Wie kann das Intel Quartal gleichzeitig Gewinnsprung und Kursrutsch auslösen? Das neue Zahlenwerk zeigt starke Nachfrage, aber auch einen kritischen Engpass in der eigenen Fertigung. Was das für Anleger im KI-Zyklus bedeutet, lesen Sie hier.

Was steckt wirklich hinter dem Intel Quartal?
Im abgelaufenen Intel Quartal Q4 2025 setzte der Konzern 13,7 Milliarden US‑Dollar um, ein Rückgang von rund vier Prozent gegenüber dem Vorjahr, aber leicht über den Markterwartungen von etwa 13,4 Milliarden Dollar. Beim bereinigten Ergebnis je Aktie lieferte Intel Corporation mit 0,15 US‑Dollar deutlich mehr als die im Konsens erwarteten 0,08 US‑Dollar. Damit bestätigte der Chipriese den operativen Turnaround nach einem schwierigen Vorjahr und konnte die hohe Erwartungshaltung an die kurzfristige Profitabilität zunächst erfüllen.
Auf Segmentebene zeigte sich ein gemischtes Bild: Die für klassische PCs zuständige Client‑Computing‑Sparte erzielte 8,2 Milliarden Dollar und lag damit knapp unter den Schätzungen. Deutlich besser lief es im Bereich Data Center und KI, der auf 4,7 Milliarden Dollar Umsatz kam und die Analystenprognosen übertraf. Die Foundry‑Sparte steuerte 4,5 Milliarden Dollar bei, ein Plus von knapp vier Prozent im Jahresvergleich – ein wichtiger Baustein für die strategische Neupositionierung des Konzerns als Auftragsfertiger.
Warum fällt die Intel Aktie trotz Gewinnsprung?
Der Kurseinbruch nach dem Intel Quartal ist vor allem auf den enttäuschenden Ausblick für das erste Quartal 2026 zurückzuführen. Intel Corporation rechnet mit Erlösen zwischen 11,7 und 12,7 Milliarden US‑Dollar. Der Mittelwert liegt damit unter den Konsenserwartungen von gut 12,5 bis 12,6 Milliarden Dollar. Noch deutlicher fiel die Lücke beim bereinigten Gewinn aus: Das Management stellt lediglich ein ausgeglichenes EPS in Aussicht, während der Markt zuvor mit rund 5 bis 8 Cent je Aktie kalkuliert hatte.
Finanzchef David Zinsner betonte, dass vor allem fehlende Produktionskapazitäten und schwache Fertigungsausbeuten (Yields) die Entwicklung im ersten Quartal bremsen. Man erwarte, dass das verfügbare Angebot im Q1 seinen Tiefpunkt erreiche und sich ab Q2 stufenweise verbessere. Die Nachfrage in den Kernmärkten – insbesondere bei Rechenzentren und KI‑Workloads – gelte dagegen als robust; die Bremse liege klar auf der Angebotsseite.

Intel Quartal: Wie hart treffen KI-Lieferengpässe?
Das Intel Quartal legt offen, wie sehr der Konzern unter der eigenen Fertigung hängt. CEO Lip‑Bu Tan räumte ein, dass die Produktionsausbeuten noch nicht seinen Ansprüchen genügen und man damit Chancen im Markt verpasst habe. Hinzu kommt ein branchenweiter Engpass bei Speicherchips, der die PC‑Produktion einschränkt und damit indirekt auch die Stückzahlen von Prozessoren mit Intel‑Technologie limitiert.
Im Data‑Center‑ und KI‑Geschäft profitiert Intel Corporation zwar von einer starken Nachfrage nach x86‑CPUs als Ergänzung zu spezialisierten Beschleunigern von Wettbewerbern wie Nvidia. Gleichzeitig muss das Unternehmen aber Prioritäten setzen und Kapazitäten vorrangig in dieses margenstärkere Segment lenken. Für das klassische PC‑Geschäft bedeutet das zumindest kurzfristig zusätzlichen Druck auf die Auslieferungen.
Positiv hervorzuheben ist, dass Intel im wachstumsstarken Bereich maßgeschneiderter ASIC‑Lösungen für Cloud‑ und Netzwerkkunden weiter Boden gutmacht und bereits auf einen jährlichen Umsatzlauf von rund einer Milliarde Dollar kommt. Dieses Feld eröffnet eine zusätzliche Chance, sich gegenüber Broadcom und Marvell neu zu positionieren.
Wie bewerten Analysten das Intel Quartal jetzt?
Nach dem Intel Quartal bleibt das Lager der Analysten gespalten. Häuser wie Zacks Investment Research werten die klaren Ergebnisüberraschungen bei Umsatz und EPS im vierten Quartal positiv, verweisen aber zugleich auf die hohe Bewertung nach dem vorangegangenen Kursanstieg von über 140 Prozent binnen eines Jahres. Andere Marktbeobachter betonen, dass die nun sichtbar gewordenen Lieferengpässe das ohnehin ambitionierte Turnaround‑Narrativ auf die Probe stellen.
Im Fokus steht dabei die Frage, ob Intel Corporation seine Roadmap in der Fertigung – inklusive der 18A‑ und späteren 14A‑Technologie – ohne weitere Verzögerungen umsetzen kann. Gelingt der Kapazitätsausbau wie angekündigt ab dem zweiten Quartal, könnte das aktuelle Kursminus vor allem ein Verdauungsschlag nach der Rally sein. Bleiben jedoch operative Rückschläge oder erneute Engpässe, droht den optimistischen Langfristprognosen ein deutlicher Dämpfer.
Unsere verfügbaren Kapazitäten werden im ersten Quartal ihren Tiefpunkt erreichen, bevor sie sich im zweiten Quartal und darüber hinaus verbessern.— David Zinsner, CFO Intel
Für Anleger bedeutet das: Das Intel Quartal liefert zwar den Beweis für intakte Nachfrage und bessere kurzfristige Profitabilität, legt aber gleichzeitig die größte Schwachstelle offen – die eigene Fertigung. Die nächsten Quartale werden zeigen, ob der Konzern diesen Flaschenhals schnell genug beseitigt, um den aktuellen Bewertungsaufschlag im KI‑Zyklus zu rechtfertigen.