatGPT. Ein Großteil der in den vergangenen Quartalen gemeldeten verbleibenden Leistungsverpflichtungen (Remaining Performance Obligations, RPO) entfällt auf diesen Kunden: Von zunächst gemeldeten 455 Milliarden US-Dollar RPO entfielen rund 300 Milliarden auf OpenAI, inzwischen ist der Gesamtbestand auf 553 Milliarden US-Dollar angewachsen. Diese langfristig vertraglich gesicherten Einnahmen unterstreichen die Auslastung der Oracle AI-Infrastruktur, erhöhen aber gleichzeitig das Klumpenrisiko.
Entlastung bringt die jüngste Finanzierungsrunde von OpenAI: Mit einem privaten Kapitalzufluss von 110 Milliarden US-Dollar und einer Unternehmensbewertung im hohen dreistelligen Milliardenbereich verbessert sich die Fähigkeit des KI-Pioniers, seine massiven Infrastrukturverpflichtungen zu bedienen. Hinzu kommen Umsatzpläne mit Advertising auf ChatGPT und langfristige Erlösprojektionen im dreistelligen Milliardenbereich pro Jahr bis 2030. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die aus der Oracle AI-Infrastruktur resultierenden Zahlungsverpflichtungen von OpenAI erfüllt werden.

Wie finanziert die Oracle Corporation den Ausbau?
Der Preis für den rasanten Ausbau der Oracle AI-Infrastruktur ist eine deutlich höhere Verschuldung. Oracle hat nach eigenen Angaben bereits rund 30 Milliarden US-Dollar über Investment-Grade-Anleihen und wandelbare Vorzugsaktien aufgenommen und plant insgesamt bis zu 50 Milliarden US-Dollar an Kapitalmaßnahmen, inklusive eines noch ausstehenden Aktienplatzierungsprogramms von 20 Milliarden. Die langfristigen Finanzverbindlichkeiten summieren sich inzwischen auf gut 124,7 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg von rund 41,6 % binnen eines Jahres.
Gleichzeitig ziehen die Investitionsausgaben kräftig an: Die Prognose für die jährlichen Investitionen in Rechenzentren wurde von 35 auf 50 Milliarden US-Dollar erhöht, was temporär zu negativem Free Cashflow führt. Positiv ist, dass neu abgeschlossene Verträge zunehmend auf höhere Vorauszahlungen und „Bring-your-own-hardware“-Modelle setzen. Im jüngsten Quartal wurden so rund 29 Milliarden US-Dollar an neuen Verträgen zu verbesserten Konditionen abgeschlossen, und die gelieferte KI-Kapazität erreichte mit 32 % Bruttomarge bereits den oberen Rand der eigenen Zielspanne.
Wie bewerten Analysten die Oracle AI-Infrastruktur?
Die starke Positionierung im KI-Boom bleibt auch bei Analysten nicht unbemerkt. Die Investmentbank Guggenheim bestätigte nach den jüngsten Zahlen ihr Kursziel von 400 US-Dollar je Aktie und ein „Buy“-Rating für die Oracle Corporation. Begründung: Die massiven Investitionen in die Oracle AI-Infrastruktur dürften sich auszahlen und dem Konzern mittelfristig nicht nur Wachstum, sondern auch eine verbesserte Bilanzstruktur bescheren. Zudem wurde Oracle auf die „Best Ideas“-Liste von Guggenheim für das Jahr 2026 aufgenommen.
Fazit
Demgegenüber zeigte sich Stifel etwas vorsichtiger: Die Analysten senkten ihr Kursziel von 275 auf 220 US-Dollar, beließen die Einstufung aber ebenfalls auf „Buy“. Stifel verweist auf die Belastung durch den Schuldenaufbau, sieht jedoch dank stark wachsender Infrastruktur-as-a-Service-Erlöse und einer soliden Dynamik im Software-as-a-Service-Geschäft weiterhin erhebliches Potenzial für das Ergebnis je Aktie bis 2027. Zudem notiert die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 29 und einem Forward-KGV von etwa 22 nahe am Bewertungsniveau des S&P 500 – für viele Investoren ein Argument, den Transformationspfad Richtung KI-Infrastruktur-Riese aufmerksam zu begleiten.
Weiterführende Quellen
- Oracle stock jumps after strong Q3 fiscal 2026 cloud results (The Motley Fool)
- Why Oracle is positioned as a leading AI data center provider (Insider Monkey)
- AI-focused ETF benefits from hyperscalers’ data center demand (The Motley Fool)
- Oracle Corporation bei Yahoo Finance (Yahoo Finance)

