Reicht die Rueckkehr der Siemens Energy Dividende, um die Zweifel am riskanten Gamesa-Turnaround zu zerstreuen?
Wie wichtig ist die Siemens Energy Dividende für den Turnaround?
Mit der Rückkehr zur Siemens Energy Dividende sendet das Management ein klares Signal: Die schwerste Phase der Krise scheint überstanden. Die Ausschüttung von 0,70 Euro je Aktie für das am 30. September 2025 beendete Geschäftsjahr entspricht zwar nur einer Dividendenrendite von rund 0,4 Prozent, steht aber für die neue Stabilität des Konzerns. Damit knüpft Siemens Energy an frühere Ausschüttungspolitiken an, nachdem 2023 und 2024 aus Vorsicht angesichts der Probleme bei Gamesa auf eine Dividende verzichtet worden war.
Für das laufende Geschäftsjahr erwarten Marktbeobachter bereits den nächsten Schritt: Die Ausschüttung könnte auf 1,65 Euro je Aktie steigen. Das würde die Attraktivität der Aktie zusätzlich erhöhen und die Wahrnehmung von Siemens Energy als berechenbaren Dividendenwert stärken. Investmenthäuser wie Goldman Sachs und Morgan Stanley sehen in der wiederaufgenommenen Dividendenpolitik einen wichtigen Baustein, um institutionelle Investoren längerfristig zu binden, ohne allerdings kurzfristig riesige Renditen zu versprechen.
Am Markt wurde die Entscheidung positiv aufgenommen. Nach einem Rückgang im Sog schwächerer KI-Werte – unter anderem standen Schwergewichte wie NVIDIA und andere Tech-Titel unter Druck – gehörte Siemens Energy am Freitag wieder zu den Gewinnern im DAX. Die Aktie wird nun ex-Dividende gehandelt, was den Kurs technisch belastet, fundamental aber für mehr Vertrauen sorgt.
Welche Rolle spielt Gamesa in der neuen Strategie von Siemens Energy?
Im Zentrum der neuen Strategie steht weiterhin das Windgeschäft von Gamesa. CEO Christian Bruch erteilte Forderungen aktivistischer Investoren nach einem schnellen Verkauf der Sparte eine klare Absage. Statt eines Notverkaufs soll zunächst der operative Turnaround gelingen. Bruch betonte auf der Hauptversammlung, dass bereits deutliche Fortschritte erzielt wurden und die Gewinnschwelle in Sicht sei. Damit widersetzt er sich dem Druck, Gamesa frühzeitig zu einem aus seiner Sicht zu niedrigen Preis abzugeben.
Unterstützung erhält Bruch von der Fondsgesellschaft Deka Investment. Deren Vertreter Ingo Speich warnte ausdrücklich davor, Gamesa zum jetzigen Zeitpunkt zu veräußern. Ein Verkauf käme einer Abgabe unter Wert gleich, so seine Einschätzung. Stattdessen plädiert er dafür, die Restrukturierung fortzuführen und so den wahren Wert der Sparte zu heben. Zwar peilt Siemens Energy für Gamesa mittelfristig nur eine Marge von drei bis fünf Prozent an, doch liegt das deutlich unter den 18 bis 20 Prozent, die andere Geschäftsbereiche bereits heute erwirtschaften. Genau hier liegt für viele Analysten, etwa von RBC Capital Markets und Citigroup, ein zentraler Hebel für weiteres Gewinnpotenzial.
Die Frage für Anleger lautet damit weniger, ob Gamesa bleibt, sondern wie schnell die Profitabilität nachhaltig gesteigert werden kann. Gelingt dies, könnte sich das Windgeschäft von einem Problemfall zu einem wichtigen Treiber der Konzernmarge entwickeln – und die Basis für künftige Erhöhungen der Siemens Energy Dividende legen.

Wie will Siemens Energy weiter wachsen?
Neben der Sanierung von Gamesa setzt Siemens Energy auf gezieltes Wachstum. Bruch stellte klar, dass der Fokus derzeit nicht auf großen Übernahmen liegt, sondern auf kleinen und mittleren Transaktionen. Solche Zukäufe sollen gezielt Technologiekompetenz und regionale Präsenz stärken, ohne die Bilanz übermäßig zu belasten – ein Ansatz, den auch andere Industrie- und Technologiekonzerne wie Apple oder Tesla in der Vergangenheit erfolgreich genutzt haben.
Der Markt für Energietechnik bleibt von Megatrends wie Dekarbonisierung, Netzausbau und Versorgungssicherheit getrieben. Siemens Energy will hier vor allem in Bereichen wachsen, in denen bereits hohe Margen erzielt werden. Für Anleger bedeutet das: Die operative Erholung und der Ausbau margenstarker Sparten könnten künftig mehr Spielraum für eine progressive Siemens Energy Dividende schaffen. Gleichzeitig bleibt das Management vorsichtig genug, um finanzielle Flexibilität für Investitionen zu wahren.
„Verschleudern Sie Gamesa nicht!“
— Ingo Speich, Deka Investment
Fazit
Die Rückkehr der Siemens Energy Dividende markiert für viele Anleger das Ende der akuten Vertrauenskrise und unterstreicht die neue finanzielle Stabilität des Konzerns. Entscheidend für die Bewertung bleibt nun, ob der Turnaround bei Gamesa gelingt und die Profitabilität in der Windsparte anzieht. Gelingt dieser Spagat aus Ausschüttung, operativer Sanierung und selektivem Wachstum, dürfte Siemens Energy für dividendenorientierte und langfristig denkende Investoren zunehmend interessant werden.

