Droht der S&P 500 und Grönland-Tarifstreit zur Dauerbelastung zu werden – oder markiert die aktuelle Erholung einen echten Wendepunkt? Fallende Renditen, starke Q4-Earnings und Rekordpreise bei Gold senden widersprüchliche Signale. Was steckt wirklich hinter der neuen Risikostimmung?

S&P 500 Grönland: Kippt die Risiko-Stimmung?
Die Erholung des S&P 500 Index steht ganz im Zeichen des geopolitischen Konflikts rund um Grönland und der damit verknüpften Tarifdrohungen. Präsident Trump signalisierte nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte eine Rahmenvereinbarung, wonach er vorerst auf neue Zölle gegen europäische Staaten verzichten will, die seine Pläne zur Übernahme von Grönland ablehnen. Diese Entschärfung im S&P 500 Grönland-Komplex löste Short-Eindeckungen aus und brachte die US-Börsen deutlich nach oben.
Der breite US-Index legte um 1,16 Prozent zu und schloss bei 6.875,62 Punkten, während der Dow Jones um 1,21 Prozent auf 49.077 Zähler kletterte und der Nasdaq 100 sogar 1,36 Prozent gewann. Damit verzeichnete der S&P 500 an der Wall Street den größten Tagesgewinn seit zwei Monaten. Gleichzeitig bleibt der Streit um Grönland ein zentrales Risiko, da jede erneute Eskalation der Zollrhetorik den jüngsten Kursanstieg schnell wieder dämpfen könnte.
Fallen US-Renditen: Wie stark hilft das dem S&P 500?
Rückenwind erhält die Rally zudem von den Anleihemärkten. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe fiel am Mittwoch um rund 4 Basispunkte auf 4,25 Prozent, nachdem sie tags zuvor noch ein 4,75-Monats-Hoch bei 4,31 Prozent markiert hatte. Die leichte Entspannung bei den Zinsen stützt vor allem wachstumsstarke Technologiewerte im S&P 500, die besonders sensibel auf Veränderungen der Diskontierungssätze reagieren.
Gleichzeitig bleibt der Markt beim Thema Geldpolitik gelassen: Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte bei der nächsten Fed-Sitzung Ende Januar wird nur mit etwa 5 Prozent eingepreist. Dennoch hilft die Kombination aus nachgebenden Renditen und der relativen Nähe zum Zinsgipfel, das Risiko-Rendite-Profil von Aktien gegenüber Anleihen zu verbessern. Im Umfeld des S&P 500 Grönland-Streits dienen Staatsanleihen zwar als sicherer Hafen, doch der jüngste Aktienanstieg zeigt, dass Investoren momentan eher auf Entspannung als auf Eskalation setzen.

Q4-Earnings: Wie robust ist der S&P 500 wirklich?
Fundamental wird die Erholung vom Grönland-Schock durch robuste Quartalszahlen abgestützt. Rund 81 bis 88 Prozent der bisher berichtenden S&P-500-Unternehmen haben ihre Gewinnschätzungen für das vierte Quartal übertroffen. Bloomberg Intelligence erwartet für die Unternehmen im Leitindex ein Gewinnwachstum von 8,4 Prozent im Schlussquartal, bereinigt um die sogenannten Magnificent Seven immer noch rund 4,6 Prozent. Einzelwerte wie Teledyne Technologies überzeugten mit besseren Umsätzen und führten zeitweise die Gewinnerliste im Index an.
Gleichzeitig fällt auf, dass positive Überraschungen an der Börse nur verhalten honoriert werden: Aktien, die die Erwartungen schlagen, bleiben im Durchschnitt um etwa 1,1 Prozentpunkte hinter dem S&P 500 zurück – die schwächste Reaktion seit 2017. Verfehlte Prognosen werden dagegen mit durchschnittlich drei Prozentpunkten Underperformance abgestraft. Vor dem Hintergrund des S&P 500 Grönland-Risikos scheint der Markt also sehr selektiv und risikoavers zu agieren.
Gold, Energie, Immobilien: Wer gewinnt im Grönland-Streit?
Der S&P 500 Grönland-Konflikt wirkt sich auch deutlich auf Rohstoffe aus. Gold stieg erneut um rund 1 bis 2 Prozent auf ein Rekordhoch, angetrieben von der Suche nach sicheren Häfen und Sorgen über höhere Staatsdefizite, insbesondere in Japan. Davon profitieren Minenwerte und Teile des Materials-Sektors. Erdgas-Preise schossen um mehr als 20 Prozent auf ein Sechs-Wochen-Hoch in die Höhe, nachdem sie bereits am Vortag über 20 Prozent zugelegt hatten. Ein arktischer Kälteeinbruch in den USA befeuert Erwartungen steigender Heiznachfrage und möglicher Produktionsausfälle – ein klarer Kurstreiber für Gasproduzenten.
Im Zins- und Immobiliensegment zeigt sich ein gemischtes Bild. Die hypothekarisch besicherten Kreditnachfragen zogen in der Woche bis 16. Januar deutlich an, die MBA verzeichnete ein Plus von 14,1 Prozent, während der durchschnittliche 30-jährige Hypothekenzins leicht auf 6,16 Prozent sank. Zugleich brachen die schwebenden Hausverkäufe im Dezember um 9,3 Prozent ein, der stärkste Rückgang seit fünfeinhalb Jahren. Diese Daten unterstreichen, dass die US-Wirtschaft zwar robust, aber anfällig für Zinsschwankungen und externe Schocks wie den S&P 500 Grönland-Streit bleibt.
Im Fazit zeigt sich: Die Wall Street konnte sich dank entspannterer Zollaussichten, fallender Renditen und solider Q4-Earnings eindrucksvoll vom jüngsten Rückschlag erholen, auch wenn der S&P 500 Grönland-Konflikt weiterhin als politischer Risikofaktor im Hintergrund lauert. Für Anleger bleiben breit gestreute Indexinvestments im S&P 500 attraktiv, solange die Gewinnentwicklung trägt und die Fed keinen aggressiven Straffungskurs mehr fährt. Die nächsten Handelstage werden zeigen, ob der Index den Bereich um 6.900 Punkte nachhaltig überwinden und damit die Basis für den von vielen Strategen erwarteten Anstieg in Richtung 7.750 Punkte bis Ende 2026 legen kann.