Bayer Asundexian rückt nach den präsentierten Phase-III-Daten in den Fokus von Ärzten und Anlegern zugleich. Der neuartige Gerinnungshemmer zeigte in der OCEANIC-Stroke-Studie eine deutliche Reduktion des Schlaganfallrisikos – ohne Anstieg schwerer Blutungen. Für die angeschlagene Bayer-Aktie könnte der Wirkstoff damit zu einem entscheidenden Hoffnungsträger werden.

Bayer Asundexian: Wie stark sind die Studiendaten?
Der DAX-Konzern Bayer AG hat auf einem Fachkongress in New Orleans die detaillierten Ergebnisse der Phase-III-Studie OCEANIC-Stroke zu Bayer Asundexian präsentiert. In die Studie wurden mehr als 12.000 Patienten eingeschlossen, die zuvor einen nicht-kardioembolischen ischämischen Schlaganfall oder eine hochriskante transitorische ischämische Attacke erlitten hatten. Unter einmal täglicher Gabe von Asundexian verringerte sich das Risiko eines erneuten Schlaganfalls jeglicher Art – ischämisch oder hämorrhagisch – im Vergleich zu Placebo um rund 26 Prozent.
Alle Studienteilnehmer erhielten zusätzlich einen Thrombozytenaggregationshemmer, der das Verklumpen der Blutplättchen verhindern soll. Besonders wichtig für das künftige Marktpotenzial: Trotz der deutlichen Wirksamkeit zeigte sich bei Asundexian keine Erhöhung schwerer, nach ISTH-Definition klassifizierter Blutungen gegenüber Placebo. Auch leichte Blutungen, hämorrhagische Schlaganfälle, symptomatische intrakranielle Blutungen und tödliche Blutungen traten in ähnlicher Häufigkeit wie in der Kontrollgruppe auf.
Neben der Schlaganfallreduktion verbesserte Asundexian zudem signifikant zusammengesetzte Endpunkte aus kardiovaskulärem Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall. Damit unterstreichen die Daten das Potenzial von Bayer Asundexian als neue Option in der Sekundärprävention nach Schlaganfall, einem Bereich mit weiterhin hohem medizinischem Bedarf.
Was bedeutet das für Bayer und die Aktie?
Die Börse reagiert prompt: Vorbörslich notieren die Papiere der Bayer AG am Freitag bei rund 46 Euro, nachdem sie am Donnerstagabend auf Tradegate bereits deutlich zugelegt hatten. Am regulären Handelstag zuvor schloss Bayer (BAYN.DE) auf Xetra noch bei 44,81 Euro, aktuell werden etwa 45,52 Dollar im Auslandshandel ausgewiesen, was einem Tagesplus von rund 1,6 Prozent entspricht. Der Kurs nähert sich damit dem jüngsten Jahreshoch von knapp 47 Euro.
Für den schwer gebeutelten Konzern, der zugleich mit Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten und auslaufenden Patenten kämpft, kommen die positiven Nachrichten zum richtigen Zeitpunkt. Der bisherige Blockbuster Xarelto verliert nach Patentablauf an Marktexklusivität, und auch beim Augenmedikament Eylea nähert sich die Patentklippe. Neue Wachstumstreiber wie das Prostatakrebsmedikament Nubeqa und nun Bayer Asundexian sollen diese Lücke schrittweise schließen.
Der Vorstand der Pharmasparte hatte bereits zu Jahresbeginn betont, dass die Pipeline mit mehreren potenziellen Blockbustern gut gefüllt sei. Mit den jetzt gezeigten OCEANIC-Stroke-Daten rückt Asundexian klar in diese Riege auf und stärkt die Wahrnehmung, dass die Pharmasparte der Bayer AG wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad einschwenken kann.
Wie bewerten Analysten das Potenzial von Bayer Asundexian?
Analystenhäuser reagieren überwiegend positiv. Die Experten Christian Faitz und David Evans von Kepler Cheuvreux sehen bei einem „ordentlichen“ Studienergebnis ein realistisches Umsatzpotenzial von rund 1 Milliarde Euro pro Jahr. Sollten sich die Ergebnisse im Markt als „exzellent“ durchsetzen, halten sie sogar bis zu 2 Milliarden Euro jährlichen Umsatz für möglich. Damit könnte Asundexian zu einem wichtigen Pfeiler der künftigen Ertragsbasis von Bayer AG werden.
JPMorgan-Analyst Richard Vosser hatte bislang ein Spitzenumsatzpotenzial von etwa 1,4 Milliarden Euro nach 2035 sowie rund 100 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2028 unterstellt. Nach Auswertung der detaillierten Studiendaten sieht Vosser nun Spielraum nach oben – sowohl beim anfänglichen Umsatzanstieg als auch beim langfristigen Peak-Sales-Niveau, wobei der Erfolg auch von konkurrierenden Wirkstoffen wie Milvexian von Johnson & Johnson abhängen dürfte.
Optimistisch äußert sich zudem UBS-Analyst Matthew Weston, der besonders das Zusammenspiel aus Wirksamkeit und Sicherheitsprofil hervorhebt. Auf der internationalen Schlaganfall-Konferenz sei der Präventionserfolg bei ischämischen Schlaganfällen mit deutlicher Zustimmung aufgenommen worden. Weston taxiert das Marktpotenzial von Bayer Asundexian derzeit auf einen Jahresspitzenumsatz von etwa 1,5 Milliarden US-Dollar bei einer hohen Erfolgswahrscheinlichkeit.
„Sowohl die Wirksamkeit als auch das Sicherheitsprofil des Gerinnungshemmers haben auf der internationalen Schlaganfall-Konferenz für Applaus gesorgt.“— Matthew Weston, UBS
Bayer Asundexian hat mit den OCEANIC-Stroke-Daten einen wichtigen Meilenstein erreicht und die Schlaganfallprävention um eine vielversprechende Therapieoption bereichert. Für Anleger stärkt der potenzielle Blockbuster die Story einer wieder wachsenden Pharmasparte bei der Bayer AG und relativiert die Sorgen um auslaufende Patente. Entscheidend werden nun die anstehenden Zulassungsentscheidungen und der Markteintritt in den kommenden Jahren, die zeigen dürften, wie viel des skizzierten Milliardenpotenzials sich realisieren lässt.