Palantir meldet ein Rekord-Quartal mit explosionsartigem Gewinnwachstum, massiven KI-Großaufträgen aus dem US-Regierungs- und Unternehmenssektor – und dennoch rauscht die Aktie deutlich ins Minus. Wie passt das zusammen, was steckt hinter der Kursreaktion von Palantir Technologies Inc. und was bedeutet das für Anleger, die auf das nächste Palantir Quartal setzen?

Palantir Quartal: Wie stark waren Umsatz und Gewinn?
Im abgelaufenen Palantir Quartal Q4 2025 steigerte Palantir Technologies Inc. den Umsatz auf rund 1,4 Milliarden US‑Dollar, ein Plus von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders dynamisch entwickelte sich das US-Geschäft: Die kommerziellen Erlöse in den Vereinigten Staaten schnellten um 137 Prozent auf 507 Millionen US‑Dollar in die Höhe. Das Regierungsgeschäft legte ebenfalls kräftig zu, US-Government-Umsätze stiegen um 66 Prozent auf 570 Millionen US‑Dollar.
Der Reingewinn explodierte um mehr als 400 Prozent, die operative Marge erreichte laut Analystenschätzungen etwa den Bereich um 40 Prozent. CEO Alex Karp sprach im Zuge des Palantir Quartal von einem „n of 1“-Unternehmen und betonte die Einzigartigkeit der Plattform im KI-Orchestrierungsmarkt. Für 2026 stellt das Management ein Umsatzwachstum von rund 61 Prozent in Aussicht – ein klarer Hinweis, dass die aktuelle Nachfragewelle nach KI-Lösungen noch lange nicht abebbt.
Palantir Technologies: Warum wächst das KI- und Regierungs-Geschäft so stark?
Treiber des Booms sind vor allem die massiven Investitionsprogramme der US-Regierung in künstliche Intelligenz. Das Verteidigungsministerium will sein Militär zur „AI-first“-Streitkraft umbauen und plant für 2026 ein Rekordbudget von 13,4 Milliarden US‑Dollar speziell für KI. Palantir Technologies Inc. gilt dabei als einer der zentralen Softwarelieferanten: Das Unternehmen gewann zuletzt einen zehnjährigen Rahmenvertrag mit der US-Armee über bis zu 10 Milliarden US‑Dollar und 75 Einzelmandate für Software- und Datenlösungen.
Hinzu kommt ein 448-Millionen-US‑Dollar-Deal mit der US Navy zur Einführung von „ShipOS“, einer KI-gestützten Plattform zur Modernisierung von Schiffbau und Lieferketten. Parallel dringt Palantir tiefer in zivile Branchen vor: Eine neue Partnerschaft mit Cognizant verknüpft Palantir Foundry und AIP mit den TriZetto-Healthcare-Plattformen, um Krankenversicherer und Dienstleister zu automatisieren und regulatorisch saubere KI-Prozesse zu ermöglichen. Das Palantir Quartal zeigt damit, dass die Firma sowohl im Verteidigungs- als auch im Enterprise-Segment zu einem Schlüsselknoten der US-KI-Infrastruktur geworden ist.
Palantir Technologies: Warum fällt die Aktie trotz Rekord-Quartal?
Trotz der beeindruckenden Zahlen und starken Ausblicke gerät die Aktie von Palantir Technologies Inc. massiv unter Druck. Heute notiert sie bei 131,39 US‑Dollar, ein Tagesminus von 5,84 Prozent nach 139,54 US‑Dollar am Vortag. In der Spitze verlor der Titel an Einzeltagen bis zu 12 bis 14 Prozent und ist seit den Hochs um rund ein Drittel gefallen. Charttechnisch hat die Aktie wichtige Unterstützungen um 150 US‑Dollar gerissen, liegt klar unter der 200‑Tage-Linie, ein Rounding-Top deutet eine abgeschlossene Rallyephase an.
Der Kern des Problems ist die Bewertung: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis lag zeitweise bei über 230, das Verhältnis zum erwarteten Gewinn immer noch deutlich über 100. Einige Analysten sprechen von einer „wahnsinnigen“ Bewertung, die selbst bei den jüngsten Kursrücksetzern kaum Sicherheitsmarge bietet. DA Davidson etwa senkte sein Kursziel von 215 auf 180 US‑Dollar und blieb bei „Neutral“, während HSBC-Analyst Stephen Bersey die Aktie zwar von „Hold“ auf „Buy“ hochstufte, das Kursziel aber nur moderat von 197 auf 205 US‑Dollar anhob – ein Hinweis, dass das Chance-Risiko-Profil gespalten gesehen wird.
Palantir Technologies: Wie reagieren Analysten auf das Palantir Quartal?
Die Analystenlandschaft zeigt sich gespalten. Auf der einen Seite sehen Wachstums-orientierte Häuser in Palantir Technologies Inc. einen Profiteur der KI-Revolution. Research-Anbieter wie Zacks Investment Research führen Palantir als „Incredible Growth Stock“ mit überdurchschnittlichen Wachstumskennzahlen und verweisen auf die beschleunigte Umsatzdynamik im aktuellen Palantir Quartal. Auch mehrere Strategen argumentieren, dass die Korrektur in Software- und KI-Titeln einer „SaaSpocalypse“-Stimmung entspringt und die jüngsten Abschläge eher einem Bewertungs-Reset als einem fundamentalen Bruch gleichen.
Andere Experten warnen jedoch vor strukturellen Risiken. Kommentatoren verweisen auf die im Vergleich zu Nvidia deutlich höhere Bewertungsmultiplikation und auf operative Engpässe: Internationales Wachstum bleibt mit nur 8 Prozent im kommerziellen Auslandsgeschäft deutlich hinter den USA zurück, zudem kämpft Palantir mit Kapazitätsgrenzen durch fehlende Spezialisten. Gleichzeitig verstärkt die Debatte um Verträge mit US-Behörden wie ICE und dem Department of Homeland Security den reputativen Druck, nachdem große Pensionsfonds aus New York mehr Transparenz und Risikoanalysen einfordern.
Hinzu kommt, dass Insider in den vergangenen Tagen Aktien verkauft haben und damit die Nervosität am Markt verstärken. In der Breite setzen Investoren angesichts steigender Zinsen und einer Flut neuer KI-Produkte von OpenAI und Anthropic verstärkt auf Gewinnmitnahmen bei hoch bewerteten Softwarewerten. Palantir gerät damit in einen doppelten Gegenwind aus Bewertungsangst und Sektorrotation.
Wir sind ein n-of-1-Unternehmen in einem Markt, der gerade erst beginnt, KI in großem Stil auszurollen.— Alex Karp, CEO von Palantir Technologies Inc.
Für Anleger bleibt die Lage ambivalent: Das Palantir Quartal unterstreicht die operative Stärke und die strategische Rolle im KI-Ökosystem, die Bewertung und die zunehmenden politischen sowie reputativen Risiken sorgen jedoch für Volatilität. Langfristig orientierte Investoren dürften die aktuelle Konsolidierung als Gelegenheit sehen, die Position gestaffelt auszubauen, während kurzfristig orientierte Trader vor allem die technischen Marken und die nächste Nachrichtenwelle im Blick behalten werden.