Das aktuelle Pinterest Quartal sorgt für einen heftigen Dämpfer an der Börse. Trotz zweistelligem Umsatzwachstum und neuen Rekorden bei den monatlich aktiven Nutzern reagiert der Markt verschnupft auf verfehlte Erwartungen, schwächere Retail-Werbung und hohe Investitionen in KI. Die Aktie von Pinterest, Inc. rutscht nachbörslich zweistellig ab – zum zweiten Mal in Folge nach einem Zahlenbericht. Was hinter dem Absturz steckt und wie solide das operative Fundament wirklich ist, lesen Sie in dieser Analyse.
Wie fielen Umsatz und Gewinn im Pinterest Quartal aus?
Im jüngsten Pinterest Quartal steigerte Pinterest, Inc. seinen Umsatz im Schlussviertel 2025 um 14 % auf 1,32 Milliarden US‑Dollar. Damit verfehlte das Unternehmen die Markterwartung von 1,33 Milliarden Dollar knapp. Beim bereinigten Gewinn je Aktie erzielte Pinterest 0,67 Dollar und blieb damit unter den Konsensschätzungen von 0,69 Dollar. Das bereinigte EBITDA lag mit 541,5 Millionen Dollar ebenfalls leicht unter den erwarteten 550 Millionen Dollar.
Besonders ins Auge fällt der starke Rückgang beim ausgewiesenen Nettogewinn: 277 Millionen Dollar bedeuten ein Minus von 85 % gegenüber dem Vorjahreswert von 1,85 Milliarden Dollar, der allerdings von einem einmaligen Steuereffekt geprägt war. Operativ wächst das Geschäft also weiter, erreicht aber nicht das Tempo, das viele Investoren nach der starken Kursentwicklung der vergangenen Jahre erwartet hatten.
Die Börse reagiert entsprechend hart: Die Aktie schloss am Donnerstag bei 18,54 Dollar, ein Minus von 2,88 % zum Vortag. Im nachbörslichen Handel rutscht der Kurs bis auf etwa 15,18 Dollar ab – ein Einbruch von gut 18 % und der zweite rund 20‑prozentige Absturz nach einem Quartalsbericht in Folge.
Wie entwickeln sich Nutzerzahlen und Engagement bei Pinterest?
Während Umsatz und Gewinn enttäuschen, zeigt das Pinterest Quartal bei den Nutzerzahlen ein deutlich freundlicheres Bild. Die globalen monatlich aktiven Nutzer (MAUs) kletterten um 12 % auf einen Rekordwert von 619 Millionen. In den USA und Kanada stieg die Nutzerbasis auf 105 Millionen (+4 %), in Europa auf 158 Millionen (+9 %) und im Rest der Welt auf 356 Millionen (+16 %).
Nach Unternehmensangaben verzeichnet Pinterest inzwischen über 80 Milliarden Suchanfragen pro Monat, überwiegend bildbasiert, und rund 1,7 Milliarden ausgehende Klicks auf Händler‑Webseiten. Die besonders werberelevante Zielgruppe der Gen Z stellt inzwischen mehr als die Hälfte der Nutzer und ist zugleich der am schnellsten wachsende Nutzerstamm.
Diese starken Engagement‑Kennzahlen unterstreichen die zentrale Herausforderung im aktuellen Pinterest Quartal: Die Plattform wächst bei Reichweite und Interaktionen deutlich schneller als bei Umsatz und Gewinn. CEO Bill Ready betonte, man sei mit der Umsatzentwicklung unzufrieden, da sie das „wertvolle kommerzielle Intent“ der Nutzer noch nicht ausreichend widerspiegele.

Welche Rolle spielen Zölle und große Einzelhändler für Pinterest, Inc.?
Für den Druck im Pinterest Quartal macht das Management vor allem die schwächelnden Werbebudgets großer Einzelhändler verantwortlich. Laut CEO Ready wurde das Unternehmen von „exogenen Schocks im Zusammenhang mit Zöllen“ getroffen, die insbesondere die Top‑Retail‑Kunden belasteten. Diese reagierten mit gekürzten Marketing‑ und Werbeausgaben, vor allem in Europa und Großbritannien.
Finanzchefin Julia Donnelly sprach von einem „bedeutenderen Gegenwind als erwartet“ durch die größten Einzelhandelskunden, die ihre Kampagnen teilweise zurückfuhren, um Margen zu schützen. Da Pinterest im Werbemix noch stark von diesen Großkunden abhängig ist, wirken sich deren Sparmaßnahmen hier stärker aus als bei einigen Wettbewerbern.
Trotzdem legten die Erlöse regional zu: In den USA und Kanada stiegen die Umsätze im vierten Quartal um 9 % auf 979 Millionen Dollar, in Europa um 25 % auf 245 Millionen Dollar, im Rest der Welt sogar um 64 % auf 96 Millionen Dollar. Der Effekt der zurückhaltenden Großkunden zeigt sich vor allem darin, dass das Wachstum deutlich hinter den steigenden Nutzerzahlen zurückbleibt.
Belastet der KI-Pivot die Margen von Pinterest, Inc.?
Parallel zum Gegenwind durch Zölle stemmt das Unternehmen einen tiefgreifenden Umbau. Im Januar kündigte Pinterest an, weniger als 15 % der Belegschaft abzubauen und Büroflächen zu reduzieren. Die freigewordenen Mittel sollen in technische Teams fließen, die KI‑gestützte Produkte entwickeln – etwa neue Modelle für Personalisierung, Suche und Werbung sowie den kürzlich gestarteten „Pinterest Assistant“.
Auf technischer Seite meldet Pinterest Erfolge: Eigenentwickelte Modelle wie OmniSage, PinFM und Navigator 1 sollen die Interaktion mit Pins deutlich erhöht und die Modellkosten im Vergleich zu externen Lösungen stark gesenkt haben. Gleichzeitig drückt der KI‑Pivot jedoch kurzfristig auf die Profitabilität. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet das Management mit einer bereinigten EBITDA‑Marge von rund 30 %, wobei die Übernahme des TV‑Werbetechnologie‑Anbieters TV Scientific die Marge um etwa 1 Prozentpunkt reduziert.
Für das laufende erste Quartal 2026 erwartet Pinterest einen Umsatz von 951 bis 971 Millionen Dollar, was einem Wachstum von 11 bis 14 % entspricht – klar unter den bisherigen Analystenschätzungen von etwa 980 Millionen Dollar. Das bereinigte EBITDA soll bei 166 bis 186 Millionen Dollar liegen und damit deutlich unter früheren Markterwartungen von rund 205 Millionen Dollar. Auch das trägt zum schwachen Sentiment im aktuellen Pinterest Quartal bei.
Konkrete neue Analysten‑Ratings großer Häuser wie Citigroup, Goldman Sachs oder RBC Capital Markets zu diesem Zahlenwerk liegen bislang nicht vor, doch angesichts des starken Kursrutsches dürften zahlreiche Kursziele und Einstufungen in den kommenden Tagen auf den Prüfstand kommen.
„Wir sind mit unserer Umsatzentwicklung im vierten Quartal nicht zufrieden, da sie nicht widerspiegelt, wozu Pinterest langfristig in der Lage ist.“
— Bill Ready, CEO von Pinterest, Inc.
Fazit
Das Pinterest Quartal zeigt eine Plattform mit stark wachsender Nutzerbasis, aber enttäuschender Monetarisierung und spürbarem Margendruck durch Zölle und KI‑Investitionen. Für Anleger bedeutet der Kurssturz eine harte Neubewertung, bietet langfristig orientierten Investoren aber auch die Chance, den AI‑Pivot und die breitere Werbeplattform zu einem deutlich niedrigeren Einstiegsniveau zu begleiten. Entscheidend wird sein, ob Pinterest in den kommenden Quartalen beweisen kann, dass Umsatz und Gewinne endlich zum Nutzerwachstum aufschließen – dann könnte das nächste Pinterest Quartal wieder positiver ausfallen.
Weiterführende Quellen
- Pinterest, Inc. (PINS) bei Yahoo Finance (Yahoo Finance)
- Pinterest Announces Fourth Quarter and Full Year 2025 Results (Business Wire)
- Pinterest shares tank 20% on earnings miss, weak guidance (CNBC)
- Pinterest, Inc. (PINS) Q4 2025 Earnings Call Transcript (Seeking Alpha)