Kann das aktuelle Halliburton Corporation Quartal den Kursanstieg von +4 % fundamental rechtfertigen? Starke Margen, massiver Free Cashflow und eine heikle Nordamerika-Schwäche prallen aufeinander – und dazu kommt noch die Venezuela-Fantasie.

Halliburton Quartal: Wie stark ist Q4 wirklich?
Im vierten Quartal 2025 erzielte die Halliburton Corporation einen Umsatz von 5,7 Milliarden US‑Dollar, praktisch unveraendert gegenueber dem Vorquartal. Das bereinigte operative Ergebnis lag bei 829 Millionen US‑Dollar, was einer starken Marge von 15 % entspricht. Das bereinigte Ergebnis je Aktie betrug 0,69 US‑Dollar und übertraf damit die Konsensschätzungen deutlich.
Besonders hervorzuheben im Halliburton Quartal ist der Cashflow: Aus dem operativen Geschäft flossen 1,2 Milliarden US‑Dollar, der Free Cashflow lag bei 875 Millionen US‑Dollar. Davon nutzte der Konzern 250 Millionen US‑Dollar für Aktienrueckkaeufe und führt damit seine aktionaersfreundliche Kapitalpolitik fort.
Auf Gesamtjahressicht 2025 erwirtschaftete Halliburton 22,2 Milliarden US‑Dollar Umsatz bei einer bereinigten operativen Marge von 14 %. Der operative Cashflow betrug 2,9 Milliarden US‑Dollar, der Free Cashflow 1,9 Milliarden US‑Dollar. Bemerkenswert: 85 % dieses Free Cashflows wurden an die Aktionäre zurueckgefuehrt, darunter 1 Milliarde US‑Dollar Aktienrueckkaeufe, wodurch die Aktienanzahl auf ein Zehnjahrestief sank.
Halliburton Corporation: Woher kommen Margen und Wachstum?
Im Q4-Reporting zeigte sich erneut die Stärke des internationalen Geschaefts. Die internationalen Erlöse stiegen sequenziell um 7 %, getragen von Europa/Afrika (+12 % auf 928 Millionen US‑Dollar), Nahost/Asien (+3 % auf 1,5 Milliarden US‑Dollar) und Lateinamerika (+7 % auf 1,1 Milliarden US‑Dollar). Hier profitierte Halliburton von höheren Completion-Tool-Verkaeufen in der Nordsee, Brasilien und der Karibik sowie von Softwareverkaeufen in Mexiko.
Segmentseitig erwirtschaftete der Bereich Completion & Production 3,3 Milliarden US‑Dollar Umsatz, die Marge kletterte dank starker Jahresend-Verkäufe von Completion-Tools auf 17 %. Das Segment Drilling & Evaluation kam auf 2,4 Milliarden US‑Dollar Umsatz und eine Marge von 15 %, gestützt durch höheren Wireline‑Einsatz und Softwareverkaeufe im oestlichen Hemisphaeren-Geschäft.
Dem gegenueber steht ein spuerbarer Rückgang in Nordamerika: Die Umsätze gingen sequenziell um 7 % auf 2,2 Milliarden US‑Dollar zurück, belastet von geringerer Stimulationstaetigkeit in den USA und Kanada, schwächeren Fluid-Services im Golf von Mexiko sowie weniger Well-Intervention.
Halliburton Quartal: Was bringt der Ausblick bis 2026?
CEO Jeffrey A. Miller bezeichnete 2026 als Jahr der „Rebalancierung“. Nach der Rückkehr von OPEC-Reserven und hoeherer Nicht‑OPEC-Produktion sieht er ein Umfeld mit reichlich Angebot, in dem die Nachfrage schrittweise aufholt. Für das internationale Geschäft erwartet Halliburton stabile Aktivitaet mit Umsatz „flat bis leicht steigend“, Lateinamerika mit Brasilien, Argentinien, Ecuador und Guyana gilt dabei als Wachstumstreiber. Im Nahen Osten und Asien rechnet das Management eher mit „flachen“ Verlaeufen.
In Nordamerika stellt sich das Bild duesterer dar: Für 2026 prognostiziert Halliburton einen Umsatzrueckgang im hohen einstelligen Prozentbereich. Gründe sind geringere Kundenaktivitaet, Flottenstilllegungen und Verschiebungen in Kundenprogrammen. Schon im ersten Quartal 2026 soll sich das zeigen: Completion & Production soll sequenziell 7–9 % Umsatz und rund 300 Basispunkte Marge verlieren, Drilling & Evaluation 2–4 % Umsatz und 25–75 Basispunkte Marge.
Zusätzlich belasten den Gewinn temporaer die laufenden SAP‑S/4‑Migrationen, die 2026 mit rund 40–45 Millionen US‑Dollar Aufwand pro Quartal zu Buche schlagen, bevor ab Ende 2026 jährliche Kosteneinsparungen von etwa 100 Millionen US‑Dollar erwartet werden. Die Investitionsausgaben sollen sich 2026 auf rund 1,1 Milliarden US‑Dollar belaufen, ohne einen möglichen Wiedereinstieg in Venezuela.
Halliburton Corporation: Wie groß ist die Venezuela-Chance?
Ein zentrales Thema im Halliburton Quartal war das Potenzial einer Rückkehr nach Venezuela. Nach dem politischen Machtwechsel und Diskussionen mit der US‑Regierung signalisierte Halliburton klares Interesse, in den Markt zurueckzukehren. Das Unternehmen war dort bereits seit 1938 tätig, musste sich jedoch 2019 im Zuge der Sanktionen zurueckziehen. Nun bereitet sich Halliburton offenbar auf neue Aktivitaeten vor, inklusive der Prüfung von Bewerberprofilen für lokale Positionen.
Miller betonte, Öl und Gas seien der Schlüssel zur wirtschaftlichen Erholung Venezuelas und Halliburton sei bereit, das Geschäft „ziemlich schnell“ wiederaufzunehmen, sobald kommerzielle und rechtliche Rahmenbedingungen inklusive Zahlungssicherheit stehen. Angesichts der größten Oelreserven der Welt und aktuell niedriger Foerdermengen weckt das bei Investoren Fantasie für ein signifikantes Upside über mehrere Jahre.
Institutionelle Analysten wie Citigroup oder RBC Capital Markets beobachten die Kombination aus solider Cash-Generierung, internationalem Rueckenwind und einem möglichen Venezuela‑Hebel genau und verweisen zugleich auf das Risiko eines länger anhaltenden Nachfrage- und Preisdrucks in Nordamerika.
Ich bin von der Zukunft der Oelfield-Services überzeugt und begeistert von den Chancen für Halliburton, heute und in den kommenden Jahren.— Jeffrey A. Miller, CEO Halliburton
Das Fazit zum aktuellen Halliburton Quartal faellt damit zweigeteilt aus: Operativ zeigt der Konzern robuste Margen und starken Free Cashflow, während Nordamerika kurzfristig bremst. Für Anleger bleibt Halliburton ein zyklischer Oeldienstleister mit attraktiver Kapitalrueckfuehrung und optionalem Wachstumstreiber Venezuela. Die nächsten Quartale werden zeigen, ob sich die Rebalancierung 2026 tatsaechlich in eine neue Aufwaertsphase für die Aktie verwandelt.