Droht der einstigen KI-Vorzeigefirma ServiceNow nach dem Kurssturz nun ein nachhaltiger Bruch in der Wachstumsstory?
Warum kippt die ServiceNow Prognose?
Der Auslöser für den neuen Ausverkauf war vor allem UBS. Analyst Karl Keirstead stufte ServiceNow, Inc. von Buy auf Neutral herab und kappte das Kursziel von 170 auf 100 Dollar. Die Bank sieht das Unternehmen zwar nicht vor einer kompletten Verdrängung, doch die bisher positive ServiceNow Prognose leidet unter zwei Trends: Erstens verschieben Großkunden Budgets in Richtung KI-Infrastruktur und KI-Modelle. Zweitens prüfen Unternehmen zunehmend, ob sich Teile von Workflow-Automatisierung, Ticket-Management und Kundenservice mit generativen Modellen von OpenAI oder Anthropic günstiger und flexibler abbilden lassen.
UBS erwartet deshalb in den kommenden Quartalen nur noch schmalere Überraschungen über den Konsensschätzungen. Auch die Erwartungen für das Wachstum der verbleibenden Auftragsbestände wurden gesenkt. Für Anleger ist das heikel, weil ServiceNow lange als einer der robustesten Softwaretitel im KI-Umfeld galt.
Wie stark steht ServiceNow operativ unter Druck?
Besonders kritisch sehen Analysten die Kundenservice-Sparte CSM, die rund 10% des Umsatzes ausmacht. Genau dort könnten KI-Agenten und automatisierte Assistenten den Personalbedarf senken und damit das Sitzplatzwachstum bremsen. Das trifft einen Kern der aktuellen Debatte um die ServiceNow Prognose: Wenn Unternehmen mit weniger Mitarbeitern auskommen, sinkt bei vielen Softwareanbietern auch das Potenzial für klassische Lizenz- und Abo-Ausweitungen.
Hinzu kommt die breitere Branchenschwäche. Neben ServiceNow standen auch Softwarewerte wie Salesforce, Oracle und Atlassian unter Druck. Die Angst vor einer „SaaS-pocalypse“ speist sich aus der Sorge, dass große Sprachmodelle etablierte Softwaregräben schrittweise aushöhlen könnten. Dass Anthropic zuletzt neue KI-Produkte für den Unternehmenseinsatz präsentierte und Meta ebenfalls neue Modelle vorstellte, verstärkte diese Nervosität zusätzlich.
Charttechnisch ist die Lage angeschlagen: Mit 83,00 Dollar liegt die Aktie nun 60,8% unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 211,48 Dollar vom 3. Juli. Gleichzeitig war das der vierte Verlusttag in Folge bei deutlich erhöhtem Handelsvolumen.
Was spricht trotz allem für ServiceNow?
Trotz des Kurssturzes ist die Lage nicht nur einseitig negativ. ServiceNow wächst im Kerngeschäft weiter, baut sein KI-Angebot aus und verweist auf starke Free-Cashflow-Margen. Das Unternehmen hatte für 2026 ein Abonnementwachstum von mehr als 20% sowie eine Free-Cashflow-Marge von 36% in Aussicht gestellt. Außerdem wurde zuletzt ein zusätzliches Aktienrückkaufprogramm über 5 Milliarden Dollar genehmigt, inklusive eines beschleunigten Rückkaufs über 2 Milliarden Dollar.
Auch an der Wall Street gibt es Gegenstimmen zur eingetrübten ServiceNow Prognose. BNP Paribas hatte die Aktie im März auf Outperform hochgestuft und auf eine überzeugende KI-Monetarisierung verwiesen. Stifel bleibt ebenfalls bei Buy, wenn auch mit niedrigerem Kursziel von 135 Dollar. Wedbush argumentiert zudem, der Abverkauf bei ServiceNow und Salesforce sei vom langfristigen KI-Potenzial entkoppelt. Entscheidend wird nun, ob ServiceNow bei den Zahlen am 22. April zeigt, dass die Nachfrage nach Now Assist und KI-gestützten Workflows die Skepsis übertreffen kann.
Die ServiceNow Prognose bleibt damit kurzfristig belastet, aber nicht zerstört. Wer investiert ist, blickt nun vor allem auf Buchungstrends, cRPO-Wachstum und das Management-Update zur KI-Nachfrage.
Für die Aktie von ServiceNow, Inc. ist der Freitag ein Warnsignal, weil der Markt die Gefahr durch KI-Agenten und Budgetverschiebungen nun aggressiv einpreist. Gleichzeitig zeigen Rückkäufe, KI-Produkte und einzelne positive Analystenstimmen, dass das Unternehmen operativ noch immer über starke Hebel verfügt. Die nächste Richtungsentscheidung für die ServiceNow Prognose dürfte mit den Quartalszahlen am 22. April fallen.
Wie beeinflusst das die ServiceNow-Aktie?
Given that our confidence has weakened and we’re hearing more anecdotes of non-AI apps software budget pressure, we’re moving to a neutral rating.— Karl Keirstead, UBS
Wer den jüngsten Ausverkauf besser einordnen will, findet im Beitrag ServiceNow KI-Strategie mit -8,5%: Crash-Risiko oder Einstiegschance? eine vertiefte Analyse zur KI-Offensive und zur Bewertung der Aktie. Spannend ist auch der Blick auf den breiteren KI-Infrastrukturtrend: Der Artikel Broadcom KI-Chips +5,3%: Boom durch Google- und OpenAI-Deals zeigt, wohin ein wachsender Teil der Tech-Budgets derzeit fließt.
