Der aktuelle Bitcoin Kurssturz sorgt weltweit für Nervosität an den Kryptomärkten. Nachdem BTC zeitweise deutlich unter die Marke von 70.000 US‑Dollar gefallen ist, fragen sich viele Anleger, ob jetzt der Beginn eines längeren Bärenmarkts droht – oder ob es sich nur um eine scharfe, aber letztlich gesunde Korrektur nach dem Rekordlauf der vergangenen Monate handelt. ETF-Abflüsse, Zinsängste und eine wachsende Vertrauenskrise treffen gleichzeitig aufeinander und verstärken die Abwärtsdynamik.

Wie tief reicht der aktuelle Bitcoin Kurssturz?
Die Leitwährung des Kryptomarkts hat ihre Talfahrt in dieser Woche deutlich beschleunigt. Auf der Handelsplattform Bitstamp fiel Bitcoin zeitweise auf rund 69.000 US‑Dollar, den niedrigsten Stand seit November 2024. Aktuell liegt der Kurs bei etwa 67.245 US‑Dollar und damit rund neun Prozent unter dem Vortagesschluss von 73.019 US‑Dollar (BTCUSD: -9,0 %). Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf knapp 20 Prozent, innerhalb einer Woche wurden im gesamten Kryptomarkt fast 500 Milliarden US‑Dollar an Marktkapitalisierung vernichtet.
Vom Allzeithoch oberhalb von 126.000 US‑Dollar hat Bitcoin inzwischen rund 40 bis 45 Prozent eingebüßt. Analysten sprechen von einer scharfen Korrektur, die sich charttechnisch zu einem Bärenmarkt ausgewachsen hat. Wichtige Unterstützungszonen bei 74.000 und 72.000 US‑Dollar wurden nach unten durchbrochen; Marktbeobachter sehen die nächsten markanten Bereiche nun im Umfeld der alten Rekordmarke von 2021 bei etwa 69.000 US‑Dollar sowie beim 200‑Wochen-Durchschnitt zwischen 58.000 und 60.000 US‑Dollar.
Was treibt den Bitcoin Kurssturz an?
Mehrere Faktoren verstärken sich gegenseitig. Zum einen sorgt die erwartete Ernennung von Kevin Warsh zum nächsten Fed‑Chef für Unruhe. Warsh gilt als geldpolitischer Falke, der für höhere Realzinsen und eine kleinere Fed-Bilanz steht. Die Aussicht auf weniger Liquidität stützt den US‑Dollar und belastet spekulative Anlagen wie Bitcoin. Parallel zeigte sich ein deutlicher Risk-off‑Modus an den Aktienmärkten: Der Nasdaq 100 verlor mehr als zwei Prozent, besonders zinssensitive Tech‑ und Softwarewerte gerieten unter Druck.
Zum anderen verschärfen massive Abflüsse aus US‑Spot‑Bitcoin‑ETFs den Bitcoin Kurssturz. Nach kräftigen Zuflüssen im Herbst kam es zuletzt zu wiederholten Nettoabflüssen in Milliardenhöhe, allein in einem jüngeren Zeitraum wurden über 3 Milliarden US‑Dollar Kapital aus den Produkten abgezogen. Große Adressen – darunter Miner und frühe „Whale“-Investoren – nutzen das Umfeld zudem für umfangreiche Verkäufe. On‑Chain‑Daten deuten auf eine Phase strategischer „Verkaufskampagnen“ hin, in der größere Pakete über OTC‑Desks in den Markt gegeben werden.
Wie stark ist die Vertrauenskrise bei Bitcoin?
Die jüngste Bewegung wird von Marktteilnehmern zunehmend als Vertrauenskrise beschrieben. Der vielzitierte Status von Bitcoin als „digitales Gold“ steht in Frage, da sich die Kryptowährung in den vergangenen Wochen eher wie ein hochvolatiles Tech‑Asset verhielt. In Phasen erhöhter Unsicherheit flossen Gelder verstärkt in klassische sichere Häfen wie Gold und Silber, während Bitcoin parallel deutlich verlor. Der Krypto‑Fear‑&‑Greed‑Index rutschte in den Bereich „Extreme Angst“.
Der Bitcoin Kurssturz wird zusätzlich von Derivate-Liquidationen verstärkt. Innerhalb von 24 Stunden wurden Long‑Positionen im Wert von mehreren hundert Millionen US‑Dollar zwangsliquidiert. Viele Trader waren mit hohem Hebel engagiert und wurden durch die raschen Rückgänge aus dem Markt gespült. Prediction‑Markets wie Polymarket preisen inzwischen hohe Wahrscheinlichkeiten für weitere Tiefs ein: Kontrakte signalisieren Chancen von über 70 Prozent, dass Bitcoin in diesem Jahr noch 65.000 US‑Dollar erreicht oder unterschreitet, während die Wetten auf einen schnellen Sprung zurück über 100.000 US‑Dollar deutlich an Überzeugung verloren haben.
Wie reagieren Analysten und institutionelle Anleger?
Investmentbanken wie Goldman Sachs, Morgan Stanley und Citigroup verweisen in aktuellen Kommentaren vor allem auf die gestiegene Zinsunsicherheit und die ETF‑Abflüsse als Belastungsfaktoren. RBC Capital Markets betont die enge Korrelation zwischen Bitcoin und wachstumsstarken Tech‑Aktien: Fällt der Nasdaq, geraten häufig auch Krypto‑Assets unter Druck. Gleichzeitig verweisen Häuser wie Goldman Sachs und Morgan Stanley darauf, dass die institutionelle Infrastruktur – von regulierten Börsen bis hin zu Spot‑ETFs – den Markt strukturell robuster macht als in früheren Zyklen.
Während einige Marktkommentare von einer möglichen „Todesspirale“ sprechen, sehen andere Research‑Häuser wie K33 Research beunruhigende Parallelen zu 2018 und 2022, warnen aber vor Panikverkäufen. On‑Chain‑Signale deuten bereits auf erste Akkumulationsbewegungen größerer Wallets im Bereich zwischen 60.000 und 70.000 US‑Dollar hin. Für langfristig orientierte Anleger könnte der Bitcoin Kurssturz damit eher als Test zentraler Unterstützungen denn als finales Ende des Zyklus verstanden werden.
„Wir sehen nach wie vor keinen klassischen Crash, sondern einen schleichenden Abbau von Bewertung und Risikoappetit – das birgt jedoch die Gefahr, dass sich aus der Korrektur eine echte Vertrauenskrise entwickelt.“— Shiliang Tang, Monarq Asset Management
Ob sich der Abwärtstrend fortsetzt oder eine Bodenbildung gelingt, hängt maßgeblich von der weiteren Fed‑Kommunikation, der Entwicklung der ETF‑Ströme und der Rückkehr von Vertrauen in Bitcoin als Anlageklasse ab.


