Kann eine Force-Majeure-Meldung bei einem Milliardenprojekt die ambitionierten Pläne von Oracle im Datencenter-Bereich wirklich ausbremsen?
Was war diese Woche bei Oracle los?
Im Zentrum der Woche stand eine Bloomberg-Meldung vom Donnerstag: Oracle hat dem Entwickler seines milliardenschweren Oracle Datencenter-Projekts Project Jupiter in New Mexico eine Force-Majeure-Mitteilung geschickt. Ziel ist es, sich gegen Zahlungsverpflichtungen abzusichern, falls die Anlage nicht wie geplant 2028 ans Netz geht. Das berichtete Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Oracle wies die Darstellung umgehend zurück: “Project Jupiter remains on our planned schedule” (Project Jupiter bleibt im Plan), hieß es in einer Stellungnahme auf X. “We are fully committed to New Mexico and confident in our path forward.” (Wir stehen voll zu New Mexico und sind von unserem Weg überzeugt.)
Die Force-Majeure-Mitteilung ging an eine Einheit von Blue Owl Capital, die den Entwickler Stack Infrastructure kontrolliert. Blue Owl betonte, die finanziellen Verpflichtungen für das mehrjährige Projekt blieben unverändert. Dennoch reagierten die Märkte nervös: Die Aktie von Blue Owl fiel am Donnerstag um 4,69% auf 9,15 Dollar.
Wie entwickelte sich der Oracle-Kurs?
Die Oracle-Aktie (ORCL) verlor in der Berichtswoche 7,9% – von 148,93 Dollar zur Montagseröffnung auf 137,10 Dollar zum Freitagsschluss. Das Wochenhoch lag bei 153,60 Dollar, das Wochentief bei 133,48 Dollar. Besonders auffällig waren die beiden Ausreißertage Mittwoch (-3,1%) und Donnerstag (-3,5%), als die Force-Majeure-Berichterstattung die Kurse belastete. Am Donnerstag fiel die Aktie zeitweise um mehr als 7% auf 134,07 Dollar, bevor sie sich etwas erholte. Die schwache Entwicklung steht im Kontrast zu den neuen Produktankündigungen, die Oracle am Mittwoch präsentierte.
Welche neuen Produkte stellte Oracle vor?
Oracle kündigte am Mittwoch gleich mehrere Neuheiten an. Im Bereich Digital Assets erweiterte das Unternehmen seine Plattform Digital Assets Data Nexus um Zahlungsausführungs-Integrationen, konfigurierbare Wallet- und Smart-Contract-Kontrollen sowie KI-gestützte Überwachung. Die neuen Funktionen unterstützen ISO-20022-Zahlungsverkehr, integrieren Oracle Banking Payments und verbinden mit Swift Ledger. Im Gesundheitswesen launchte Oracle ein neues Oncology-EHR-System mit KI-Tools für Krebsbehandlungsteams, das genomische, bildgebende, pathologische und pharmazeutische Daten vereint. Zudem erweiterte Oracle Health seine KI-Fähigkeiten im Revenue-Cycle-Management.
Was sagen Analysten zu Oracle?
Die Analystengemeinde zeigt sich trotz der jüngsten Schwäche überwiegend optimistisch. Kirk Materne von Evercore ISI bekräftigte am Freitag seine Buy-Empfehlung und sieht ein Kursziel von 249,64 Dollar – ein Aufwärtspotenzial von 79% gegenüber dem Freitagsschluss. Er schrieb: “It is also important to note that Project Jupiter is only one part of Oracle’s infrastructure strategy, and this announcement is not an indication that this project is going away.” (Es ist auch wichtig anzumerken, dass Project Jupiter nur ein Teil von Oracles Infrastrukturstrategie ist, und diese Ankündigung ist kein Hinweis darauf, dass dieses Projekt verschwindet.) Freedom Broker senkte am 14. September sein Kursziel auf 205 Dollar, hielt aber an der Buy-Bewertung fest. Argus Research bestätigte sein Kursziel von 225 Dollar, Stifel senkte es am 11. September auf 200 Dollar.
Wie reagierten die Anleihemärkte?
Die Force-Majeure-Meldung belastete auch Oracles Anleihen. Eine 30-jährige Anleihe, die im Februar emittiert wurde, rentierte am Freitag mit 8,16% – ein Anstieg von 7,96% vor der Nachricht und 7,09% im Sommer. Morgan Stanley-Analystin Lindsay Tyler äußerte sich vorsichtig: “with this new overhang exacerbating existing pressures” (mit diesem neuen Überhang, der bestehende Belastungen verschärft). Oracle hatte im vergangenen Geschäftsjahr Anleihen im Volumen von 43 Milliarden Dollar begeben; die Gesamtschuldenlast liegt bei 125 Milliarden Dollar.
Was passierte bei den Insider-Transaktionen?
Auffällig waren in dieser Woche auch umfangreiche Insider-Aktivitäten. CEO Michael Sicilia verkaufte am 22. September 22.562 Aktien zu durchschnittlich 151,59 Dollar im Wert von 3,42 Millionen Dollar im Rahmen eines 10b5-1-Plans. Zuvor hatte er 52.806 Aktien zur Steuerdeckung abgegeben. CEO Clayton Magouyrk erwarb netto 78.760 Aktien nach Vesting, während VP Stuart Levey 10.640 Aktien netto erhielt. VP Maria Smith verkaufte 2.631 Aktien zu 151,70 Dollar. Die Transaktionen fanden größtenteils am 21. und 22. September statt, als die Aktie noch über 147 Dollar notierte.
Was steht nächste Woche an?
Oracle und der KI-Infrastruktur-Sektor im Fokus
Die Force-Majeure-Mitteilung für das Datenzentrum in New Mexico schlug hohe Wellen: Oracle Force Majeure: -5% Schock durch Datenzentrum-Zoff in New Mexico analysiert, warum Oracles Milliarden-Projekt ins Stocken gerät und welche Folgen das für die Aktie hat. Auch der breitere Krypto- und KI-Sektor zeigt Nervosität: Ethereum ETF: -2.8% Crash trotz Rekord-Zuflüssen und KI-Fantasie beleuchtet, ob der aktuelle Rücksetzer nur eine Momentaufnahme oder ein Warnsignal für die KI-getriebene Marktstimmung ist.
Anleger sollten die weitere Entwicklung rund um Project Jupiter genau verfolgen. Die Frage, ob die Force-Majeure-Mitteilung tatsächlich zu Verzögerungen führt oder lediglich der rechtlichen Absicherung dient, bleibt offen. Morgan Stanley-Analyst David Arcaro wertete die Maßnahme als “proactive legal maneuver” (proaktiven rechtlichen Schachzug) und erwartet keine Auswirkungen auf Bloom Energy, das den Standort mit bis zu 2,45 Gigawatt Brennstoffzellen versorgen soll. Zudem rückt die Berichtssaison näher: Oracle wird voraussichtlich Mitte Dezember seine Q2-Zahlen für das Geschäftsjahr 2027 vorlegen. Bis dahin dürften die Kapitalmarktaktivitäten und die Refinanzierung der Infrastruktur im Fokus stehen. Auch die allgemeine Stimmung im Technologiesektor bleibt wichtig – der Markt wartet auf Signale, ob die KI-Investitionen weiter steigen oder eine Konsolidierung bevorsteht.



