Wird das kommende Salesforce Quartal den KI-Zweiflern den Wind aus den Segeln nehmen oder den aktuellen Kursrutsch noch verstärken?
Salesforce Quartal: Was erwartet die Wall Street?
Die anstehenden Zahlen von Salesforce Inc. zum vierten Geschäftsquartal 2026 (Q4 GJ 2026, Bericht am 25. Februar) gelten als wichtiger Stimmungstest für den gesamten Software- und SaaS-Sektor. Die Börse will im Salesforce Quartal vor allem sehen, ob sich die massiven Investitionen in künstliche Intelligenz bereits in einer Beschleunigung der Nachfrage niederschlagen. Analysten betonen, dass KI nicht nur Kosten senken, sondern vor allem das Wachstum im Kerngeschäft CRM, Marketing- und Service-Cloud ankurbeln muss.
Im laufenden Geschäft zeigte Salesforce zuletzt solide, aber nicht überragende Wachstumsraten. Im dritten Geschäftsquartal 2026 stieg der Umsatz auf 10,3 Milliarden Dollar, ein Plus von 9 % gegenüber dem Vorjahr, während der bereinigte Gewinn je Aktie um 38 % auf 2,20 Dollar zulegte. Besonders wichtig: Die verbleibende Leistungsverpflichtung (RPO) kletterte um 12 % auf 59,5 Milliarden Dollar – ein Signal, dass die Auftragspipeline robuster wächst als der aktuelle Umsatz. Für das anstehende Salesforce Quartal hatte das Management einen Umsatz von rund 11,2 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt, was einem Wachstum von etwa 11 % entspräche.
Salesforce: KI als Chance oder Disruptor?
Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage, ob KI den etablierten SaaS-Anbietern wie Salesforce Inc. Rückenwind gibt – oder ihr Geschäftsmodell unter Druck setzt. Viele Softwarewerte, von Salesforce über SAP bis Adobe, sind in den vergangenen Monaten stark gefallen, weil Investoren fürchten, dass neue KI-Agenten klassische Lizenz- und Abo-Modelle angreifen könnten. Gleichzeitig wird Salesforce häufig als einer der bestpositionierten Anbieter für KI-Agenten genannt, da der Konzern seine gesamte Plattform – von Data Cloud über Tableau bis Slack – um generative und agentenbasierte Funktionen erweitert.
Diese KI-Offensive hat jedoch ihren Preis. Für das aktuelle Salesforce Quartal erwartet das Management, dass die hohen Investitionen in neue KI-Tools die Profitabilität kurzfristig belasten und der Gewinn je Aktie im Vergleich zum Vorjahr um etwa 15 % zurückgeht. Anleger müssen daher abwägen, ob sie den temporären Margendruck akzeptieren, um von möglichen höheren Wachstumsraten ab 2026/27 zu profitieren. Einige Marktbeobachter verweisen zudem auf neue Partnerschaften, etwa mit Insurtech-Anbietern, deren Lösungen über die Salesforce AppExchange bereitgestellt werden und zusätzliche Nutzung der Plattform anstoßen sollen.

Salesforce: Kursrutsch und kräftige Kurszielsenkungen
An der Börse ist die Stimmung vor dem Salesforce Quartal angespannt. Die Aktie notiert aktuell bei rund 177,14 US-Dollar, nach 185,16 US-Dollar am Vortag – ein Rückgang von 4,33 %. Bereits zuvor war der Kurs von einem Allzeithoch bei 369 Dollar im Dezember 2024 auf ein Mehrjahrestief um 180 Dollar gefallen, was einem Einbruch von etwa 50 % entspricht. Seit Jahresbeginn liegt Salesforce rund 27 % im Minus, auf Sicht von zwölf Monaten beträgt das Minus etwa 40 %. Mit einem KGV von knapp 35 preist der Markt trotz des Rückgangs noch immer beachtliches Wachstum ein – was die Fallhöhe erhöht, falls das Salesforce Quartal die Erwartungen verfehlt.
Mehrere Investmentbanken haben in den vergangenen Tagen ihre Kursziele nach unten angepasst. Citigroup senkte ihr Ziel ebenso wie UBS und signalisierte damit steigende Skepsis, dass Salesforce kurzfristig zu den zuvor eingepreisten Wachstumsraten zurückkehren kann. Parallel warnen Beobachter vor auffälligen Insiderverkäufen im Technologiesektor, zu dem auch Salesforce gezählt wird. Dem stehen bullishere Stimmen gegenüber: Einige Analysten betonen die starke Cashflow-Generierung, die konservative Verschuldung und die historisch solide Wachstumsdynamik des Konzerns.
Salesforce: Wie realistisch sind 250 Dollar bis 2030?
Trotz der aktuellen Unsicherheit rechnen etliche Strategen damit, dass die Aktie langfristig wieder deutlich höher notieren könnte. Einzelne Prognosen sehen das Papier bis 2030 bei rund 250 Dollar. Diese Szenarien basieren auf einem fortgesetzten Umsatzwachstum im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich, einer schrittweisen Margenverbesserung nach Abschluss der aktuellen KI-Investitionswelle und weiteren Akquisitionen, die das Ökosystem rund um das Kern-CRM stärken.
Fazit
Unterstützt wird dieser Blick von Studien, die Salesforce als Wertfall für Qualitäts- und Value-Investoren einordnen: Hohe Profitabilität, effiziente Kapitalnutzung und eine im Branchenvergleich moderate Verschuldung sprechen dafür, dass das Unternehmen finanzielle Spielräume für Investitionen und Aktienrückkäufe besitzt. Gleichzeitig zeigen die jüngsten Kurszielsenkungen von Citigroup und UBS, dass der Markt kurz- bis mittelfristig stärker auf Wachstumsverlangsamung und KI-Risiken fokussiert ist als auf die Chancen bis 2030. Das nächste Salesforce Quartal dürfte daher zum Taktgeber für die Frage werden, ob der aktuelle Kursrutsch eine Einstiegsgelegenheit oder ein Warnsignal für weitere Abgaben ist.
Weiterführende Quellen
- Salesforce Inc. (CRM) Übersicht (Yahoo Finance)
- Big Salesforce Price Target Cuts Ahead of Q4 Earnings (24/7 Wall Street)
- Salesforce: Capitalizing On The Massive Agentic AI Opportunity (Seeking Alpha)
- Salesforce Inc. (NYSE:CRM): A Value Investing Case Study (ChartMill)
