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Amazon Capex-Schock: Wie gefährlich ist der 200-Milliarden-Dollar-KI-Plan wirklich für die Aktie?

Die Amazon-Aktie ist nachbörslich zweistellig eingebrochen – ausgelöst nicht durch einbrechende Umsätze, sondern durch einen massiven Investitionsplan in KI-Infrastruktur. Der sogenannte Amazon Capex-Schock wirft die Frage auf, ob der Konzern seine Zukunft sichert oder die Geduld der Anleger überstrapaziert. Was hinter den Milliardenplänen steckt und wie Investoren sie einordnen sollten, lesen Sie hier.

Amazon Capex-Schock mit zweistellig fallender AMZN-Aktie im roten Candlestick-Chart
Erwähnte Aktien
AMZN
Schlusskurs 222,69$ -4,42% 05.02.26 22:00 Uhr
Außerbörslich 197,76$ -11,19% 06.02.26 01:59 Uhr
Amazon

Wie heftig trifft der Amazon Capex-Schock die Aktie?

Bereits im regulären Handel schlossen Amazon-Papiere bei 222,69 US-Dollar, ein Minus von 4,42 Prozent gegenüber dem Vortag (232,99 Dollar). Nachbörslich kam es dann zum richtigen „Amazon Capex-Schock“: Die Aktie rauschte zeitweise um mehr als 10 bis 13 Prozent in die Tiefe und fiel zwischenzeitlich deutlich unter die Marke von 200 Dollar. Damit wurden binnen Stunden über 200 Milliarden Dollar an Börsenwert vernichtet – ein weiterer Tiefschlag für den ohnehin angeschlagenen Tech-Sektor.

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Auslöser der Panik ist weniger die operative Entwicklung als die neue Investitionsplanung. Amazon will 2026 rund 200 Milliarden Dollar an Capex ausgeben, während Analysten im Schnitt nur etwa 145 bis 150 Milliarden erwartet hatten. Allein dieser Aufschlag von rund 50 Milliarden Dollar verschärft die Sorge, dass der KI-Boom zwar enorme Kosten verursacht, aber kurzfristig zu wenig zusätzliche Gewinne liefert.

Was sagen die Zahlen zum Kerngeschäft von Amazon?

Operativ lieferte Amazon ein über weite Strecken solides Q4 2025. Der Konzernumsatz stieg um 14 Prozent auf 213,39 Milliarden Dollar und lag damit leicht über den Markterwartungen von etwa 211,5 Milliarden Dollar. Der Gewinn pro Aktie erreichte 1,95 Dollar, minimal unter der Konsensschätzung von 1,96 bis 1,97 Dollar. Das operative Ergebnis belief sich auf knapp 25 Milliarden Dollar, trotz Sonderbelastungen von rund 2,4 Milliarden Dollar für Steuerstreitigkeiten, Filialschließungen und Abfindungen.

Besonders positiv stach erneut die Cloud-Sparte hervor: Amazon Web Services (AWS) steigerte den Umsatz um 24 Prozent auf 35,6 Milliarden Dollar – das höchste Wachstum seit 13 Quartalen. Die operative Marge von etwa 35 Prozent blieb robust und untermauert, dass AWS weiterhin den Großteil des Konzerngewinns einfährt. Gleichzeitig zeigt der stark gewachsene Auftragsbestand im Cloud-Geschäft, dass die Nachfrage nach Rechenleistung für KI-Anwendungen strukturell hoch bleibt.

Amazon.com Inc. Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Februar 2026

Amazon Capex-Schock: Warum investieren die Amerikaner so aggressiv?

Der „Amazon Capex-Schock“ speist sich aus der Dimension und der Geschwindigkeit der Investitionsausweitung. Nach Capex von rund 125 bis 131 Milliarden Dollar im Vorjahr will CEO Andy Jassy 2026 etwa 200 Milliarden Dollar in die Hand nehmen. Der Löwenanteil soll in KI-Infrastruktur fließen: neue Rechenzentren, eigene KI-Chips wie Trainium und Graviton, Highspeed-Netzwerke sowie das LEO-Satellitenprogramm für globale Konnektivität.

Jassy begründet die Offensive mit „sehr hoher Nachfrage“ nach KI- und Cloud-Kapazitäten. AWS habe 2025 bereits fast 4 Gigawatt an zusätzlicher Rechenleistung installiert und wolle diese Kapazität bis 2027 noch einmal verdoppeln. Gleichzeitig wächst das Geschäft mit eigenen Chips und der Bedrock-Plattform für generative KI rasant im dreistelligen Prozentbereich. Aus Managementsicht ist der „Amazon Capex-Schock“ damit weniger ein riskanter Blindflug, sondern eine Wette auf eine dauerhafte Vergrößerung von AWS und des gesamten Konzerns.

Wie reagiert die Wall Street auf Amazons Pläne?

Die Börse verlangt dennoch mehr Beweise. Der Ausblick auf das laufende Quartal fiel nur verhalten aus: Amazon erwartet für Q1 2026 einen Umsatz von 173,5 bis 178,5 Milliarden Dollar, was einem Wachstum von 11 bis 15 Prozent entspricht. Beim operativen Gewinn peilt das Management 16,5 bis 21,5 Milliarden Dollar an – weniger als die zuvor erhofften gut 22 Milliarden. Für viele Investoren passt das Bild nicht zusammen: Rekordausgaben in der Höhe eines Mittelstaats, aber nur moderates Plus bei Umsatz und Profit.

Nach Einschätzung großer Häuser wie der Citigroup und Goldman Sachs bleibt AWS zwar der zentrale Werttreiber, kurzfristig dominieren jedoch Zweifel, ob die massiven KI-Investitionen zeitnah in Free-Cashflow umschlagen. JPMorgan hatte Amazon im Vorfeld noch als eine ihrer „Best Ideas“ im Megacap-Tech-Sektor geführt und vor allem auf eine strukturelle Beschleunigung des Cloud-Wachstums gesetzt. Nun zwingt der „Amazon Capex-Schock“ viele Analysten dazu, ihre Bewertungsmodelle um deutlich höhere Investitionspfade zu bereinigen.

Was bedeutet der Amazon Capex-Schock für Anleger?

Der Kursrutsch bei Amazon verschärft den übergeordneten KI-Korrekturmodus an der Nasdaq. Wie schon bei Alphabet und Microsoft bestrafen Anleger hohe Capex-Ankündigungen, wenn sie nicht von überproportional steigender Profitabilität begleitet werden. Kurzfristig drücken die 200 Milliarden Dollar die Marge, zusätzlich wirken Belastungen aus dem Abbau von rund 16.000 bis 30.000 Bürojobs und dem Rückzug aus defizitären Formaten wie Amazon Fresh- und Go-Filialen.

„Wir erwarten, dass sich diese rund 200 Milliarden Dollar an Investitionen langfristig in einer starken Rendite auf das eingesetzte Kapital auszahlen werden.“
— Andy Jassy, CEO Amazon
Fazit

Für langfristig orientierte Investoren stellt sich die Frage, ob der „Amazon Capex-Schock“ eher Warnsignal oder Einstiegschance ist. Das starke AWS-Wachstum, ein Auftragsbestand im dreistelligen Milliardenbereich und wachsende KI-Umsätze sprechen dafür, dass Amazon seine Infrastruktur am tatsächlichen Bedarf ausrichtet. Gleichzeitig erhöht die schiere Höhe der Capex das Risiko von Fehlinvestitionen und verschiebt den Zeitpunkt, an dem sich die KI-Offensive klar im Gewinn niederschlägt.

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