Kann das starke RTX Quartal mit Prognose-Anhebung den Kursrückgang von -3,5 Prozent in eine neue Chance für Anleger verwandeln?
Wie stark war das RTX Quartal?
Das RTX Quartal brachte einen deutlichen Ergebnis- und Umsatzsprung. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 1,78 Dollar klar über den Markterwartungen von 1,52 Dollar. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 8,8 Prozent auf 22,1 Milliarden Dollar und übertraf ebenfalls die Prognosen. Unter dem Strich entfiel auf die Aktionäre ein Nettogewinn von 2,06 Milliarden Dollar, nach 1,54 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. Auch der operative Gewinn zog an. Besonders wichtig für Investoren: RTX erhöhte im Anschluss die Jahresprognose für 2026. Beim bereinigten Gewinn je Aktie rechnet der Konzern nun mit 6,70 bis 6,90 Dollar statt bisher 6,60 bis 6,80 Dollar. Beim Umsatz wurde die Zielspanne auf 92,5 bis 93,5 Milliarden Dollar angehoben.
Warum profitiert RTX so stark?
Treiber ist vor allem das Verteidigungsgeschäft. Die Raytheon-Sparte steigerte den Umsatz im Quartal um 10 Prozent auf 6,95 Milliarden Dollar. Gefragt sind Luft- und Raketenabwehrsysteme, Sensorik und Munition. Der Pentagon-Fokus auf wieder aufzufüllende Waffenlager erhöht den Druck, Produktionskapazitäten schnell auszubauen. RTX hat in den vergangenen drei Jahren bereits fast 900 Millionen Dollar in den Ausbau der Raketenfertigung investiert und kündigt weitere erhebliche Investitionen an. Nach Angaben des Managements dürfte der Großteil der um 500 Millionen Dollar erhöhten Jahresumsatzprognose aus zusätzlicher Munitionsproduktion kommen. Dazu passt der Rekordauftragsbestand von 271 Milliarden Dollar. Auch andere Rüstungswerte wie Lockheed Martin und Northrop Grumman stehen wegen steigender Verteidigungsbudgets im Fokus, während GE Aerospace ebenfalls starke Zahlen vorlegte.
Was leisten Pratt & Whitney und Collins Aerospace?
Neben dem Rüstungsgeschäft stützt auch die zivile Luftfahrt das RTX Quartal. Pratt & Whitney steigerte den Umsatz um 11 Prozent auf 8,17 Milliarden Dollar. Besonders stark war das Ersatzteil- und Wartungsgeschäft: Der kommerzielle Aftermarket legte um 19 Prozent zu. Das hängt auch damit zusammen, dass Airlines wegen Lieferverzögerungen länger mit älteren Flugzeugen fliegen und dadurch mehr Wartung benötigen. Collins Aerospace kam auf 7,6 Milliarden Dollar Umsatz und wuchs ebenfalls in allen wichtigen Kanälen. Gleichzeitig arbeitet RTX weiter an den Problemen rund um die GTF-Triebwerke. Positiv ist, dass die Zahl der am Boden stehenden PW1100-Triebwerke seit Ende 2025 um rund 15 Prozent sank, während die MRO-Leistung um 23 Prozent zulegte. Zusätzlich eröffnete Pratt & Whitney Canada am Dienstag ein neues Werk in Marokko, um die Lieferkette robuster zu machen.
Was bedeutet das für Aktie und Ausblick bei RTX Quartal?
Trotz des starken Zahlenwerks lag die Aktie zuletzt bei 188,97 Dollar und damit 3,49 Prozent unter dem Vortagesschluss von 196,05 Dollar. Damit notiert das Papier zwar klar unter dem jüngsten Bereich um 196 Dollar und auch unter der in Berichten genannten Marke von 214,50 Dollar, die als wichtiges charttechnisches Niveau gilt. Von einem neuen Hoch kann also keine Rede sein. Der Kursrückgang nach den Zahlen zeigt, dass ein Teil der guten Nachrichten bereits eingepreist war und der Markt auf noch stärkere Impulse gehofft hatte. Analysten von Morgan Stanley, Citi, Baird, Jefferies und Deutsche Bank stellten im Earnings Call vor allem Fragen zur Produktionsausweitung, Lieferkette und Profitabilität. Entscheidend wird nun, ob RTX die höhere Nachfrage bei Raytheon in dauerhaft höhere Auslieferungen und Margen umsetzen kann.
Das RTX Quartal unterstreicht die starke Stellung des Konzerns in zwei attraktiven Märkten: Verteidigung und Luftfahrtservice. Für Anleger bleibt entscheidend, dass RTX nicht nur die Prognose erhöht hat, sondern zugleich Rekordaufträge, steigende Produktion und robuste Nachfrage meldet. Die nächsten Quartale werden zeigen, ob daraus auch für die Aktie neuer Schwung entsteht.
Wie beeinflusst das die RTX-Aktie?
Die aktuelle Lage unterstreicht klar den Bedarf an mehr Munitionstiefe, integrierter Luft- und Raketenabwehr sowie fortschrittlicheren Fähigkeiten gegen neue Bedrohungen.— Chris Calio
Wer die Entwicklung einordnen will, findet im früheren Beitrag RTX Quartal: +4% Rallye nach Cashflow-Sprung den Blick auf den Jahresauftakt und die damalige Erholung. Spannend ist auch der Branchenvergleich mit GE Aerospace Quartal: Umsatzplus von 25% trotz -2,5% Kurseinbruch, weil sich daran gut zeigt, wie unterschiedlich der Markt selbst starke Zahlen im Luftfahrt- und Rüstungssektor bewertet.
