WAS HEUTE WICHTIG WAR
Nike (NKE) – Wie hart trifft der Ausblick die Aktie?
Nike (NKE, $58,82, -10,54%) brach heute zweistellig ein und war damit der schwächste Wert im Dow, nachdem der Sportartikelriese einen überraschend pessimistischen Ausblick vorgelegt hat. Das Management erwartet für das dritte Quartal einen Umsatzrückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich und rechnet zudem mit einem Margenrückgang von rund 175 bis 225 Basispunkten, was die Hoffnungen auf eine schnelle Erholung der Profitabilität deutlich dämpft. Besonders kritisch sehen Anleger, dass Nike trotz eines robusten Konsums in den USA offensichtlich stärker unter Regionalschwächen und Margendruck leidet als viele Wettbewerber.
Analysten verweisen jedoch darauf, dass das Geschäft in Nordamerika zuletzt solide lief, während vor allem anhaltende Schwäche in China auf den Zahlen lastet. Laut Einschätzungen aus dem Markt war die Nachfrage in den USA und Kanada besser als befürchtet, was zeigt, dass die Marke bei den Kernkunden nach wie vor stark ist. Gleichzeitig verstärken die enttäuschenden China-Verkäufe aber die Sorge, dass Nike in seinem lange wichtigsten Wachstumstreiber strukturelle Probleme hat und aggressiver in Marketing und Produktinnovationen investieren muss.
Im Handel sprechen einige Strategen davon, dass die Aktie nun in einer Phase der „Price Discovery“ ist, in der der Markt erst ein neues Bewertungsniveau finden muss. Experten wie Jeff Kilburg von KKM Financial raten vorerst zur Zurückhaltung, solange unklar ist, wie stark die Margen in den kommenden Quartalen tatsächlich unter Druck geraten. Für mittelfristig orientierte Anleger könnte der Kursrutsch zwar eine Chance darstellen, doch die Unsicherheit um China, Margen und Lagerbestände bleibt hoch – und könnte für weitere Schwankungen bei Nike sorgen.
Nvidia (NVDA) und Oklo (OKLO) – Trägt die AI-Rally bis 2026?
Die AI‑Hausse trieb heute erneut vor allem Infrastruktur- und Halbleiterwerte: Nvidia (NVDA, $180,95, +3,93%) setzte ihren beeindruckenden Lauf 2025 fort und liegt seit Jahresbeginn rund +32% vor dem Markt, während Oklo (OKLO, $83,38, +7,09%) als Nuklear-Newcomer von der Suche nach sauberer AI‑Energie profitiert. Nvidia überzeugt mit einem Marktwert von rund $4,3 Billionen, einem starken Ökosystem rund um die eigene CUDA-Plattform und einem Q3-Umsatzsprung von +62% auf $57 Milliarden, getrieben von Blackwell‑Data‑Center‑Chips und der anstehenden Rubin‑Generation für AI‑Videogenerierung ab 2026. Parallel legten weiche Inflationsdaten und starke Zahlen von Micron Technology den Grundstein für eine erneute Rally in AI‑sensitiven Sektoren wie Kernenergie und High-End-Chips.
Gleichzeitig mehren sich aber die Warnsignale: Nvidia erzielt mit konzernweiten Bruttomargen von über 70% Preisniveaus, die Kunden auf Dauer kaum hinnehmen werden, zumal Großabnehmer wie Alphabet, Amazon und OpenAI zunehmend auf eigene ASIC‑Lösungen setzen und letztere Milliardendefizite anhäuft. Bei Oklo sehen Analysten zwar riesiges Potenzial als künftiger Energiezulieferer für AI‑Rechenzentren, verweisen aber auf frühzyklische Risiken: Das Unternehmen ist noch pre‑revenue, steht vor langen Genehmigungsprozessen und könnte seine ehrgeizigen Pläne nur über weitere Kapitalerhöhungen finanzieren müssen. Trotzdem zeigt der heutige Kurssprung von Oklo und der anhaltende Erfolg von Nvidia, dass Anleger die AI‑Infrastruktur‑Story bislang klar über die langfristigen Profitabilitätsrisiken stellen.
Nebius Group (NBIS) – Wird der Neocloud-Pionier ein Übernahmeziel?
Nebius Group (NBIS, $89,80, +14,56%) schoss heute zweistellig nach oben, obwohl die Aktie seit ihren Oktober-Höchstständen bereits rund 45% korrigiert hat. Der europäische AI‑„Neocloud“-Anbieter profitiert von einem breiten Rebound im Segment, nachdem Analysten die anhaltend hohe Nachfrage nach AI‑Compute betont und Finanzierungsängste um die Branche etwas relativiert haben. Rückenwind kam auch von einer Kaufempfehlung der Citi für den Wettbewerber CoreWeave, deren positive Einschätzung für AI‑Rechenzentren die Stimmung für die gesamte Peer‑Group hob.
Besonders Fantasie lösten Kommentare von Wedbush‑Analyst Dan Ives aus, der Nebius als wahrscheinlichsten Übernahmekandidaten unter den großen Neoclouds für 2026 einstufte – etwa für Hyperscaler wie Amazon oder Microsoft. Trotz eines Kursanstiegs von rund +220% im laufenden Jahr bleibt die Investmentstory damit eine Wette auf anhaltend explosive Nachfrage nach AI‑Rechenleistung, begrenzte Flächen- und Stromkapazitäten sowie die Nutzungsdauer teurer GPUs. Anleger müssen sich allerdings auf extreme Volatilität einstellen, denn die Branche hängt stark von der Finanzierung der Kunden und der weiteren Entwicklung des AI‑Marktes ab.
Rivian (RIVN) – Reicht der R2 und ein eigener AI-Chip für die Wende?
Rivian (RIVN, $22,45, +10,70%) legte den zweiten Tag in Folge zweistellig zu, nachdem gleich zwei Wall-Street-Häuser ihre Kursziele deutlich angehoben haben. Sowohl Baird als auch Wedbush trauen der Aktie nun bis zu $25 zu und verweisen vor allem auf den geplanten Marktstart des günstigeren R2-SUV im ersten Halbjahr 2026. Zusätzlich sorgt die Entwicklung eines eigenen AI‑Chips und das Ziel, mittelfristig autonomes Fahren zu ermöglichen, für zusätzliche Umsatzfantasie über Software- und Serviceerlöse.
Dennoch bleiben Zweifel, ob das Wachstumstempo der vergangenen Quartale zu halten ist, zumal ein Teil des Nachfragebooms 2025 durch den Auslauf der US‑Steuerförderung für Elektrofahrzeuge vorgezogen sein dürfte. Kritische Beobachter warnen, dass die starken Q3‑Zahlen durch einen „Last‑Minute‑Rush“ verzerrt sein könnten und in den Folgequartalen ein Dämpfer droht. Entscheidend wird nun, ob Rivian 2026 trotz schwächerer Förderkulisse steigende Stückzahlen, sinkende Produktionskosten und eine bessere Bruttomarge liefern kann – sonst könnte die aktuelle Rally schnell wieder drehen.
US-Aktienmarkt – Bleibt die Santa-Rally trotz höherer Renditen intakt?
Die großen US‑Indizes setzten heute ihre Jahresendrally fort: Der S&P 500 gewann +0,97%, der Nasdaq 100 zog um +1,40% an, während der Dow etwas langsamer nach oben lief. Gestützt wurde der Markt vor allem von Cloud- und AI‑Infrastrukturwerten wie Oracle, CoreWeave, Nebius Group (NBIS, $89,80, +14,56%) sowie von starken Halbleitern rund um Micron Technology, Advanced Micro Devices und Nvidia (NVDA, $180,95, +3,93%). Historische Muster spielen den Bullen in die Karten: Laut Daten von Citadel Securities ist der S&P 500 in rund 75% der Fälle in den letzten beiden Dezemberwochen gestiegen.
Auf der Makroseite sorgte eine Mischung aus soliden US‑Immobiliendaten, einem leicht eingetrübten Verbrauchervertrauen und ermutigenden Kommentaren von New-York-Fed-Präsident John Williams für Rückenwind, auch wenn die Rendite der zehnjährigen US‑Staatsanleihe wieder auf etwa 4,14% anzog. Zusätzliche Volatilität brachte der sogenannte „Triple Witching Day“, an dem Optionen und Futures in Rekordhöhe verfielen und viele Investoren ihre Positionen neu ausrichteten. Trotz höherer Renditen und vereinzelter Gewinnwarnungen – etwa bei Nike (NKE, $58,82, -10,54%) und Lamb Weston – bleibt die Santa‑Rally damit vorerst intakt.