Wie schafft es ASML Holding N.V., mit einem Kursplus von +2,0 Prozent und einer Marktkapitalisierung jenseits der 500 Milliarden US‑Dollar die Spitze in Europa zu erobern? Hinter dem ASML Rekord stehen gleich mehrere Treiber, die Anleger genau kennen sollten.

ASML Rekord: Wie stark ist der Kurssprung wirklich?
Die Aktie von ASML Holding N.V. notiert mit 1.331,60 US‑Dollar aktuell nahe am jüngsten Allzeithoch und damit nur knapp über dem Vortag (1.331,40 US‑Dollar). Auf Wochensicht hatte der Wert zeitweise um rund 17 bis 18 Prozent zugelegt, bevor es im Zuge eines risk-off-Umfelds zu Gewinnmitnahmen kam. Dennoch bleibt der ASML Rekord klar intakt: Die Marktkapitalisierung überschritt erstmals die Schwelle von 500 Milliarden US‑Dollar und macht ASML zum wertvollsten Unternehmen Europas.
Auslöser der jüngsten Kursbeschleunigung waren die deutlich erhöhten Investitionspläne des wichtigsten Kunden Taiwan Semiconductor Manufacturing. TSMC will seine Kapitalausgaben für 2026 auf 52 bis 56 Milliarden US‑Dollar anheben – deutlich mehr als die zuvor am Markt erwarteten 46 Milliarden US‑Dollar. Da ASML der einzige Anbieter von EUV-Lithografiesystemen für modernste High-End-Chips ist, schlagen solche Capex-Erhöhungen nahezu direkt auf die Auftragsbücher des Konzerns durch.
Der ASML Rekord steht damit exemplarisch für die Wette des Marktes auf einen länger anhaltenden Ausbau von KI-Rechenzentren und Hochleistungs-Chips, wie sie etwa für Nvidia- und Apple-Designs benötigt werden. Allein im Januar legte der Börsenwert von ASML um mehr als 20 Prozent zu.
ASML Holding N.V.: Wie bullisch sind die Analysten?
Die Begeisterung der Analystenlandschaft spielt eine zentrale Rolle für die aktuelle Bewertung von ASML Holding N.V.. Besonders hervor sticht Morgan Stanley: Die US-Großbank sieht ASML als eine der Top-Optionen im globalen Halbleitersektor und hat ihr Kursziel von 1.000 auf 1.400 Euro angehoben. Im bullischen Szenario halten die Experten um Lee Simpson sogar bis zu 2.000 Euro je Aktie für möglich – rund 70 Prozent über dem aktuellen Kursniveau.
Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet Morgan Stanley einen Umsatz von etwa 46,8 Milliarden Euro und einen Gewinn je Aktie von rund 45,7 Euro, nahezu doppelt so viel wie für 2025 prognostiziert. Basis dieser Annahmen sind steigende Investitionen in Foundry- und Speicherfertigung sowie eine robustere Nachfrage aus China als zeitweise befürchtet. Auch Bernstein Research bleibt positiv und bestätigt ein Kursziel von 1.300 Euro bei Einstufung „Outperform“ – ausdrücklich mit Verweis auf die verstärkten Investitionspläne von TSMC.
Weitere Adressen wie Rothschild Redburn signalisieren ebenfalls Zuversicht und bleiben mit einem „Buy“-Rating an Bord. Auf der Kurszielseite verweist ein Profi bei 24/7 Wall Street zudem darauf, dass ASML mittelfristig 1.500 US‑Dollar erreichen könnte. Insgesamt dominiert an der Wall Street ein Konsensrating im Bereich „Moderate Buy“ mit durchschnittlichen Zielkursen um 1.390 US‑Dollar, wie mehrere institutionelle Anlegerberichte zeigen.

ASML Rekord und KI-Boom: Wo liegen die Grenzen?
Hinter dem ASML Rekord steht maßgeblich der KI-Boom – doch dieser könnte nicht grenzenlos sein. Martin Vandenbrink, langjähriger Technikchef hinter dem Erfolg von ASML Holding N.V., warnt vor harten physikalischen und energetischen Restriktionen. Setzt sich der Trend immer größerer KI-Modelle und Trainingsläufe ungebremst fort, könnte der Energiebedarf laut seinen Berechnungen bis 2035 der gesamten heutigen weltweiten Jahresproduktion entsprechen.
Für die Gesellschaft wäre ein solcher Verbrauch kaum tragbar. Vandenbrink fordert daher einen Strategiewechsel weg von bloßem „Scale-up“ der Rechenleistung hin zu effizienteren Algorithmen und neuen Chip- und Rechnerarchitekturen. Die von ihm mitentwickelte EUV-Technologie sieht er zwar für mindestens zehn Jahre im Vorteil, doch die Branche steht aus seiner Sicht unter Zugzwang, Effizienz und Leistungsfähigkeit zusammenzudenken.
Gleichzeitig weitet ASML seine globale Präsenz aus. So sondiert Vietnam derzeit eine engere Kooperation mit dem Konzern, unter anderem beim Aufbau eines Ausbildungs- und Forschungszentrums für Halbleitertechnik und beim Aufbau einer eigenen Chipindustrie. Solche Initiativen unterstreichen, dass der strukturelle Bedarf an Fertigungskapazitäten und Know-how weit über die klassischen Standorte hinausreicht.
Politische Risiken bleiben jedoch ein Gegengewicht. Handelskonflikte und mögliche Exportrestriktionen gegenüber China sorgten zuletzt immer wieder für Volatilität. So belasteten neue Sorgen um den Technologiehandel mit den USA zeitweise auch die ASML-Aktie, wie ein Bericht von Barron’s hervorhebt.
ASML Rekord: Was bedeutet das für Anleger?
Der ASML Rekord auf Bewertungs- und Kursebene ist Ergebnis einer selten starken Kombination: monopolartige Marktstellung in der EUV-Lithografie, massiv steigende Investitionen der führenden Foundries, KI-getriebener Nachfrageschub und ein breites Analysten-Echo mit teils ambitionierten Kurszielen von Morgan Stanley und anderen Häusern. Gleichzeitig zeigen Gewinnmitnahmen und geopolitische Risiken, dass die Reise nicht ohne Rückschläge verlaufen dürfte.
Ohne effizientere Algorithmen und neue Rechner-Architekturen stößt der KI-Boom an harte physikalische und gesellschaftliche Grenzen.— Martin Vandenbrink, langjähriger Technikchef von ASML
Für langfristig orientierte Anleger bleibt ASML Holding N.V. dennoch ein zentraler Hebel auf die globale Halbleiter- und KI-Infrastruktur. Wer einsteigt oder Positionen ausbaut, sollte sich der hohen Bewertung und der möglichen Schwankungen bewusst sein, den strukturellen Rückenwind aber nicht unterschätzen. Der ASML Rekord könnte damit weniger Endpunkt als Zwischenstopp in einem längerfristigen Wachstumszyklus sein.