Wie schafft es OpenAI, aus rasant wachsender Nutzerzahl und explodierender Compute-Kapazität ein tragfähiges Geschäftsmodell zu formen? Der Artikel beleuchtet, wie Umsatzsprung, Werbeoffensive und Rechtsstreit mit Elon Musk die künftige OpenAI Strategie für Anleger prägen könnten.

Wie entwickelt sich die OpenAI Strategie bis 2026?
CFO Sarah Friar beschreibt 2026 als das Jahr der ‘praktischen Adoption’, in dem die OpenAI Strategie vor allem die Lücke zwischen technischem Potenzial von KI und realer Nutzung in Unternehmen, Wissenschaft und Verwaltung schliessen soll. Im Zentrum stehen Sektoren wie Gesundheit, Forschung und Enterprise-Anwendungen, in denen bessere Modelle direkt in effizientere Prozesse, Diagnostik und Entscheidungsfindung münden sollen. Gleichzeitig positioniert sich OpenAI zunehmend als Infrastruktur- und Plattformanbieter, dessen Umsatz eng mit der Verfuegbarkeit von Rechenleistung verknuepft ist.
Die Dimension des Wachstums ist eindrucksvoll: Der jährliche Umsatzlauf (ARR) sprang von rund 2 Milliarden US‑Dollar 2023 auf über 20 Milliarden US‑Dollar 2025. Parallel dazu wurde die Compute-Kapazitaet von etwa 0,2 Gigawatt auf knapp 2 Gigawatt verzehnfacht. Friar betont, dass bei groesserer Rechenkapazitaet die Kundenadoption und Monetarisierung sogar noch schneller hätte verlaufen können.
Wie monetarisiert OpenAI ChatGPT und die Plattform?
Ein Kernbaustein der OpenAI Strategie ist der Ausbau wiederkehrender SaaS-Einnahmen über Bezahlversionen von ChatGPT und API-Zugriffe, während die Nutzerbasis der Verbraucherplattform bereits auf rund 800 Millionen wöchentlich aktive Nutzer gestiegen ist. Zunehmend verlagert sich der Fokus hin zu Unternehmenskunden, die inzwischen etwa 40 % des Umsatzes generieren, nach rund 30 % zu Jahresbeginn 2025. Diese Verschiebung soll die Abhaengigkeit von Einzelkunden und experimentellen Use Cases reduzieren.
Parallel dazu wagt OpenAI einen Schritt, den CEO Sam Altman frueher als ‘last resort’ bezeichnet hatte: Werbung. Erste Tests von Anzeigen für kostenlose und ChatGPT-Go-Nutzer in den USA sollen ein neues, skalierbares Ertragsbein schaffen. Analyst Mark Mahaney von Evercore ISI haelt einen Anstieg der Werbeumsaetze auf mehrere Milliarden Dollar bereits 2026 und auf über 25 Milliarden Dollar bis 2030 für realistisch, falls Anzeigen hilfreich eingebettet und klar gekennzeichnet werden. Damit zielt OpenAI direkt auf hochmargige Performance-Marketing-Budgets, die bisher vor allem bei Google landen.

Welche Rolle spielt Compute in der OpenAI Strategie?
Die OpenAI Strategie basiert auf dem Grundsatz, dass Skalierung von Umsatz und Produktqualitaet unmittelbar an Skalierung von Compute gebunden ist. Friar verweist darauf, dass der Umsatzlauf von 2 auf über 20 Milliarden Dollar nahezu parallel mit dem Ausbau der Rechenleistung von 0,2 auf rund 1,9 Gigawatt verlaufen ist. Mittelfristig will OpenAI mit Partnern wie Nvidia Systeme im Umfang von mindestens 10 Gigawatt aufbauen – eine Größenordnung, die dem Jahresenergiebedarf mehrerer Millionen US-Haushalte entspricht.
Um die Abhaengigkeit von einem einzigen Anbieter zu verringern, arbeitet OpenAI mittlerweile mit einem diversifizierten Ökosystem von Cloud- und Hardwarepartnern. Das Unternehmen ist zudem als Public Benefit Corporation organisiert, was ermöglichen soll, gesellschaftliche Zielsetzungen mit profitabler Skalierung zu verbinden. Kritiker wie Tech-Investor Paul Kedrosky bemerken jedoch, das aktuelle Modell erinnere an das ‘Verkaufen von Dollar-Scheinen für 70 Cent’ – eine Spitze gegen hohe Vorabinvestitionen in Rechenzentren und langfristige Infrastrukturvertraege von bis zu 1,4 Billionen Dollar, die erst über Jahre hinweg Erträge generieren sollen.
Was bedeutet die Elon-Musk-Klage für OpenAI Anleger?
Über der OpenAI Strategie liegt derzeit der Schatten eines spektakulaeren Rechtskonflikts mit Elon Musk. Der Tesla-CEO wirft OpenAI und Microsoft vor, die urspruengliche Non-Profit-Mission zugunsten einer kommerziellen Ausrichtung verraten zu haben. In einer beim US-Bezirksgericht eingereichten Klage fordert Musk die Herausgabe angeblich unrechtmaessig erzielter Gewinne in Höhe von bis zu 134 Milliarden US‑Dollar, davon zwischen rund 65,5 und 109,4 Milliarden Dollar direkt von OpenAI. Die Gegenseite weist dies als unbegruendet zurück und beantragt gemeinsam mit Microsoft, die Schadensschaetzungen von Musks Experten aus dem Verfahren auszuschliessen.
OpenAI kontert, Musk habe bereits 2017 einer gewinnorientierten Struktur grundsaetzlich zugestimmt, die Gespräche seien jedoch gescheitert, weil er die volle Kontrolle und eine Integration in Tesla verlangt habe. Wie das Gericht diese diametral unterschiedlichen Narrative bewertet, könnte nicht nur finanzielle Folgen haben, sondern auch den öffentlichen Blick auf Governance und Mission des Unternehmens praegen – ein sensibler Punkt, während Beobachter erstmals die Möglichkeit eines Börsengangs mit einer Bewertung nahe 1 Billion Dollar diskutieren.
Für den Gesamtmarkt bleibt bemerkenswert, dass der Kurs von Tesla (TSLA) zuletzt bei 428,56 Dollar lag und damit leicht unter dem Vortag, während Investoren genau verfolgen, ob die Klage Musks auch strategischer Druck auf Partner wie Microsoft und Nvidia ist. Banken wie Citigroup, Goldman Sachs oder RBC Capital Markets sehen im KI-Komplex weiterhin einen der wichtigsten strukturellen Wachstumstreiber des Tech-Sektors, weisen jedoch wiederholt auf die enormen Kapitalkosten und regulatorischen Risiken hin, welche die Bewertungsspitzen begrenzen könnten.
Das Wachstum von 2 auf über 20 Milliarden Dollar Umsatzlauf in nur zwei Jahren ist noch nie zuvor in dieser Größenordnung gesehen worden.— Sarah Friar, CFO von OpenAI
Im Fazit bleibt die OpenAI Strategie ein Hochgeschwindigkeitsspiel zwischen Infrastruktur-Ausbau, Monetarisierung und Reputation: Gelingt es, Werbe- und Enterprise-Einnahmen im Takt mit der Compute-Basis zu skalieren und den Rechtsstreit mit Elon Musk ohne existenzielle Schäden zu beenden, bleibt OpenAI ein zentraler Kandidat für die erste Billionen-Bewertung eines neuen KI-Champions. Für Anleger dürften daher vor allem Entwicklungstempo bei Produkten, Grosskundenadoption und der Umgang mit juristischen Angriffen entscheidend sein, um Chancen und Risiken im KI-Sektor ausgewogen einzuschaetzen.