Ist der Palantir Jahresbericht eher ein KI-Wachstumsversprechen oder eine teure Wette mit fragiler Bewertung?
Palantir Jahresbericht: Was steckt hinter dem Wachstum?
Der aktuelle Palantir Jahresbericht zeigt eindrucksvoll, wie stark sich das Geschäft in den USA entwickelt. Der Umsatz im Heimatmarkt schnellte 2025 um 75 % nach oben, der US-Anteil am Gesamtumsatz stieg damit auf 74 %. Im Vorjahr lag das Wachstum noch bei 38 %, was die klare Beschleunigung der Dynamik unterstreicht. Parallel dazu legten die Top-20-Kunden beim durchschnittlichen Umsatz um 45 % auf 93,9 Millionen US-Dollar zu, während die Abhängigkeit von den drei größten Kunden etwas zurückging – ein Pluspunkt für die Diversifikation.
Treiber dieser Entwicklung ist vor allem die KI-Plattform Artificial Intelligence Platform (AIP), die seit 2023 das kommerzielle Geschäft befeuert. Palantir aggregiert Kundendaten und macht sie in Echtzeit nutzbar – von militärischen Einsatzszenarien bis zur Prozessoptimierung in der Gastronomie. In den USA wuchs die Zahl der kommerziellen Kunden in wenigen Jahren von unter 20 auf über 500. Allein im jüngsten Quartal wurden US-Kommerzerträge mit Vertragswerten von mehr als 1,3 Milliarden US-Dollar (+67 % gegenüber dem Vorjahr) abgeschlossen.
Palantir Technologies Inc.: Explosive CEO-Kosten
Für Schlagzeilen sorgt im Palantir Jahresbericht vor allem ein Posten: die Reise- und Sicherheitskosten von CEO Alex Karp. Für Geschäfts- und Privatflüge fielen über 17 Millionen US-Dollar an. Analysten berechnen daraus zwischen 1.147 und 2.457 Flugstunden, je nach Flugzeugtyp. Zum Vergleich: Mark Zuckerberg kam bei Meta im selben Zeitraum auf rund 1,8 Millionen US-Dollar für private Flugreisen – ein Bruchteil der Summe von Palantir.
Auch bei den Mitarbeitern schlägt sich ein deutlicher Richtungswechsel nieder. Statt, wie im August 2025 angekündigt, die Belegschaft auf etwa 3.600 Beschäftigte zu senken, erhöhte Palantir die Zahl der Angestellten um 13 % auf über 4.400. Der Konzern setzt damit klar auf Expansion, obwohl sich das Management zuvor auf Effizienz und Kostendisziplin eingeschworen hatte. Für Investoren wirft dies Fragen zur langfristigen Margenstruktur auf, auch wenn die Softwareökonomie mit hohen Bruttomargen von über 80 % grundsätzlich attraktiv bleibt.

Palantir Technologies: Bewertungsstreit um KI-Vorzeigeaktie
Parallel zum Palantir Jahresbericht spitzt sich die Debatte um die Bewertung zu. Star-Investor Michael Burry, bekannt aus „The Big Short“, sieht den fairen Wert der Aktie bei rund 46 US-Dollar und setzt über Optionen auf fallende Kurse. Sein Hauptkritikpunkt ist weniger das Wachstum, sondern die Qualität und Nachhaltigkeit der Profitabilität sowie die Lücke zwischen Umsatzbasis und Marktkapitalisierung. Für ihn ist nicht das Produkt das Problem – sondern der Preis.
Dem stehen zahlreiche optimistische Stimmen gegenüber. DA Davidson hält an einem Kursziel von 180 US-Dollar bei Einstufung „Halten“ fest und betont Palantir als eines der wenigen Softwarehäuser, das KI produktiv in geschäftskritischen Systemen großer Behörden und Unternehmen verankert. Daiwa hat die Aktie jüngst auf „Kaufen“ hochgestuft, ebenfalls mit Ziel 180 US-Dollar, gestützt auf besser als erwartete Zahlen und eine angehobene Prognose. Mizuho geht noch weiter und sieht Palantir in einer „Category of One“ mit einem Kursziel von 195 US-Dollar, wie ein Upgrade auf „Buy“ unterstreicht.
Palantir Technologies: Kurs, Chart und Analysten-Risiken
Trotz des heutigen Anstiegs auf 139,38 US-Dollar bleibt die Aktie von Palantir Technologies Inc. charttechnisch angeschlagen. Seit Jahresbeginn hat sie zeitweise rund 25 % verloren und liegt deutlich unter früheren Hochs, was die Sensitivität gegenüber Enttäuschungen bei hoch bewerteten KI-Titeln zeigt. Ein Trading-Experte warnt bereits vor einem möglichen Rückgang in Richtung 43 US-Dollar, sollte sich ein historisches Muster wiederholen.
Gleichzeitig gewinnt die Story wieder an Rückhalt an der Wall Street. Mehrere Häuser haben Palantir nach dem Abverkauf explizit als Profiteur eines „ungerechtfertigten Sell-offs“ bezeichnet und die Einstufung auf „Buy“ angehoben. Fundamental verweisen sie auf starke Margen, hohe Skalierbarkeit und die wachsende Rolle von AIP als operative Schicht für Agentic AI. Der Palantir Jahresbericht liefert damit reichlich Munition für beide Lager: Bullen setzen auf dauerhafte Margenexpansion und weiteres US-Wachstum, Bären warnen vor überzogenem Hype und Management-Ausgaben.
Für mich ist nicht das Produkt das Problem – sondern der Preis.
— Michael Burry
Fazit
Unterm Strich zeigt der Palantir Jahresbericht 2025 ein Unternehmen im Spannungsfeld zwischen aggressiver Expansion, wachsender Profitabilität und hohem Bewertungsniveau. Für Anleger bleibt entscheidend, ob Palantir die Wachstumsstory in nachhaltige Cashflows übersetzen kann und gleichzeitig mehr Kosten-Disziplin im Top-Management beweist. Die nächsten Quartalszahlen und Vertragsabschlüsse im US-Kommerzbetrieb werden zeigen, ob die optimistischen Kursziele rechtfertigt sind oder ob sich eher das vorsichtige Szenario durchsetzt.
Weiterführende Quellen
- Palantir Technologies Inc. Aktie bei Yahoo Finance (Yahoo Finance)
- Is Palantir Stock a Buy Now? (The Motley Fool)
- Palantir Stock Upgraded to Buy – AI Heavyweight Is in a Category of One (Barron’s)
- Palantir’s stock is winning over Wall Street (Market Watch)
- Trading expert sets date when Palantir stock will crash to $43 (Finbold)
