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BP Turnaround mit Sparprogramm in Milliardenhöhe: Warum die Aktie fast 5% verliert und was das für Anleger bedeutet

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10.02.26 15:33 Uhr

BP plc

Der BP Turnaround nimmt mit einem harten Kurswechsel Fahrt auf: Milliardenabschreibungen, ein verschärftes Sparprogramm und der komplette Stopp der Aktienrückkäufe sorgen für Unruhe am Markt. Die BP-Aktie rutscht deutlich ab, während das Management die Bilanz stärken und den Fokus wieder stärker auf das klassische Öl- und Gasgeschäft legen will. Was steckt hinter diesem Strategiewechsel – und wie sollten Anleger die neuen Pläne einordnen?

BP p.l.c.: Wie hart fällt der Einschnitt aus?

BP p.l.c. hat im vierten Quartal 2025 einen bereinigten Nettogewinn von 1,54 Milliarden US‑Dollar erzielt und damit die Konsensschätzungen punktgenau getroffen. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Plus von rund 32 Prozent, gegenüber dem dritten Quartal mit 2,2 Milliarden Dollar allerdings einem deutlichen Rückgang. Auf Jahressicht weist BP 2025 einen Nettogewinn von 7,49 Milliarden Dollar aus, nach knapp 9 Milliarden Dollar im Vorjahr. Die Zahlen unterstreichen: Operativ bleibt das Kerngeschäft robust, doch der Druck durch niedrigere Ölpreise und milliardenschwere Abschreibungen zehrt spürbar an der Profitabilität.

Unter dem Strich steht im Schlussquartal ein Milliardenverlust, weil BP zuvor hohe Wertberichtigungen von rund 4,2 Milliarden Dollar auf das Solarengagement Lightsource BP und das US‑Biogasgeschäft Archaea vorgenommen hat. Gleichzeitig trennt sich der Konzern von Randbereichen: So wurde der Verkauf einer Minderheitsbeteiligung an Onshore‑Ölfeldern in den USA im Volumen von 1,5 Milliarden Dollar angekündigt. All diese Schritte sind Teil des laufenden BP Turnaround, der die Bilanz straffen und Kapital auf renditestärkere Projekte lenken soll.

BP Turnaround: Warum stoppt der Konzern Rückkäufe?

Der radikalste Schritt: BP setzt sein laufendes Aktienrückkaufprogramm komplett aus. Statt eigene Aktien zu erwerben, sollen überschüssige Barmittel nun vollständig in die Stärkung der Bilanz fließen. Zugleich zieht der Konzern seine bisherige Guidance zurück, dauerhaft 30 bis 40 Prozent des operativen Cashflows an die Aktionäre auszuschütten. Am Markt kommt dieser Schritt schlecht an – die BP‑Aktie verliert im europäischen Handel knapp fünf Prozent und notiert mit rund 454 Pence deutlich unter dem Vortag von 477,65 Pence.

Dennoch bewerten einige Analysten die Maßnahme positiv. RBC Capital Markets sieht die Aussetzung der Rückkäufe als längerfristig sinnvolle Entscheidung des neuen Managements, um die Verschuldung schneller zu senken. Barclays-Expertin Lydia Rainforth spricht von einem Schritt in die richtige Richtung zur Bilanzreparatur, fordert aber weitere Fortschritte, um das Vertrauen in die Kapitalallokation wiederherzustellen. Andere Marktbeobachter verweisen dagegen auf die psychologische Bedeutung der Rückkäufe: Die Unterbrechung dieser zentralen Stütze im Kapitalmarktnarrativ erschwert es, den BP Turnaround den Anlegern zu verkaufen.

BP p.l.c. Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Februar 2026

BP p.l.c.: Mehr Kostenstrenge, mehr Öl und Gas?

Parallel verschärft BP p.l.c. sein strukturelles Sparprogramm deutlich. Bis Ende 2027 sollen nun 5,5 bis 6,5 Milliarden Dollar an jährlichen Kosten eingespart werden – rund 1,5 Milliarden Dollar mehr als bisher geplant. Zudem strebt das Management bis 2027 Desinvestitionen von insgesamt 20 Milliarden Dollar an, darunter bereits angekündigte Verkäufe wie die Reduzierung der Beteiligung an der Schmierstofftochter Castrol. Der Fokus liegt klar darauf, das Portfolio zu verschlanken und Mittel in das klassische Öl‑ und Gasgeschäft umzuschichten.

Damit vollzieht BP eine weitere Abkehr vom zuvor stark ausgebauten Erneuerbaren‑Portfolio. Analysten sprechen von „bitteren Pillen“ im Quartalsbericht: Die Abschreibungen auf das Geschäft mit niedrigeren CO₂‑Emissionen und die weiterhin stockende Partnersuche für das Solargeschäft zeigen, dass der Konzern hier bislang keine ausreichende operative Schlagkraft aufgebaut hat. Investoren fragen sich nun, ob die geplanten höheren Investitionen in die Upstream‑Förderung den Unternehmenswert mittelfristig steigern oder durch höhere Kapitalintensität zusätzlich belasten. Der BP Turnaround steht damit auf zwei Beinen: radikaler Sparkurs und klarer Schulterschluss mit dem traditionellen Öl‑ und Gasgeschäft.

BP p.l.c.: Was bedeutet der Umbau für Anleger?

An der Spitze steht ebenfalls ein Wechsel an: Interim‑Chefin Carol Howle betonte, man habe 2025 starke operative Fortschritte erzielt, doch es gebe „mehr Arbeit zu tun“ und man sei sich der „Dringlichkeit“ bewusst. Im April übernimmt Meg O’Neill den CEO‑Posten – mit dem klaren Auftrag, den BP Turnaround zu liefern und den Kurswechsel zurück zu Öl und Gas zu konsolidieren. Im Hintergrund erhöht der aktivistische Investor Elliott weiter den Druck auf Effizienz, Kapitaldisziplin und eine renditestarke Aufstellung.

Charttechnisch bleibt das Bild angespannt: Die Aktie prallte erneut am Widerstandsbereich um 480 Pence ab und fiel im Tagestief auf etwa 451 Pence. Der Vertrauensschaden durch das Ende der Rückkäufe wiegt kurzfristig schwer. Gleichzeitig interpretieren Häuser wie Jefferies das erhöhte Einsparziel auch als logische Folge bereits geplanter Desinvestitionen, etwa beim Castrol‑Anteil. Für langfristig orientierte Anleger eröffnet der BP Turnaround damit ein klassisches Chance‑Risiko‑Profil: Wer dem Management zutraut, Bilanz und Portfolio konsequent zu straffen, könnte die Schwächephase als Einstiegschance sehen; wer primär auf stetige Ausschüttungen setzt, dürfte den Kurswechsel skeptischer beurteilen.

Wir haben unsere Kernziele vorangebracht – Cashflow steigern, Kosten senken und die Bilanz stärken –, wissen aber, dass noch mehr zu tun ist und handeln mit hoher Dringlichkeit.
— Carol Howle, Interim-CEO von BP p.l.c.

Fazit

Im Fazit steht BP an einem kritischen Wendepunkt: Der BP Turnaround setzt klar auf Bilanzstärkung, Kostendisziplin und eine Rückbesinnung auf Öl und Gas – zulasten kurzfristiger Rückflüsse an Aktionäre. Für Anleger bleibt entscheidend, ob die Kombination aus Sparprogramm, Desinvestitionen und fokussierten Investitionen den Bewertungsabschlag der Aktie in den kommenden Jahren abbauen kann. Die nächsten Quartale und der Start von Meg O’Neill werden zeigen, ob aus dem aktuellen Umbau ein nachhaltiger BP Turnaround mit wieder wachsendem Vertrauen am Kapitalmarkt wird.

Weiterführende Quellen