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Hypoport Europace: -14,7% Absturz nach Q4-Wende

Wie passt ein zweistelliges Jahreswachstum bei Hypoport Europace zu einem Kursrutsch von fast 15 Prozent bei der Hypoport SE? Der Markt reagiert auffallend nervös auf die jüngsten Plattformzahlen – doch was steckt wirklich hinter dem schwachen Q4 und was bedeutet das für die Aktie?

Hypoport Europace Zentrale mit abstrakten fallenden Finanzcharts im Vordergrund
Erwähnte Aktien
HYQ HYQ
€105.40 -14.72%
Stand: 14:45 MEZ

Wie stark wächst Hypoport Europace im Jahresvergleich?

Im Gesamtjahr 2025 legte das Transaktionsvolumen der Plattform Hypoport Europace für private Immobilienfinanzierungen um 13 Prozent auf rund 74,79 Milliarden Euro zu. Das Unternehmen spricht von einem sich zunehmend normalisierenden Marktumfeld nach den Turbulenzen durch den Zinsanstieg der vergangenen Jahre. Treiber waren vor allem Kredite für den Kauf von Bestandsimmobilien und für Neubauten; auch Refinanzierungen auslaufender Zinsbindungen entwickelten sich von sehr niedrigem Niveau aus wieder positiv. Dagegen blieb die Nachfrage nach Krediten für die energetische Sanierung von Bestandsimmobilien weiterhin verhalten.

Besonders dynamisch verlief das Geschäft über die angebundenen Plattformen der Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Das Transaktionsvolumen von Finmas wuchs 2025 um 15 Prozent auf 11,35 Milliarden Euro, Genopace sogar um 20 Prozent auf 19,56 Milliarden Euro. Damit gewannen diese Institute Marktanteile, während private Banken ihr Volumen auf Hypoport Europace im Jahresverlauf nicht steigern konnten.

Warum straft der Markt die Hypoport SE so deutlich ab?

Trotz der soliden Jahreszahlen sorgte das vierte Quartal 2025 für Ernüchterung. Zwischen Oktober und Dezember ging das auf Hypoport Europace vermittelte Volumen in der privaten Immobilienfinanzierung im Jahresvergleich um 1 Prozent auf 17,65 Milliarden Euro zurück. Damit blieb das Wachstum im Schlussquartal nicht nur aus, sondern die Plattform verlor leicht an Volumen. Marktteilnehmer werten dies als Zeichen, dass die Wachstumsraten mittlerweile hinter der Entwicklung des Gesamtmarktes zurückbleiben könnten.

An der Börse löste diese Nachricht deutliche Gewinnmitnahmen aus. Die Aktie der Hypoport SE brach am Dienstag zeitweise um mehr als 12 Prozent ein und fiel bis in den Bereich knapp über 106 Euro. Charttechnisch wurde dabei die 50-Tage-Linie klar nach unten durchbrochen, zudem entstand eine markante Kurslücke. Seit Jahresbeginn summieren sich die Verluste bereits auf deutlich über 15 Prozent, auf Sicht von fünf Jahren liegt der Titel mehr als 80 Prozent im Minus.

Hypoport SE Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Januar 2026
Hypoport SE (HYQ) – 252-Tage-Chart

Wie laufen die übrigen Plattformen von Hypoport SE?

Neben Hypoport Europace meldete das Segment Real Estate & Mortgage Platforms weitere positive Signale. Das Vertriebsvolumen von Dr. Klein Privatkunden in der Immobilienfinanzierung stieg 2025 um 13 Prozent auf 7,79 Milliarden Euro. Die VALUE AG, die Wohnimmobilien bewertet und begutachtet, kam beim Wert der Objekte auf einen Zuwachs von 18 Prozent auf 37,14 Milliarden Euro. Die durchschnittliche Zinsbindung bei Immobilienfinanzierungen lag mit 10,8 Jahren leicht unter dem Vorjahreswert von 11,0 Jahren.

Im Segment Financing Platforms verzeichnete Dr. Klein Wowi Finanz ein Plus von 17 Prozent beim vermittelten Finanzierungsvolumen auf 1,38 Milliarden Euro, vor allem im Bereich sozialer Mietwohnungsneubau und energetische Sanierung. Die digitale Verwaltungsplattform Wowi Digital steigerte die Zahl der verwalteten Nutzeinheiten um beeindruckende 56 Prozent auf 648.000. Sehr stark entwickelte sich zudem die Unternehmensfinanzierung von REM Capital, deren Geschäftsvolumen um 83 Prozent auf 2,68 Milliarden Euro wuchs, wenn auch vor dem Hintergrund einer margenschwächeren Förderkulisse.

Welcher Ausblick für Hypoport Europace und die Aktie?

Beim Ratenkreditgeschäft über Hypoport Europace blieb das Plus mit 3 Prozent auf 7,11 Milliarden Euro angesichts eines schwachen Gesamtmarktes und restriktiverer Kreditvergaben der Banken verhalten. Im Herbst hatte der Vorstand der Hypoport SE die Umsatzprognose für 2025 bereits von 640 Millionen Euro auf mindestens 600 Millionen Euro reduziert, das EBIT-Ziel jedoch bei 30 bis 36 Millionen Euro bestätigt. Der vollständige Geschäftsbericht soll am 30. März 2026 vorgelegt werden, vorläufige Zahlen sind zwei Wochen zuvor angekündigt.

Analystenhäuser wie Citigroup, RBC Capital Markets und Goldman Sachs beobachten die weitere Entwicklung genau, insbesondere ob sich aus der aktuellen Quartalsschwäche ein nachhaltiger Trend oder nur eine temporäre Delle ergibt. Entscheidend wird, ob Hypoport Europace sein zweistelliges Jahreswachstum in einem „normalisierten“ Marktumfeld halten und wieder in ein klar positives Quartalsmomentum zurückkehren kann.

Fazit

Hypoport Europace überzeugt 2025 mit starkem Jahreswachstum, doch das schwache Schlussquartal und der Kursrutsch zeigen die erhöhte Sensibilität der Anleger. Für investierte und potenzielle Aktionäre der Hypoport SE bleibt entscheidend, ob das Management im laufenden Jahr wieder kontinuierliches Plattformwachstum je Quartal liefern kann. Wer an die Skaleneffekte der digitalen Kreditmarktplätze glaubt, sollte die nächsten Zahlen von Hypoport Europace und den Geschäftsbericht Ende März genau im Blick behalten.