DIE 5 WICHTIGSTEN STORYS
Micron Technology (MU) – Wie stark traegt der Speicherboom die naechste KI-Welle?
Micron Technology (MU) hat mit einem Kurssprung von ueber +10% ein neues Ausrufezeichen im KI-Sektor gesetzt und den gesamten Halbleitermarkt mit nach oben gezogen. Das Unternehmen meldete ein “monstroeses” Quartal mit Rekord-Bruttomargen und extrem hohen Gewinnen und hat seinen Aktienkurs seit Jahresbeginn damit nahezu verdreifacht (+195%). Besonders beeindruckend fiel der Ausblick aus: Die Umsatzprognose fuer das laufende Quartal liegt mehr als 30% ueber den bisherigen Markterwartungen, was die boersenseitigen Sorgen vor einer KI-Abkuehlung deutlich daempft. CEO Sanjay Mehrotra betonte, dass Micron derzeit nur rund die Haelfte bis zwei Drittel der Nachfrage wichtiger Schluesselkunden bedienen kann – ein klares Indiz fuer massive Angebotsengpaesse. Diese Knappheit ermoeglicht es dem Speicher-Spezialisten, die Preise fuer DRAM und insbesondere High-Bandwidth-Memory (HBM) spuerbar anzuheben.
Der Boom im HBM-Bereich, der als Schluesselkomponente fuer KI-Beschleuniger und moderne Rechenzentren gilt, macht Micron zu einem der zentralen Profiteure des laufenden Technologie-Investitionszyklus. Der starke Quartalsbericht loeste einen Anstieg des Philadelphia Semiconductor Index (SOX) um rund 2,5–2,6% aus und stuetzte damit KI-Schwergewichte weltweit – bis hin zum S&P 500, der dank Micron seine viertaegige Verlustserie beendete. Gleichzeitig profitieren auch die Ausruester der Speicherindustrie wie Applied Materials, KLA und Lam Research, da die Engpaesse nur mit massiven Investitionen in neue Produktionskapazitaeten aufgeloest werden koennen. Mehrotra rechnet damit, dass die Knappheit bei HBM-Speichern ueber das Jahr 2026 hinaus anhalten wird, was fuer anhaltend hohe Preise und Margen spricht. Fuer klassische Hardware-Hersteller wie Dell, HP und teilweise Apple hat der Preisdruck bei Speicher allerdings eine Kehrseite: Steigende Inputkosten ducken dort auf die Margen.
Analysten sehen in den Zahlen einen klaren Beweis, dass der KI-Boom real und nachhaltiger ist, als manche juengste Korrektur vermuten liess. Die Kombination aus Rekordumsatz, hohen Bruttomargen, starkem EPS und einem deutlich verbesserten freien Cashflow laesst neue Kursziele von 250 bis 350 Dollar zu, in Spitzenfaellen sogar bis 500 Dollar, plausibel erscheinen – bei einem weiterhin moderaten KGV von nur etwa 10 bis 12. Der Markt nutzt Micron mittlerweile als Barometer fuer die Gesundheit des globalen Halbleitermarktes und die Tiefe des KI-Zyklus: Solange das Unternehmen Nachfrage und Preise nach oben ueberrascht, duerften auch andere Speicher- und KI-Werte Rueckenwind behalten. Zugleich mahnen Stimmen wie Jim Cramer, dass Titel mit klaren Cashflows – wie Micron – im aktuellen KI-Hype den oft intransparent finanzierten Infrastrukturwetten vorzuziehen seien. Damit rueckt die Aktie zunehmend in die Rolle eines Kerninvestments fuer Anleger, die am KI-Trend partizipieren wollen, ohne sich ausschliesslich auf GPU-Schwergewichte wie NVIDIA zu verlassen.
FedEx (FDX) – Wie wird der Logistiker zum Herzschlag der KI-Oekonomie?
FedEx (FDX) hat im zweiten Fiskalquartal die Gewinnerwartungen klar uebertroffen und zugleich das untere Ende seiner Jahresprognose fuer Umsatz und Gewinn angehoben. Der bereinigte Gewinn pro Aktie lag mit 4,82 Dollar deutlich ueber den erwarteten 4,11–4,12 Dollar, waehrend der Umsatz auf 20,4–23,5 Milliarden Dollar stieg und die operativen Margen solide bei rund 6,9% lagen. Treiber sind ein hoeheres inlaendisches Paketvolumen, starke Preissetzungsmacht und das konsequente Kostensenkungsprogramm, mit dem bereits 4 Milliarden Dollar eingespart wurden und eine weitere Milliarde bis 2026 angepeilt ist. Parallel schreitet der geplante Spin-off der Frachtsparte FedEx Freight voran, der bis Mitte 2026 abgeschlossen sein soll. Analysten sehen FedEx als klassische “Self-Help-Story”, die auch ohne starken makrooekonomischen Rueckenwind über operative Hebel wachsen kann.
Strategisch positioniert sich FedEx zudem immer staerker als kritische Infrastruktur fuer den globalen KI-Boom. Rund 66% des Umsatzes stammen inzwischen aus dem B2B-Geschaeft, wobei das Unternehmen in vertikalen Maerkten wie Gesundheitswesen, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und vor allem beim Transport von Spezialkomponenten fuer Rechenzentren Marktanteile gewinnt. CEO Raj Subramaniam bezeichnet FedEx als “Herzschlag der industriellen Wirtschaft” und verweist auf das globale Netzwerk, mit dem hunderttausende spezialisierte Teile fuer neue KI-Rechenzentren inklusive Zollabwicklung effizient bewegt werden. Gleichzeitig passt der Konzern angesichts veraenderter Handelsmuster – weniger Verkehr China–USA, mehr Intra-Asien-Handel und boomender Austausch zwischen Mexiko und den USA – flexibel seine Kapazitaeten an und baut neue Routen und Hubs (u.a. in Singapur, Dublin, Riad, Bangalore, Istanbul) auf. Diese Kombination aus striktem Kostenmanagement, wachsendem B2B-Fokus und der Rolle als logistisches Rueckgrat der KI-Infrastruktur macht FedEx aus Sicht vieler Analysten zu einem Kernindikator fuer die Gesundheit der Realwirtschaft im Jahr 2026.
Fujikura – Wie treibt der KI-Datenzentrum-Boom Japans Kabelchampion in die Hoehe?
Die Aktien des japanischen Kabelspezialisten Fujikura haben sich in den vergangenen zwei Jahren um ueber 1.300% vervielfacht – angetrieben vom globalen Ausbau von KI-Rechenzentren. Das Unternehmen liefert Spezialkabel, die fuer die extrem bandbreitenintensiven Verbindungen innerhalb moderner Data-Center notwendig sind, und kommt mit der Produktion kaum hinterher. Ein besonders markanter Wachstumstreiber ist ein Auftrag im Volumen von 20 Milliarden Dollar aus den USA, der den Ausbau neuer Kapazitaeten finanziell absichert. Parallel schafft die Zinswende der Bank of Japan, die den Leitzins auf 0,75% und damit auf das hoechste Niveau seit 1995 angehoben hat, ein neues Zinsumfeld fuer japanische Wachstumswerte.
Obwohl die Renditen zehnjaehriger japanischer Staatsanleihen erstmals seit 2006 ueber 2% gestiegen sind, betont Gouverneur Ueda, dass die realen Zinsen aufgrund der anhaltenden Inflation weiterhin deutlich negativ und die finanziellen Bedingungen insgesamt akkommodierend bleiben. Fuer Firmen wie Fujikura bedeutet dies, dass sie trotz Hoeherzinspolitik weiterhin relativ guenstig investieren koennen, waehrend die enorme globale Nachfrage nach KI-Infrastruktur fuer strukturelles Wachstum sorgt. Investoren beobachten nun genau, ob die BoJ 2026 ein bis zwei weitere Zinsschritte folgt und wie sich dies auf die Bewertungsniveaus der japanischen Tech- und Infrastrukturwerte auswirkt. Vor diesem Hintergrund bleibt Fujikura ein Symbol dafuer, wie stark sich die KI-Welle mittlerweile in die industrielle Basis und die klassische Hardware-Lieferkette hineinfrisst.
Nike (NKE) – Wie gefaehrlich ist der China-Schock fuer den Sportartikelsektor?
Nike (NKE) hat im zweiten Geschaeftsquartal zwar bei Umsatz und Gewinn die Analystenerwartungen uebertroffen, doch ein schwacher Ausblick und insbesondere ein Einbruch im China-Geschaeft schickten die Aktie nachboerslich rund 10% auf Talfahrt. Der Umsatz lag bei 12,4–12,43 Milliarden Dollar, der Gewinn pro Aktie bei 0,53 Dollar (erwartet: 0,38 Dollar), doch die Bruttomarge blieb mit 40,6% aufgrund hoher Rabatte zum Lagerabbau unter Druck. In China verfehlte Nike die Erwartungen deutlich: Das EBIT lag mit 191 Millionen Dollar klar unter den prognostizierten 335 Millionen Dollar, der Umsatz in der Region brach um etwa 16–17% ein – deutlich schlechter als die befrchteten minus 9%. Zusaetzlich machen steigende Zoelle auf Importe aus Vietnam und ein Rueckgang der Erloese im Direct-to-Consumer-Kanal (DTC), wo die eigenen digitalen Umsaetze um 14% sanken, dem Konzern zu schaffen.
Der neue CEO Elliott Hill steht damit vor der Aufgabe, Nike von einer stark Lifestyle-orientierten Positionierung wieder mehr in Richtung Performance- und Sportfokus zu drehen und gleichzeitig die Problembereiche China und DTC zu stabilisieren. Positiv ist, dass das Nordamerika-Geschaeft und der Grosshandelskanal mit einem Wachstum von rund 8,7% die Resilienz des US-Konsumenten unterstreichen, doch an der Boerse dominiert vorerst die Sorge um den wichtigsten asiatischen Wachstumsmarkt. In “Sippenhaft” geraten auch Wettbewerber: Puma und Adidas stehen vorboerslich bzw. im fruehen Handel unter Druck, weil Investoren uebertragen, dass die chinesische Nachfrageschwaeche sektorweit wirken koennte. Technisch bleibt die Nike-Aktie im Abwaertstrend und steuert laut Analysten auf eine wichtige Unterstuetzung im Bereich von rund 50 Dollar zu, wo sich entscheiden duerfte, ob der Markt eine schnelle operative Wende zutraut.
Trump Media (DJT) & Cannabis – Wie mischen Politik-Hypes die Maerkte auf?
Die Aktien der Trump Media & Technology Group (DJT), dem Unternehmen hinter “Truth Social”, sprangen zeitweise um knapp 42% nach oben, nachdem eine Fusion mit dem Kernfusions-Entwickler TAE Technologies im Volumen von ueber 6 Milliarden Dollar bekanntgegeben wurde. Mit dem All-Stock-Deal vollzieht Trump Media einen radikalen Strategiewechsel von einem Social-Media-Konzern hin zu einem spekulativen Energie-Play, das vom extrem steigenden Strombedarf der KI-Rechenzentren profitieren will. Das kombinierte Unternehmen plant, bereits im kommenden Jahr mit dem Bau eines Kernfusionskraftwerks im Versorgungsmassstab zu beginnen und bis 2031 kommerziell Strom zu liefern – ein Zeitplan, den Experten als “ausserordentlich optimistisch” einstufen. Hintergrund ist, dass Kernfusion bislang nur in kleinem Massstab in Laboren gelang, wissenschaftliche Durchbrueche fuer eine sichere Skalierung fehlen und die Nuclear Regulatory Commission (NRC) noch keinen vollstaendigen Regulierungsrahmen fuer diese Technologie geschaffen hat.
Parallel sorgte eine weitere politische Entscheidung fuer Bewegung in einem ganz anderen Sektor: Praesident Donald Trump unterzeichnete eine Exekutivverordnung, die das Justizministerium anweist, Cannabis von Schedule I in die weniger restriktive Kategorie Schedule III umzustufen. Dies stellt zwar keine Legalisierung auf Bundesebene dar, wuerde aber den medizinischen Nutzen offiziell anerkennen und vor allem steuerliche Erleichterungen bringen, weil Unternehmen in der Branche dann wieder Geschaeftsausgaben absetzen koennten. Am Markt kam es nach der lang erwarteten Meldung zu einem klassischen “Sell-the-News”: Viele Cannabis-Aktien, die im Vorfeld stark gestiegen waren, gerieten unter Gewinnmitnahmen unter Druck. Die Entwicklung unterstreicht, wie stark politische Signale – von Nuklearreformen in Indien ueber Cannabis-Neueinstufungen bis hin zu Fusionsplaenen bei Trump Media – als Katalysatoren fuer teils extreme Kursbewegungen in Nischen- und Hype-Sektoren dienen koennen.