Reicht ein starkes Salesforce Quartal mit Milliardenumsatz, wenn der Ausblick und das KI-Wachstum Zweifel an der Story wecken?
Warum überzeugt das Salesforce Quartal nicht voll?
Salesforce meldete für das abgelaufene Quartal 11,13 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 13 Prozent. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 3,88 Dollar und damit klar über den Markterwartungen. Dazu kamen eine Non-GAAP-Betriebsmarge von 34,8 Prozent, ein operativer Cashflow von 6,7 Milliarden Dollar und ein CRPO von 33,6 Milliarden Dollar. Eigentlich ist das ein starkes Salesforce Quartal. Doch für das laufende Vierteljahr stellte der Konzern nur 11,27 bis 11,35 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht und blieb damit leicht unter den Hoffnungen des Marktes. Genau diese kleine Lücke reichte, um die anfängliche Begeisterung zu bremsen.
Die Aktie schloss bei 176,17 Dollar nach 175,30 Dollar am Vortag und lag damit leicht höher als im Tagesverlauf, nachbörslich geht es um 0,16 Prozent auf 176,45 Dollar nach oben. Von neuen Hochs kann dabei keine Rede sein. Vielmehr zeigt der Kurs, dass Anleger zwar die Effizienz honorieren, aber noch auf einen sichtbaren Wachstumsschub warten.
Wie stark wächst die KI bei Salesforce?
Im Mittelpunkt des Salesforce Quartal stand erneut die KI-Offensive rund um Agentforce. Der jährlich wiederkehrende Umsatz dieser Produktsparte überschritt die Marke von 1 Milliarde Dollar, in einzelnen Berichten war sogar von 1,2 Milliarden Dollar die Rede. Das gesamte AI- und Data-ARR erreichte 3,4 Milliarden Dollar. Zudem verarbeitete Salesforce 28,6 Billionen Tokens, während die Agentic Work Units gegenüber dem Vorquartal auf 3,8 Milliarden stiegen. Slack spielte ebenfalls eine wichtige Rolle: Fast die Hälfte der Abschlüsse über 1 Million Dollar entfiel auf Slack, der zugehörige ACV legte um 80 Prozent zu.
Trotzdem bleibt die Skepsis groß. Analyst John DeFucci von Guggenheim hält an seiner kritischen Sicht fest und verweist auf enttäuschendes Neugeschäft sowie ein organisches Wachstum von nur rund 7,5 Prozent. Auch Barclays senkte das Kursziel auf 236 Dollar. Bernstein bleibt mit einem Kursziel von 173 Dollar sogar bei Verkaufen. BMO Capital sieht 215 Dollar, während KeyBanc mit 290 Dollar deutlich optimistischer bleibt. Der Markt will also erst Belege sehen, dass KI bei Salesforce ähnlich überzeugend in Umsatz übersetzt werden kann wie bei NVIDIA oder in Teilen der Softwarebranche nach den Zahlen von Snowflake.
Was bedeuten Rückkäufe und Margen bei Salesforce?
Zusätzlichen Rückenwind lieferten die enormen Aktienrückkäufe. Salesforce startete ein beschleunigtes Rückkaufprogramm über 25 Milliarden Dollar, das die verwässerte Aktienzahl im Quartal um rund 10 Prozent drückte. In einzelnen Marktberichten war von 27 Milliarden Dollar an Rückkäufen die Rede. Das half dem Gewinn je Aktie sichtbar. Gleichzeitig betont Konzernchef Marc Benioff, dass KI intern die Produktivität hebt und in der Entwicklung kaum zusätzliche Einstellungen nötig seien. Neue Stellen entstehen vor allem im Vertrieb.
Für Anleger ist das ein zweischneidiges Signal: Die Margen steigen, weil Salesforce effizienter wird. Zugleich deutet die Personalstrategie darauf hin, dass der Konzern seine Wachstumsstory weiter stark über Verkauf und Cross-Selling erzählen muss. Schwächen in Marketing, Commerce und bei Tableau-Buchungen belasten den Ausblick zusätzlich. Auch die Integration von Informatica sorgt zwar für Rückenwind beim Umsatz, erhöht aber die Schwankungen im Lizenzgeschäft.
Unterm Strich zeigt das Salesforce Quartal ein profitables, cashstarkes Unternehmen mit funktionierender KI-Story in der Nutzung, aber noch nicht mit voller Überzeugungskraft an der Börse. Für Anleger bleibt entscheidend, ob Salesforce in der zweiten Jahreshälfte tatsächlich wieder organisch beschleunigt. Gelingt das, könnte die aktuell gedrückte Bewertung neue Chancen eröffnen. Die nächsten Quartale werden zeigen, ob Benioff die KI-Versprechen gegen Skepsis im Markt durchsetzen kann.
Wie beeinflusst das die Salesforce-Aktie?
We’re mostly expanding only in one area.— Marc Benioff
Wer die jüngste Debatte einordnen will, findet im Beitrag zur Salesforce-Prognose mit KI-Chance trotz Bank-Warnung den passenden Hintergrund zur Vorgeschichte. Spannend ist auch der Vergleich mit dem Marvell Quartal mit KI-Boom, weil dort sichtbar wird, wie unterschiedlich der Markt auf KI-Wachstum bei Software- und Halbleiterwerten wie Apple, Tesla und NVIDIA reagiert.



