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13.02.26 17:35 Uhr
Delivery Hero SE
Die Aktie von Delivery Hero SE gerät nach neuen Zahlen der Regionaltochter Delivery Hero Talabat im Nahen Osten erneut unter Druck. Ein schwächerer Ausblick, steigende Investitionen und wachsende Zweifel am Wertsteigerungsplan des Konzerns sorgen dafür, dass Anleger die bisherige Erfolgsstory neu bewerten. Warum die Talabat-Entwicklung nun zur Belastung für die MDAX-Aktie wird und welche Risiken Analysten bis 2026 sehen, lesen Sie in dieser Analyse.
Was belastet Delivery Hero aktuell am meisten?
Die Aktie von Delivery Hero SE setzt ihre jüngste Talfahrt am Freitag fort. Auf Xetra notieren die Papiere am Nachmittag um rund 4,7 Prozent tiefer bei etwa 20,13 Euro, nachdem sie tags zuvor noch bei 21,11 Euro geschlossen hatten. Zwischenzeitlich fiel der Kurs bis nahe an die Marke von 20 Euro und damit auf den niedrigsten Stand seit Dezember. Ausschlaggebend ist vor allem die Entwicklung bei der wichtigen Regionaltochter Delivery Hero Talabat im Nahen Osten, deren schwacher Ausblick die Anleger verunsichert. Parallel steht die gesamte Internet- und Plattformbranche ohnehin unter Druck, weil Investoren zunehmende Konkurrenz durch neue KI-getriebene Geschäftsmodelle fürchten.
Während der Konzernkurs seit dem Jahreshoch von über 27 Euro im Januar bereits rund ein Viertel an Wert eingebüßt hat, rutschen auch die in Dubai gelisteten Aktien von Talabat deutlich ab. Am Freitag verloren die Papiere dort nach Zahlenvorlage rund acht Prozent und haben sich seit dem Börsengang Ende 2024 in der Spitze fast halbiert.
Warum enttäuscht Delivery Hero Talabat die Analysten?
Operativ meldete Delivery Hero Talabat im vierten Quartal zwar solide Umsätze, doch der Blick nach vorn sorgt für Unruhe. Evgenii Annenkov von Jefferies betont, der Erlös sei im Rahmen der Erwartungen gewesen, der neue Ausblick auf das operative Ergebnis (Ebitda) für das laufende Geschäftsjahr liege jedoch etwa zehn Prozent unter dem bisherigen Analystenkonsens. Das deutet auf deutlichen Margendruck hin.
Andrew Ross von Barclays Research führt dies auf intensiveren Wettbewerb im Nahen Osten und zugleich beschleunigte Investitionen unter einem neuen Unternehmenslenker bei Talabat zurück. Besonders kritisch äußert sich Marcus Diebel von JPMorgan: Er spricht von einer „Gewinnwarnung“ auf Ebene von Delivery Hero Talabat, ausgelöst durch deutlich höhere Investitionspläne. Damit steigt das Risiko, dass das Ebitda von Delivery Hero SE im Jahr 2026 unter dem Vorjahreswert liegt – ein Szenario, das bislang am Markt kaum eingepreist scheint.
Für Anleger bedeutet das: Die bisherige Investmentstory, nach der Talabat als wachstumsstarkes Profit-Center fungiert, gerät ins Wanken. Statt Ergebnistreiber könnte die Region vorerst zur Belastung für den MDAX-Konzern werden.

Wie steht es um den Wertsteigerungsplan von Delivery Hero?
Bereits im Dezember hatte Delivery Hero SE Maßnahmen zur Steigerung des Börsenwerts angekündigt. Dazu zählen Portfolio-Optimierungen und die Option, einzelne Beteiligungen – theoretisch auch Delivery Hero Talabat – ganz oder teilweise zu veräußern. Nach diesen Ankündigungen kletterte der Aktienkurs im Januar kurzzeitig wieder über 27 Euro. Seit den neuen Talabat-Zahlen schwindet jedoch der Glaube daran, dass sich der „wahre innere Wert“ des Konzerns kurzfristig heben lässt.
JPMorgan-Analyst Marcus Diebel sieht die Wahrscheinlichkeit gesunken, dass Talabat in einem möglichen Verkaufsprozess eine bedeutende Rolle spielen kann. In einem weiteren Kommentar nach Investorengesprächen berichtet er von wachsender Skepsis vieler Anleger gegenüber dem Management. Kritisiert wird vor allem der Mangel an greifbaren Fortschritten beim angekündigten Wertoptimierungsprozess; es herrsche zunehmende Frustration, dass die Kapitalmarktstrategie nicht klar genug sichtbar werde.
Parallel dazu liefen in dieser Woche Directors’ Dealings über Restricted Stock Units (RSUs): Vorstandsmitglied Dr. Johannes Bruder erhielt am 12. Februar rund 18.743 Aktien aus genehmigtem Kapital zu rund 18,59 Euro je Anteil und veräußerte am selben Tag 9.394 Aktien zu knapp 22,46 Euro, um Steuern und Abgaben aus dem Vergütungsprogramm zu begleichen. Ein klares Signal für oder gegen die Aktie lässt sich daraus jedoch nicht ableiten, da es sich um standardisierte Vergütungsvorgänge handelt.
Was bedeutet das für Anleger der Delivery Hero-Aktie?
Mit Kursen um 20 Euro liegt die Aktie von Delivery Hero SE zwar immer noch deutlich über dem Rekordtief von unter 15 Euro aus dem Februar 2024, doch der jüngste Rückschlag bei Delivery Hero Talabat verschärft die Unsicherheit. Die Bewertung hängt nun stärker denn je an der Frage, ob das Management es schafft, profitables Wachstum mit höheren Investitionen zu verbinden – und gleichzeitig über Portfolio-Maßnahmen zusätzlichen Wert zu heben.
Solange unklar bleibt, ob sich die Talabat-Margen zeitnah erholen und wie stark die geplanten Investitionen tatsächlich auf das Konzernergebnis durchschlagen, dürften Schwankungen bei der MDAX-Aktie anhalten. Kurzfristige Trader setzen bereits wieder auf hohe Volatilität, während langfristig orientierte Investoren vor allem auf handfeste Fortschritte beim Ebitda und beim Wertsteigerungsplan warten.
Es herrscht Frustration über den Mangel an greifbaren Fortschritten – der Markt zweifelt zunehmend daran, ob das Management den wahren inneren Wert von Delivery Hero heben kann.
— Marcus Diebel, JPMorgan
Fazit
Im Fazit bleibt Delivery Hero Talabat damit der entscheidende Faktor für Stimmung und Bewertung des gesamten Konzerns. Für Anleger ist die Aktie derzeit eher ein Spiel auf eine erfolgreiche Restrukturierung und klare Portfolio-Entscheidungen. Die kommenden Monate mit möglichen Updates zur Strategie und weiteren Zahlen aus dem Nahen Osten werden zeigen, ob sich die aktuelle Skepsis in eine neue Chance aufwerten lässt.
Weiterführende Quellen
- Kursübersicht Delivery Hero SE (Xetra) (Xetra)
- Handelsdaten Talabat an der Börse Dubai (Dubai Financial Market)
- Directors’ Dealings-Mitteilungen Delivery Hero SE (EQS News)
- Delivery Hero SE bei Yahoo Finance (Yahoo Finance)