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Wacker Neuson Uebernahme: 5 Fakten zum Drama

Wie konnte die geplante Wacker Neuson Übernahme durch Doosan Bobcat so plötzlich scheitern – und was steckt wirklich dahinter? Der geplatzte Deal wirbelt Bewertung, Familienaktionäre und Zukunftsstrategie durcheinander. Welche Chancen und Risiken ergeben sich jetzt für Anleger?

Baumaschinen im Fokus nach geplatzter Wacker Neuson Uebernahme durch Doosan Bobcat
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Stand: 15:14 MEZ

Wacker Neuson Übernahme: Was ist genau passiert?

Am Donnerstagabend meldete Wacker Neuson, dass die Gespräche mit Doosan Bobcat über eine mögliche öffentliche Übernahme oder den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung nicht fortgesetzt werden. Der südkoreanische Konzern hatte zuvor geplant, rund 63 Prozent der Anteile von Großaktionären zu übernehmen und anschließend ein Barangebot an die übrigen Aktionäre zu richten. Mit diesem Schritt wäre eine umfassende Wacker Neuson Übernahme möglich gewesen.

Die Meldung beendet eine Übernahmefantasie, die den Kurs Anfang Dezember von knapp unter 19 Euro zeitweise bis auf 26,05 Euro nach oben getrieben hatte – ein Plus von bis zu 38 Prozent. Mit dem Aus des Deals verschwindet diese Prämie nun schlagartig aus dem Kurs. Auf Xetra fallen die Aktien am Freitagvormittag auf rund 18,50 Euro und liegen damit mehr als 22 Prozent unter dem Vortagesschluss von 23,75 Euro.

Warum ist der Wacker Neuson Deal mit Doosan geplatzt?

Konkrete Details zu den gescheiterten Verhandlungen nennt das Unternehmen nicht. Hinweise liefern jedoch Analystenkommentare. Stefan August von Warburg Research verweist auf Berichte aus Südkorea, wonach die Bewertungsvorstellungen der Parteien zu weit auseinanderlagen. Zudem hätten hohe Finanzierungshürden den geplanten Erwerb der Mehrheitsbeteiligung erschwert.

Parallel arbeitet Doosan an einer möglichen Übernahme des Wafer-Herstellers SK Siltron. Martin Comtesse von Jefferies sieht hierin einen weiteren möglichen Grund, warum die Wacker Neuson Übernahme letztlich scheiterte: Offensichtlich musste Doosan seine Prioritäten bei Kapitalallokation und Verschuldung neu ordnen. Comtesse erinnert zudem daran, dass bereits im Juni 2025 Übernahmegespräche und ein möglicher Ausstieg von Großaktionären bei Wacker Neuson Thema waren – es ist also schon der zweite geplatzte Deal innerhalb eines Jahres.

Wacker Neuson Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Januar 2026
Wacker Neuson (WAC) – 252-Tage-Chart

Was bedeutet das Aus der Übernahme für Aktionäre?

Mit dem Rückzug von Doosan Bobcat ist die im Dezember eingepreiste Übernahmeprämie Geschichte. Die Aktie fällt auf Niveaus zurück, die zuletzt Ende November 2025 gesehen wurden. Für Anleger bedeutet das: Die Bewertung orientiert sich wieder verstärkt an den Fundamentaldaten und an der zyklischen Baumaschinenkonjunktur, nicht an M&A-Fantasie.

Strukturell bleibt der Konzern solide aufgestellt. Wacker Neuson erzielte 2024 einen Umsatz von 2,23 Milliarden Euro bei einer operativen Marge von 5,5 Prozent. Angesichts schwächerer Konjunktur und belastender US-Zollpolitik senkte das Management um CEO Karl Tragl im November jedoch den Ausblick: Für 2025 werden Umsätze zwischen 2,15 und 2,25 Milliarden Euro sowie eine operative Marge von 6,5 bis 6,8 Prozent angepeilt. Die Marge soll also steigen, obwohl der Umsatz eher seitwärts erwartet wird.

Wie geht es mit Wacker Neuson und Familienaktionären weiter?

Die Eigentümerstruktur bleibt ein wichtiger Faktor für die weitere Kursentwicklung. Rund 15 Prozent der Anteile sind in der Wacker Familiengesellschaft mbH gebündelt, 26 Prozent hält die PIN Privatstiftung, weitere 17 Prozent die SWRW Verwaltungs-GmbH. Jefferies-Analyst Martin Comtesse hält es nach dem Scheitern der Wacker Neuson Übernahme nicht für ausgeschlossen, dass die Gründerfamilien mittelfristig einen neuen Verkaufsanlauf starten.

Kurzfristig rückt aber das operative Geschäft in den Mittelpunkt. Comtesse erwartet im Schlussquartal 2025 keine deutliche Verbesserung gegenüber dem dritten Quartal und verweist auf stark rückläufige Bestellungen aus den USA. Zusätzliche Impulse könnten mittelfristig aus dem deutschen Infrastrukturprogramm kommen, das sich seiner Einschätzung nach jedoch frühestens im zweiten Halbjahr 2026 positiv bemerkbar machen dürfte.

Der Fokus liegt nach dem Ende der Übernahmegespräche wieder klar auf der operativen Entwicklung von Wacker Neuson.
— Martin Comtesse, Jefferies
Fazit

Fundamental bleibt Wacker Neuson mit seinen Marken Wacker Neuson, Kramer, Weidemann und Enar ein breit aufgestellter Hersteller von Baggern, Radladern, Stampfern und Walzen mit rund 6.000 Mitarbeitern und langer Historie. Für Anleger steht nach dem abrupten Ende der Wacker Neuson Übernahme jetzt die Frage im Raum, ob der starke Rücksetzer eine Chance für den Einstieg in einen zyklischen Qualitätswert oder lediglich das Ende eines Übernahmehypes markiert.