Kann der neue Microsoft KI-Chip Maia 200 zum heimlichen Gewinn-Turbo für Microsoft Corporation werden? Anleger blicken vor den nächsten Quartalszahlen gespannt auf die Kombination aus eigenen KI-Beschleunigern, milliardenschweren Cloud-Investitionen und der engen Partnerschaft mit OpenAI.

Microsoft KI-Chip Maia 200: Was steckt wirklich dahinter?
Mit dem Maia 200 bringt Microsoft Corporation die zweite Generation eines eigenen Beschleunigers für generative KI an den Start. Der Microsoft KI-Chip ist primär für das Inferencing großer Sprach- und Multimodalmodelle optimiert und soll laut Unternehmen bis zu 30 Prozent günstiger arbeiten als vergleichbare Lösungen. Eingesetzt wird Maia 200 in den eigenen Rechenzentren, um Microsoft Copilot und aktuelle OpenAI-Modelle in der Azure-Cloud zu betreiben. Damit folgt Microsoft dem Beispiel anderer Hyperscaler wie Google und Amazon, die mit eigenen Chips versuchen, Leistung zu steigern und Kosten zu kontrollieren.
Technologisch setzt Microsoft dabei auf Hochleistungsspeicher: Berichten zufolge ist SK Hynix exklusiver Lieferant von HBM3E-Speicher für den Maia 200, was die strategische Bedeutung der Hardware-Allianz unterstreicht. Gleichzeitig positioniert der Konzern den Microsoft KI-Chip klar als Alternative zu NVIDIA-GPUs – sowohl aus Kostensicht als auch mit Blick auf Lieferfähigkeit, nachdem Kapazitätsengpässe im GPU-Markt das Wachstum von Azure zuletzt gebremst hatten.
Microsoft Corporation: Was erwarten Analysten jetzt?
Am 28. Januar öffnet Microsoft Corporation die Bücher für das zum 31. Dezember 2025 abgeschlossene Quartal. Im Konsens rechnen 35 Analysten mit einem Gewinn je Aktie von rund 3,91 bis 3,92 US-Dollar, was einem Plus von gut 21 Prozent gegenüber den 3,23 US-Dollar des Vorjahreszeitraums entspricht. Der Umsatz soll laut Schätzungen von 42 Analysten auf etwa 80,3 Milliarden US-Dollar steigen – ein Zuwachs von gut 15 Prozent im Vergleich zu 69,6 Milliarden US-Dollar im Vorjahr.
Für das laufende Fiskaljahr erwarten 52 Analysten im Mittel ein EPS von 16,10 US-Dollar nach 13,64 US-Dollar im Vorjahr. Der Konzernumsatz wird auf rund 326,4 Milliarden US-Dollar taxiert, nach 281,7 Milliarden US-Dollar zuvor. Besonders im Fokus steht der Bereich Commercial Cloud: Hier werden laut Schätzungen Erlöse von über 51 Milliarden US-Dollar und Wachstumsraten um 25 Prozent erwartet, getragen von Azure, KI-Diensten und SaaS-Produkten wie Microsoft 365.
Gleichzeitig beobachten Investoren die Margenentwicklung genau, denn die Milliardeninvestitionen in neue Rechenzentren und KI-Infrastruktur drücken kurzfristig auf die Profitabilität. Microsoft hat bereits signalisiert, dass die Sachinvestitionen (CapEx) im Geschäftsjahr 2026 noch einmal über dem ohnehin hohen Vorjahreswert von 88,2 Milliarden US-Dollar liegen sollen.

Wie treiben KI und OpenAI das Azure-Wachstum an?
Die strategische Bedeutung des Microsoft KI-Chip Maia 200 erschließt sich vor allem im Kontext der KI-Plattform des Konzerns. Microsoft hat insgesamt rund 13 Milliarden US-Dollar in OpenAI investiert und zudem mehr als 20 weitere KI-Start-ups finanziert. Kern der Wachstumsstory bleibt die Azure-Cloud, die ihre Rolle als weltweite Nummer 2 im Infrastrukturmarkt mit KI-Diensten ausbaut. Azure-Wachstumsraten von nahe 40 Prozent (währungsbereinigt) wurden zuletzt maßgeblich von generativer KI und großen Sprachmodellen getrieben.
Für die nun anstehenden Zahlen richten sich die Blicke der Wall Street besonders auf die Remaining Performance Obligations (RPO), also den Auftragsbestand aus noch nicht vereinnahmten Vertragsumsätzen. Nach 392 Milliarden US-Dollar im Vorquartal erwarten Analysten wie Brent Thill von Jefferies einen deutlichen Sprung, unter anderem durch einen langfristigen Compute-Deal mit OpenAI sowie eine umfangreiche Azure-Vereinbarung mit Anthropic. Ein kräftiger Anstieg der RPO würde die These stützen, dass KI-Workloads Microsoft über Jahre hohe, gut planbare Cloud-Umsätze sichern.
Analystenhäuser wie UBS, Wedbush oder TD Cowen betonen in ihren aktuellen Einschätzungen, dass sich die Bewertung von Microsoft Corporation trotz Kursrückgang der vergangenen Monate vor allem über die künftigen Erlöse aus KI und Cloud rechtfertigen muss. UBS hat zwar jüngst das Kursziel von 650 auf 600 US-Dollar reduziert, bleibt aber bei einer positiven Einstufung. Wedbush rechnet mit einem weiteren “robusten” Quartal und sieht Microsoft als Kernprofiteur des KI-Zyklus, während TD Cowen kurzfristig mit einer eher seitwärts laufenden Aktie rechnet, solange Kapazitätsengpässe das Wachstum deckeln.
Microsoft KI-Chip: Was bedeutet das für Bewertung und Chart?
An der Börse notiert die Aktie von Microsoft Corporation aktuell bei rund 480,89 US-Dollar und liegt damit nahe ihrem Rekordniveau, obwohl der Kurs in den letzten drei Monaten zeitweise um etwa zwölf Prozent nachgegeben hatte. Charttechnisch hatte die Aktie zwischenzeitlich an ihrer 200-Tage-Linie einen kritischen “Make-or-Break”-Punkt erreicht, bevor sie sich zuletzt wieder erholen konnte. Mit einem erwarteten KGV von etwa 25 auf Basis der Gewinnschätzungen für das kommende Jahr wird Microsoft unter seinem durchschnittlichen Forward-Multiple der vergangenen fünf Jahre gehandelt.
Für viele institutionelle Investoren – etwa große Tech-Fonds und ESG-ETFs – bleibt Microsoft aufgrund seiner starken Bilanz, diversifizierten Ertragsbasis und der führenden Position in Cloud und KI ein Kerninvestment. Der Microsoft KI-Chip Maia 200 könnte sich dabei zum stillen Hebel für Margenverbesserungen entwickeln: Gelingt es, die Kosten pro KI-Transaktion spürbar zu senken und zugleich die Abhängigkeit von NVIDIA zu reduzieren, stärkt das langfristig die Profitabilität der Azure-Plattform.