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Microsoft Quartal: -12,1% Absturz nach KI-Boom

Wie kann die Microsoft Corporation Rekordzahlen melden – und die Aktie stuerzt trotzdem um über 12 % ab? Im neuen Microsoft Quartal prallen KI-Boom, Azure-Wachstum und explodierende Investitionen frontal aufeinander.

Microsoft Quartal mit starkem Azure-Wachstum und KI-Investitionen im Rechenzentrum
Erwähnte Aktien
MSFT Microsoft
$423,48 -12.10%
Stand: 17:30 MEZ

Microsoft Quartal: Chance oder Kursabsturz?

Im jüngsten Microsoft Quartal stieg der Umsatz währungsbereinigt um rund 15 % auf etwa 81,3 Milliarden US-Dollar, das Ergebnis je Aktie kletterte auf 4,14 US-Dollar und lag damit klar über den Erwartungen. Die Cloud-Sparte erreichte erstmals die Marke von mehr als 50 Milliarden US-Dollar Quartalsumsatz. Operativ liefert Microsoft Corporation damit weiterhin Wachstum auf hohem Niveau und profitiert sichtbar vom KI-Schub in Azure und im Software-Portfolio.

An der Börse dominiert dennoch die Enttäuschung: Die Aktie rauscht nach den Zahlen zeitweise um über 11 % in die Tiefe und notiert aktuell bei 423,48 US-Dollar, ein Rückgang von 12,10 % zum Vortag. Ausschlaggebend sind vor allem das nur leicht nachlassende, aber hochkritisch beäugte Azure-Wachstum und der aggressive Anstieg der Investitionsausgaben.

Azure wuchs im Jahresvergleich um 38–39 %, nach knapp 40 % im Vorquartal. Für sich genommen bleibt das ein hohes Tempo, doch der Markt hatte auf eine Beschleunigung durch KI-Effekte spekuliert. Stattdessen deutet sich eine langsame Normalisierung an – bei gleichzeitig explodierenden Kosten.

Microsoft: Wie teuer wird der KI-Vorsprung wirklich?

Im Fokus steht die Kapitalintensität des KI-Kurses. Die Investitionsausgaben (CapEx) von Microsoft Corporation schnellten im jüngsten Microsoft Quartal um rund 66 % nach oben und erreichten fast 38 Milliarden US-Dollar. Ein Großteil fließt in Rechenzentren, GPUs und Speicher, um die Kapazitätsengpässe in Azure und im OpenAI-Geschäft zu entschärfen. Parallel steigen die Preise für Speicherchips wie DRAM und NAND, was die Cloud-Margen zusätzlich belastet.

Analysten wie Rishi Jaluria von RBC Capital Markets verweisen darauf, dass die CapEx-Dynamik deutlich über dem Wachstum der Cloud-Umsätze liegt und kurzfristig auf die freien Cashflows drückt. Zugleich weist das Management darauf hin, dass Azure eigenen Angaben zufolge über 40 % gewachsen wäre, wenn alle verfügbaren GPUs sofort hätten eingesetzt werden können. Das unterstreicht zwar die enorme Nachfrage, erklärt aber nicht, wann sich die gigantischen Ausgaben in nachhaltig höheren Margen niederschlagen.

Im Vergleich zu Meta, das für seine massiven KI-Investitionen zunächst mit Kursgewinnen belohnt wurde, wird Microsoft Corporation aktuell abgestraft. Der Markt ringt um eine Neubewertung: Hoher KI-Hebel ja – aber zu welchem Preis und mit welchem Zeithorizont für den Return on Investment?

Microsoft Corporation Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Januar 2026
Microsoft Corporation (MSFT) – 252-Tage-Chart

Microsoft und OpenAI: Wie gross ist das Klumpenrisiko?

Ein zentrales Thema im Microsoft Quartal ist die Rolle von OpenAI. Rund 45 % des kommerziellen Cloud-Auftragsbestands von mehr als 600 Milliarden US-Dollar entfallen inzwischen auf den ChatGPT-Entwickler und verbundene KI-Workloads. OpenAI trägt bereits Milliarden zum Nettoergebnis von Microsoft Corporation bei, doch zugleich muss Microsoft den Großteil der benötigten Infrastruktur vorfinanzieren.

Parallel laufen Gespräche über eine neue Mega-Finanzierungsrunde von bis zu 100 Milliarden US-Dollar, in deren Rahmen NVIDIA, Amazon und Microsoft zusammen zwischen 40 und 60 Milliarden US-Dollar in OpenAI investieren könnten. Microsoft, das bereits rund 27 % an OpenAI hält, dürfte dabei erneut mehrere Milliarden bereitstellen, um seinen strategischen Vorsprung im KI-Ökosystem zu sichern.

Für Investoren wirft diese enge Verflechtung Fragen auf: Wie stabil ist ein Geschäftsmodell, das stark von einem einzelnen, noch immer nicht profitablen Partner abhängt? Und wie hoch ist das Risiko einer „Kreislauffinanzierung“, bei der Microsoft OpenAI Infrastruktur bereitstellt, Gewinne verbucht, aber zugleich immer neue Mittel nachschießen muss?

Microsoft Aktie: Wie reagieren Analysten und Anleger?

Das Microsoft Quartal spaltet die Analystenszene. Häuser wie Citigroup und RBC Capital Markets verweisen auf das weiterhin robuste Wachstum im Cloud- und KI-Geschäft und sehen den Kursrückgang eher als Bewertungskorrektur nach einer starken Rally. Andere Beobachter, etwa bei Seeking Alpha, heben dagegen die nicht offensichtlichen Risiken hervor: sinkende Konzernmargen durch hardwarelastige KI-Infrastruktur, langfristig unterschätzte Erneuerungsinvestitionen in GPUs und die starke OpenAI-Konzentration im Orderbuch.

Charttechnisch nähern sich die Aktien von Microsoft Corporation wichtigen Unterstützungszonen um 425 US-Dollar. Einige Marktteilnehmer sehen bei Rücksetzern in den Bereich von 385 bis 400 US-Dollar potenzielle Einstiegsgelegenheiten für langfristig orientierte Anleger, sofern sich die KI-Strategie operativ auszahlt.

Fazit

Das aktuelle Microsoft Quartal zeigt ein Spannungsfeld aus beeindruckendem KI-Wachstum und massiv steigenden Kosten. Für Anleger bleibt Microsoft Corporation ein KI-Schwergewicht mit strukturellem Rückenwind, doch der Markt verlangt nun klare Beweise, dass Azure, OpenAI und Co-Pilot die Rekordinvestitionen mittelfristig in höhere Margen und Cashflows drehen. Die kommenden Quartale werden entscheiden, ob der heutige Kursrückgang eine Chance oder eine Vorwarnung für ein länger anhaltendes Repricing der KI-Euphorie ist.