Wie viel Rallye-Potenzial steckt im Oracle KI-Auftragsbestand, wenn Milliardenverträge und Schuldenboom aufeinanderprallen?
Warum bewegt der Oracle KI-Auftragsbestand die Aktie?
Oracle profitiert derzeit von einer seltenen Kombination aus Momentum und operativer Visibilität. Besonders wichtig ist der Oracle KI-Auftragsbestand, denn das Unternehmen hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 29 Milliarden Dollar an KI-bezogenen Verträgen unterzeichnet. Hinzu kommen Remaining Performance Obligations von 553 Milliarden Dollar, also bereits vertraglich gesicherte künftige Umsätze. Dieser Bestand lag zuletzt 325% über dem Vorjahreswert und liefert Investoren ein ungewöhnlich klares Bild der Erlösbasis für die kommenden Jahre.
Zusätzlichen Rückenwind brachte Anfang Mai ein klassifizierter KI-Auftrag des US-Verteidigungsministeriums. Davor hatte Oracle bereits einen 1,65-Milliarden-Dollar-Liefervertrag über sechs Jahre mit Datapod sowie eine Partnerschaft mit DTE Energy für eine 1,4-Gigawatt-Rechenzentrumsanlage in Michigan gemeldet. Für Anleger ist entscheidend, dass der Oracle KI-Auftragsbestand nicht nur auf Absichtserklärungen beruht, sondern auf unterschriebenen Verträgen mit konkretem Infrastrukturbedarf.
Wie stark wächst Oracle operativ?
Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 meldete Oracle 17,19 Milliarden Dollar Umsatz und einen Gewinn je Aktie von 1,79 Dollar. Es war das erste Quartal seit mehr als 15 Jahren, in dem organisches Umsatzwachstum und Non-GAAP-Gewinn je Aktie gleichzeitig um mindestens 20% zulegten. Besonders dynamisch entwickelte sich das Cloud-Infrastructure-Geschäft mit einem Plus von 84% auf 4,888 Milliarden Dollar. Die Multicloud-Datenbankumsätze schnellten sogar um 531% nach oben.
Für das vierte Quartal stellt das Management 19% bis 21% Umsatzwachstum sowie 46% bis 50% Wachstum im Cloud-Geschäft in Aussicht. Der Non-GAAP-Gewinn je Aktie soll bei 1,96 bis 2,00 Dollar liegen. Noch wichtiger: Oracle hob die Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2027 auf 90 Milliarden Dollar an und hält es für realistisch, diese Marke zu übertreffen. Genau hier gewinnt der Oracle KI-Auftragsbestand strategische Bedeutung, weil er den Ausbau der Kapazitäten direkt mit künftigen Erlösen unterlegt.
Kann Oracle die Investitionen finanzieren?
Der Expansionskurs hat eine Kehrseite. Die Investitionen summierten sich zuletzt auf 48,25 Milliarden Dollar, der freie Cashflow war mit minus 24,7 Milliarden Dollar negativ, und die langfristigen Schulden stiegen auf 124,7 Milliarden Dollar nach 85,3 Milliarden Dollar im Vorjahr. Oracle hatte zu Jahresbeginn 25 Milliarden Dollar über Anleihen aufgenommen und über eine Zweckstruktur weiteres Kapital für Rechenzentren organisiert. Der Markt reagierte darauf zeitweise nervös.
Das Unternehmen verweist jedoch auf ein anderes Finanzierungsmodell als klassische Hyperscaler. Kunden leisten teils Vorauszahlungen oder bringen eigene Hardware mit. Das soll den Cash-Abfluss begrenzen. Gleichzeitig meldete Oracle mehr als 10 Gigawatt an gesicherter Strom- und Rechenzentrumskapazität für die nächsten drei Jahre. Die Datenbankdienste laufen inzwischen in 33 Regionen von Microsoft, 14 Regionen von Google und acht Regionen von Amazon. Diese breite Einbettung in fremde Cloud-Ökosysteme unterscheidet Oracle auch von Infrastrukturpartnern wie NVIDIA.
Was sagen Bewertung und Analysten zu Oracle?
Mit einem Kurs von 192,42 Dollar notiert die Aktie klar über den zuletzt genannten Niveaus um 183 bis 185 Dollar, ohne dass daraus bereits ein neues 52-Wochen-Hoch abgeleitet werden sollte. Die Bewertung wirkt mit einem erwarteten KGV um 21 trotz der Rally nicht extrem, wenn das Unternehmen tatsächlich dauerhaft um 20% oder mehr wächst. Im Markt kursiert zudem ein durchschnittliches Analystenkursziel von 243,23 Dollar. Namentlich positiv äußerten sich unter anderem Citigroup, RBC Capital Markets, Goldman Sachs und Morgan Stanley, die den KI-getriebenen Infrastrukturzyklus weiter als wichtigen Kurstreiber sehen.
Unterm Strich bleibt der Oracle KI-Auftragsbestand die zentrale Kennzahl der Story. Er verbindet die neue KI-Nachfrage mit vertraglich gesicherten Umsätzen, stützt die angehobene Prognose und erklärt, warum Anleger die hohe Verschuldung derzeit eher als kontrolliertes Ausbauinstrument denn als Warnsignal sehen. Die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, ob Oracle dieses hohe Tempo halten kann.
Wie beeinflusst das die Oracle-Aktie?
A combination of bring-your-own-hardware and upfront customer payments enables us to continue expanding without any negative cash flow from Oracle Corporation.— Clay Magouyrk
Wer die jüngste Dynamik bei Oracle einordnen will, findet im Beitrag zum Oracle-Verteidigungsdeal und dem KI-Boom als neue Chance für die Aktie den direkten Auslöser der letzten Aufwärtsbewegung. Spannend für den Sektorvergleich ist außerdem, wie andere Softwarewerte liefern: Das zeigt der Artikel zum starken Atlassian-Quartal trotz Kursrückgang.



