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Stellantis Strategiewechsel: 25-Milliarden-Schock für die Elektrostrategie
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Stellantis Strategiewechsel: 25-Milliarden-Schock für die Elektrostrategie

Ist der radikale Stellantis Strategiewechsel vom reinen Elektro-Kurs zur Hybrid-Offensive teurer Irrtum oder überfällige Korrektur?

Stellantis N.V.: Wie teuer ist der EV-Irrtum?

Stellantis N.V. hat im zweiten Halbjahr 2025 einen Nettoverlust von rund 20,1 Milliarden Euro verbucht und für das Gesamtjahr einen Fehlbetrag von 22,3 Milliarden Euro ausgewiesen. Auslöser sind ungewöhnliche Belastungen von etwa 25,4 Milliarden Euro, die direkt aus der Neuausrichtung der Elektroauto-Strategie stammen. Der Konzern räumt ein, die Geschwindigkeit des weltweiten Wechsels zu reinen Elektrofahrzeugen deutlich überschätzt zu haben – ein Fehler, der nun in Form massiver Wertberichtigungen auf frühere EV-Investitionen sichtbar wird.

Der Nettoumsatz sank 2025 um 2 % auf 153,5 Milliarden Euro, belastet durch Wechselkurseffekte und Preisdruck vor allem im ersten Halbjahr. Operativ rutschte Stellantis in einen bereinigten Verlust von 842 Millionen Euro ab, die Marge lag mit -0,5 % deutlich im negativen Bereich. Auch der industrielle Free Cashflow war mit -4,5 Milliarden Euro klar negativ. Die Aktie (STLA) war im Vorfeld der Zahlen bereits stark gefallen, reagierte auf den klar kommunizierten Schnitt durch die Bilanz jedoch mit einer Erholung von rund 3–6 % je nach Börsenplatz.

Stellantis Strategiewechsel: Was ändert sich jetzt konkret?

Herzstück des Stellantis Strategiewechsel ist der Abschied von einem reinen Voll-Elektro-Fokus hin zu einem flexibleren Antriebsmix. Filosa streicht mehrere geplante Elektromodelle, verschiebt Investitionen und setzt stattdessen auf Hybridfahrzeuge sowie effizientere Verbrennungsmotoren. In Nordamerika plant der Konzern eine bewusste Renaissance ikonischer Aggregate wie des Hemi-V8, um die margenträchtigen Marken Jeep und Dodge anzuschieben.

Dabei nutzt Stellantis die gelockerten CAFE-Regulierungen in den USA, die strengere Flottenverbrauchsziele vorerst entschärfen. Gleichzeitig soll die EV-Offensive nicht vollständig eingestellt, sondern wirtschaftlicher aufgestellt werden: In Europa prüft der Konzern die verstärkte Nutzung der Elektro-Plattformen des chinesischen Partners Leapmotor, um die Kosten bei Massenmarktmarken zu senken und im Preiskampf mit asiatischen Wettbewerbern zu bestehen. Der Stellantis Strategiewechsel zielt damit weniger auf ein Technologie-„Zurück“, sondern auf eine radikale Kostendisziplin und stärkere Ausrichtung an realer Kundennachfrage.

Stellantis N.V.: Wie reagiert der Markt auf den Kurswechsel?

Trotz des Rekordverlusts interpretieren viele Investoren den harten Schnitt als notwendige Bereinigung. Die in New York gehandelten STLA-Papiere legten nach der Präsentation der Jahreszahlen auf etwa 8 US-Dollar zu, in Paris kletterte der Kurs zeitweise um knapp 6 % auf rund 6,87 Euro. Entscheidend ist, dass das Management seine Prognosen für 2026 bestätigt: Es wird ein Nettoumsatzplus im mittleren einstelligen Prozentbereich, eine AOI-Marge im niedrigen einstelligen Bereich und ein deutlich verbesserter Free Cashflow erwartet.

Der Konzern bezeichnet 2026 klar als Übergangsjahr. Erst ab 2027 soll der industrielle freie Cashflow wieder positiv werden. Filosa verweist vor allem auf Nordamerika als künftigen Ergebnistreiber, wo der verstärkte Fokus auf profitablere SUVs, Pick-ups und leistungsstarke ICE- und Hybridmodelle die Margen anheben soll. Parallel baut Stellantis seine Beteiligungen im Zukunftsbereich autonomes Fahren aus und beteiligt sich unter anderem an einer 1,2-Milliarden-Dollar-Finanzierung des britischen Start-ups Wayve, um Software- und Fahrerassistenzkompetenz zu verstärken.

Stellantis N.V.: Was bedeutet der Strategiewechsel für Anleger?

Für Aktionäre ist der Stellantis Strategiewechsel ambivalent: Kurzfristig belasten Dividendenkürzungen und negative Cashflows, während gleichzeitig die Bilanz durch einmalige Abschreibungen bereinigt wird. Der Aktienkurs liegt deutlich unter früheren Hochs von über 27 Euro und spiegelt die Skepsis des Marktes gegenüber dem Turnaround wider. Börsenbeobachter verweisen auf den starken Bewertungsabschlag, aber auch auf erhöhte Risiken wie Qualitätsprobleme, geopolitische Spannungen und mögliche Rechtsrisiken, darunter laufende Untersuchungen von Anwaltskanzleien im Auftrag von Investoren.

Fazit

Positiv ist, dass Stellantis seine Ziele klar formuliert und operative Hebel benannt hat: striktes Kostenmanagement, Fokussierung auf margenstarke Regionen und Modelle, effizientere EV-Architekturen über Partner wie Leapmotor sowie der Ausbau zukunftsrelevanter Software-Kompetenzen. Ob der Stellantis Strategiewechsel aufgeht, wird sich vor allem an der Entwicklung der Margen und des Free Cashflows in der zweiten Jahreshälfte 2026 ablesen lassen – dann müssen die Versprechen des Managements in den Zahlen sichtbar werden.

Weiterführende Quellen

Maik Kemper
Über den Autor
Maik Kemper

Finanzjournalist und Trader mit über 10 Jahren Erfahrung an den Märkten. Spezialisiert auf Aktienanalyse, Forex und makroökonomische Zusammenhänge.