Wie geht es nach dem DAX Groenland-Zollschock weiter – droht der nächste Rückschlag oder steht der Index vor einem Ausbruch nach oben? Zwischen bullischer Flagge, politischem Tauwetter und starken Einzelwerten suchen Anleger nach Orientierung.

DAX Groenland-Zollschock: Wie stabil ist die Erholung?
Zum Wochenschluss notiert der DAX bei rund 24.900 Punkten und liegt damit nur leicht über dem Vortag (+0,18 Prozent auf 24.900,71 Punkte). Damit bestätigt sich das Bild einer Konsolidierung nach einem heftigen DAX Groenland-Zollschock, der den Index im Wochenverlauf zeitweise bis auf knapp 24.349 Punkte gedrückt hatte. Auslöser waren die kurzfristig angedrohten US-Strafzölle im Streit um Groenland, die die Märkte zum Wochenstart deutlich unter die 25.000er-Marke gedrückt hatten.
Mit der Kehrtwende Trumps und dem in Davos skizzierten Groenland-Abkommen hat sich die Lage deutlich beruhigt. Entscheidend für die Erholung war, dass die zum 1. Februar angedrohten Zusatzzölle wieder vom Tisch sind. Am Donnerstag hatten Anleger daraufhin „im großen Stil gekauft“ und dem Leitindex ein Plus von 1,2 Prozent auf 24.856 Punkte beschert – der höchste Handelsumsatz in den 40 DAX-Werten seit Jahresbeginn.
Charttechnisch bleibt das Bild nach dem DAX Groenland-Zollschock konstruktiv: Die enge Seitwärtskonsolidierung knapp unterhalb der Region um 25.000 Punkte wird von Marktbeobachtern als bullische Flagge interpretiert, die bei einem Ausbruch nach oben Potenzial in Richtung 25.200 Punkte und darüber eröffnen könnte.
DAX zwischen Rekordhoch und Jahrestief: Was steckt dahinter?
Seit dem Rekordhoch Mitte Januar bei rund 25.507 Punkten hat der DAX in der Spitze bis zu 4,5 Prozent abgegeben, aktuell sind es etwa 2,5 Prozent. Jochen Stanzl von der Consorsbank verortet den Index bei rund 24.900 Zählern in einem „neutralen Bereich“, exakt zwischen dem jüngsten Rekord und dem Jahrestief um 24.349 Punkte. Für einen nachhaltigen Ausbruch nach oben brauche es nun eine „Rückversicherung der Unternehmen“, dass die Gewinnerwartungen für 2026 – am Markt sind teils bis zu 15 Prozent Gewinnwachstum bei den DAX-Konzernen eingepreist – realistisch sind.
Damit verschiebt sich der Fokus nach dem DAX Groenland-Zollschock klar in Richtung Fundamentaldaten. Die Einkaufsmanagerindizes für Deutschland und die Eurozone fielen zufriedenstellend aus und stützen die Hoffnung auf eine konjunkturelle Bodenbildung. Unter den Einzelwerten sorgte insbesondere Volkswagen mit einem kräftigen Kursplus von rund 6,5 Prozent nach starkem Netto-Cashflow im Autogeschäft für positive Akzente. Am Indexende standen hingegen defensive oder zuvor gut gelaufene Titel wie Rheinmetall, MTU Aero Engines, RWE, SAP und Hannover Rück.
Parallel bleibt der Blick der Anleger auf die internationalen Rahmenbedingungen gerichtet: Die diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Ukraine-Kriegs nehmen wieder Fahrt auf, während der Ölpreis (Brent um 65 US-Dollar) und ein in Richtung 5.000 US-Dollar laufender Goldpreis die anhaltende Unsicherheit widerspiegeln.

ETFs und DAX Groenland-Zollschock: Wer kauft jetzt noch?
Der DAX Groenland-Zollschock hat sich auch in den beliebten Indexfonds niedergeschlagen. Der Global X DAX Germany ETF, der den Leitindex abbildet, verzeichnete in den vergangenen Monaten verstärkte Aktivitäten institutioneller Investoren. So hat Harel Insurance Investments & Financial Services einen neuen, signifikanten Anteil erworben, während Global View Capital Management seine Position deutlich ausgebaut hat. Beide Häuser setzen damit trotz politischer Turbulenzen weiter auf die langfristige Attraktivität deutscher Blue Chips.
Analysten bei Seeking Alpha sehen den Global X DAX Germany ETF im Wettbewerb mit breiter aufgestellten Produkten wie EWG gut positioniert, warnen aber davor, der Rallye hinterherzulaufen, da deutsche Aktien inzwischen mit einem Bewertungsaufschlag von 6 bis 10 Prozent gegenüber anderen entwickelten Märkten gehandelt werden. Parallel verweist Benzinga auf die strukturellen Risiken: Die anhaltende Insolvenzwelle in Deutschland – vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen – strahlt zunehmend auf die großen Indizes und damit auch auf die entsprechenden ETFs aus.
Für Anleger bedeutet der DAX Groenland-Zollschock damit weniger einen Bruch des langfristigen Trends als vielmehr eine Erinnerung an die politische Verwundbarkeit eines exportorientierten Marktes. Während Kommentare bei Seeking Alpha die Belastungen durch US-Zölle und die schwächere Eurozonen-Konjunktur betonen, verweisen Berichte aus dem Umfeld von Barron’s auf Chancen durch höhere staatliche Investitionen in Deutschland, von denen Konzerne wie Volkswagen, Commerzbank oder Siemens Energy profitieren könnten.
Der DAX befindet sich bei rund 24.900 Punkten in einem neutralen Bereich – für weitere Anstiege brauchen Anleger jetzt die Rückversicherung der Unternehmen, dass ihre starken Gewinnerwartungen für 2026 realistisch sind.— Jochen Stanzl, Consorsbank
Im Fazit lässt sich festhalten: Der DAX Groenland-Zollschock hat die Verwundbarkeit, aber auch die Widerstandskraft des deutschen Leitindex offengelegt. Für Anleger bleibt der Markt im politischen Neutralbereich, mit Chancen bei einer Auflösung der bullischen Flagge und Risiken bei neuen Zoll- oder Geopolitikschocks. Wer engagiert ist, sollte die laufende Berichtssaison und politische Signale aus Washington und Brüssel eng verfolgen und das Engagement im DAX je nach Risikoprofil aktiv steuern.