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09.02.26 22:00 Uhr
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MicroStrategy
Die MicroStrategy Bitcoin-Strategie steht nach einem historischen Milliardenverlust erneut im Fokus. Während das operative Software-Geschäft stabil bleibt, dominiert der riesige Bitcoin-Bestand die Bilanz – mit massiven Buchverlusten, aber auch gewaltigem Hebel auf den Kryptomarkt. Anleger fragen sich: Ist MicroStrategy eine riskante Wette auf Bitcoin oder eine langfristige Chance auf überproportionale Gewinne?
MicroStrategy Bitcoin-Strategie nach Rekordverlust unter Druck?
MicroStrategy Incorporated (MSTR) meldete für das vierte Quartal 2025 einen historischen Nettoverlust von rund 12,4 bis 12,6 Milliarden US-Dollar. Der operative Verlust lag bei 17,4 Milliarden US-Dollar, was etwa 42,93 US-Dollar je Aktie entspricht. Auslöser sind vor allem enorme nicht cash-wirksame Abschreibungen auf den Bitcoin-Bestand, während das operative Kerngeschäft als Softwareanbieter mit einem moderaten Umsatzplus von 1,9 Prozent auf etwa 123 Millionen US-Dollar relativ stabil blieb.
Trotz dieses Rekordverlustes bleibt die MicroStrategy Bitcoin-Strategie unverändert: Das Unternehmen positioniert sich klar als Bitcoin-Treasury-Vehikel. Die Aktie, die noch vor wenigen Monaten bei rund 475 US-Dollar notierte, hat in der Spitze über 80 Prozent vom Hoch abgegeben und zwischenzeitlich im Bereich von 100 bis 105 US-Dollar einen Boden getestet. Aktuell notiert MSTR bei 138,44 US-Dollar, knapp 2,6 Prozent über dem Vortag.
Die hohe Volatilität zeigt, wie stark MicroStrategy inzwischen vom Bitcoin-Preis abhängt. Rücksetzer der Kryptowährung führten zu massiven Kursverlusten, während die starke Gegenbewegung am Kryptomarkt zuletzt zu zweistelligen Tagesgewinnen bei der Aktie führte – inklusive einer Rallye von mehr als 30 Prozent an einem Handelstag.
MicroStrategy setzt Bitcoin-Käufe trotz Kurssturz fort
Aktuell hält MicroStrategy Incorporated rund 714.644 Bitcoin in der Bilanz. Der Gesamtbestand wurde für etwa 54,35 Milliarden US-Dollar zu einem durchschnittlichen Preis von 76.056 US-Dollar pro Coin erworben. In der vergangenen Woche kamen weitere 1.142 Bitcoin dazu, gekauft für rund 90 Millionen US-Dollar zu einem Durchschnittskurs von 78.815 US-Dollar – deutlich über dem aktuellen Bitcoin-Niveau um 68.000 bis 69.000 US-Dollar und somit zunächst mit einem Buchverlust von etwa 12 Prozent.
Finanziert wurde der jüngste Zukauf über den Verkauf von Class-A-Aktien im Volumen von etwa 89,5 Millionen US-Dollar. Vorzugsaktien wurden in dieser Phase nicht neu ausgegeben. Damit setzt das Management die MicroStrategy Bitcoin-Strategie fort, Bitcoin über Eigenkapital- und Kreditinstrumente zu hebeln und den Bestand kontinuierlich auszubauen. Michael Saylor verweist dabei auf einen extrem langfristigen Anlagehorizont von zehn bis hundert Jahren und sieht das Unternehmen als „digitale Festung“, die auf Bitcoin als Hard Asset setzt.
Gleichzeitig drücken die jüngsten Turbulenzen am Kryptomarkt auf die Bilanz: Nach dem Rückgang des Bitcoin-Preises von einem Allzeithoch über 126.000 US-Dollar bis nahe 60.000 US-Dollar war der Bestand zwischenzeitlich mit rund 8 Milliarden US-Dollar im Minus, aktuell liegt ein nicht realisierter Verlust von knapp 4,8 Milliarden US-Dollar vor.

Wie riskant ist MicroStrategy für Aktionäre wirklich?
Die zentrale Frage für Anleger ist, wie belastbar die MicroStrategy Bitcoin-Strategie vor dem Hintergrund von Schulden und Vorzugsaktien ist. Dem Bitcoin-Volumen von über 700.000 BTC stehen rund 16 Milliarden US-Dollar an Wandelanleihen und Vorzugsaktien gegenüber. Zusätzlich verfügt das Unternehmen über eine Cash-Reserve von etwa 2,25 Milliarden US-Dollar, die Zins- und Dividendenverpflichtungen für zwei bis drei Jahre abdecken soll, selbst bei schwierigen Marktbedingungen.
Mehrere institutionelle Beobachter betonen, dass die jüngsten Verluste zu großen Teilen bilanziell sind und keinen unmittelbaren Liquiditätsabfluss bedeuten. Die weiterhin profitable Software-Sparte generiert einen Jahresumsatz von über 200 Millionen US-Dollar mit hohen Margen und kann laufende Betriebskosten zumindest teilweise tragen. Dennoch bleibt MicroStrategy im Kern eine Wette auf den Bitcoin-Preis; viele Investoren sehen die Aktie als gehebeltem Proxy auf die Kryptowährung, der in Bullenmärkten deutlich besser, in Bärenmärkten aber auch deutlich schlechter läuft als Bitcoin selbst.
Charttechnisch befindet sich MicroStrategy Incorporated seit Oktober im Abwärtstrend. Nach dem Einbruch auf rund 100 US-Dollar folgte jüngst eine kräftige Erholungsrallye; kurzfristiges Potenzial sehen Marktteilnehmer bis in den Bereich von etwa 150 US-Dollar, mittelfristig bis zu 200 US-Dollar. Gleichzeitig warnen Beobachter vor möglichen „Dead Cat Bounces“, da die Aktie auf Jahressicht immer noch rund 60 Prozent verloren hat.
MicroStrategy Bitcoin-Strategie: Chance oder Klumpenrisiko?
Für Anleger bleibt die MicroStrategy Bitcoin-Strategie ein zweischneidiges Schwert. Einerseits handelt die Aktie zeitweise nahe an oder sogar mit einem leichten Abschlag zum inneren Wert der Bitcoin-Bestände (mNAV um 1,0 bis 1,08), was im Vergleich zu früheren hohen Aufschlägen einen attraktiveren Einstieg darstellen kann. Andererseits besteht das strukturelle Risiko, dass bei anhaltend schwachem Bitcoin-Kurs Verwässerung durch weitere Aktienemissionen oder im Extremfall Teilverkäufe des Bitcoin-Portfolios nötig werden.
Mehrere Research-Häuser sehen den Investment Case fast ausschließlich über die Kryptobrille, konkrete Kursziele hängen entsprechend stark von Bitcoin-Szenarien ab. Die Diskussion reicht von vorsichtigem „Halten“ bis zu chancenorientierten Kaufempfehlungen, wenn der Marktwert je Aktie über längere Zeit nicht wesentlich über dem Netto-Bitcoin-Wert liegt. Klar ist: Wer MSTR kauft, setzt faktisch auf eine hochgehebelte Bitcoin-Position mit zusätzlichem Unternehmens- und Finanzierungsrisiko.
„MicroStrategy hat eine digitale Festung aufgebaut, verankert in mehr als 700.000 Bitcoin und einem unbegrenzten Bitcoin-Horizont.“
— Michael Saylor, Executive Chairman
Fazit
Unterm Strich bleibt die MicroStrategy Bitcoin-Strategie damit ein extremes Vehikel für Bitcoin-Bullen: Für kurzfristig orientierte Trader kann die enorme Volatilität Chancen bieten, langfristige Investoren sollten jedoch die Verschuldung, die Abhängigkeit vom Kryptomarkt und die Möglichkeit weiterer Kapitalerhöhungen exakt im Blick behalten.
Weiterführende Quellen
- MicroStrategy Incorporated (MSTR) bei Yahoo Finance (Yahoo Finance)
- Strategy Q4 Earnings Miss Estimates, Revenues Increase Y/Y (Zacks Investment Research)
- Strategy Q4 Earnings Review: Execution Is The Moat (Seeking Alpha)
- MSTR, COIN and HOOD Forecast – Crypto Stocks Looking to Turn Things Around (FXEmpire)