Das aktuelle Qualcomm Quartal liefert Rekordzahlen bei Umsatz und Gewinn – dennoch bricht die Aktie nachbörslich deutlich ein. Anleger fragen sich nun, wie stark der Memory-Engpass den Ausblick belastet und ob Wachstumstreiber wie Automotive, IoT und KI den Gegenwind im Smartphone-Geschäft ausgleichen können.

Qualcomm Quartal: Was steckt hinter den Rekordzahlen?
Qualcomm Incorporated meldet für das erste Fiskalquartal 2026 einen Rekordumsatz von rund 12,3 Milliarden US‑Dollar. Damit liegt das Unternehmen leicht über den Konsensschätzungen von etwa 12,2 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie (Non‑GAAP EPS) erreicht 3,50 Dollar und übertrifft damit die erwarteten 3,41 Dollar. Im regulären Handel schloss die Aktie bei 148,89 US‑Dollar (+1,16 %), fiel aber im nachbörslichen Handel zeitweise zweistellig.
Treiber des starken Qualcomm Quartal waren vor allem das operative Kerngeschäft QCT mit 10,6 Milliarden Dollar Umsatz sowie eine robuste Nachfrage nach Premium‑Smartphones. Das Handset-Segment steuerte 7,8 Milliarden Dollar bei, ein Plus von rund 3 % im Jahresvergleich. Besonders erfreulich: Die QCT-Ebit-Marge kletterte auf 31 % und lag damit über der langfristigen Zielmarke von 30 %, was auf eine hohe Preissetzungsmacht im Premiumsegment hinweist.
Auch das Lizenzgeschäft QTL zeigte Stärke: Mit 1,6 Milliarden Dollar Umsatz und einer EBITDA-Marge von 77 % blieb der Bereich am oberen Ende der internen Spanne. Dennoch konnte der Gewinnanstieg von 3 % beim bereinigten EPS den Markt nicht beruhigen, da Investoren den Fokus sofort auf den Ausblick richteten.
Qualcomm Incorporated: Wie stark belastet der Memory-Engpass?
Das Problem im Qualcomm Quartal liegt nicht in der aktuellen Nachfrage, sondern in der Versorgungskette. Das Management macht klar, dass die globale Knappheit bei DRAM und anderen Speichern künftig die Anzahl produzierbarer Smartphones begrenzen dürfte. Hintergrund ist die stark steigende Nachfrage nach High Bandwidth Memory (HBM) für KI-Rechenzentren, welche Produktionskapazitäten von klassischen Handset-Speichern abzieht.
CEO Cristiano Amon betont, dass die Lücke zwischen der eigenen Prognose und den bisherigen Markterwartungen vollständig auf diese Speicherproblematik zurückzuführen sei. Viele Smartphone-Hersteller – insbesondere in China – reduzierten derzeit ihre Build-Pläne und bauten Lagerbestände ab, weil Speicher teurer und knapper wird. Finanzchef Akash Palkhiwala spricht sogar von einem „negativen Bias“ bei den Stückzahlen, sprich: Qualcomm rechnet mit eher niedrigeren Volumina im Handset-Geschäft als in der Vergangenheit.
Für das zweite Fiskalquartal erwartet Qualcomm Incorporated nun einen Umsatz zwischen 10,2 und 11 Milliarden Dollar. Die Spanne liegt damit klar unter den Analystenschätzungen von rund 11,1 bis 11,2 Milliarden Dollar. Beim bereinigten EPS rechnet der Konzern mit 2,45 bis 2,65 Dollar, während der Konsens zuvor bei bis zu 2,87 bis 2,89 Dollar gelegen hatte. Besonders betroffen ist das QCT-Handsetgeschäft, das im nächsten Quartal nur noch etwa 6 Milliarden Dollar zum Umsatz beitragen soll.
Qualcomm: Rückenwind durch Automotive, IoT und KI?
Trotz der kurzfristigen Belastungen im Smartphone-Kerngeschäft zeigt das Qualcomm Quartal deutliche Fortschritte bei den Wachstumsfeldern. Das Automotive-Segment legte um 15 % auf 1,1 Milliarden Dollar zu und soll im laufenden Quartal sogar um mehr als 35 % wachsen. Neue und erweiterte Partnerschaften mit globalen Autobauern sowie ein Letter of Intent mit der Volkswagen-Gruppe für Infotainment und Konnektivität unterstreichen die Dynamik.
Auch das IoT-Geschäft (inklusive Industrial, Consumer und Networking) wächst kräftig: Mit 1,7 Milliarden Dollar Umsatz ergibt sich ein Zuwachs von 9 % im Jahresvergleich. Produkte wie die Snapdragon-Plattformen für smarte Brillen und vernetzte Geräte sowie neue Robotics- und Industrial-PC-Lösungen (Dragon Wing IQ 10 und IQX) sollen die Basis für weiteres Wachstum bilden. Das Management stellt ein IoT-Wachstum im niedrigen zweistelligen Prozentbereich für das nächste Quartal in Aussicht.
Strategisch setzt Qualcomm Incorporated zudem verstärkt auf KI: Im PC-Bereich wurden Snapdragon-X-Plattformen mit deutlich höherer Single-Core-Performance und langer Akkulaufzeit vorgestellt, über 150 Designwins für Snapdragon-X-basierte Notebooks sind in Arbeit. Für Rechenzentren erwartet das Unternehmen erste nennenswerte Umsätze aus neuen KI-Chips ab dem Fiskaljahr 2027. Langfristige Ziele, darunter 8 Milliarden Dollar Umsatz im Automotive-Bereich und 14 Milliarden Dollar im IoT-Segment bis 2029, wurden bestätigt.
Finanziell bleibt Qualcomm aktionärsfreundlich: Im Quartal flossen insgesamt 3,6 Milliarden Dollar an die Anteilseigner, davon 2,6 Milliarden über Aktienrückkäufe und knapp 1 Milliarde Dollar über Dividenden. Zu aktuellen Einschätzungen von Investmentbanken wie Citigroup, Goldman Sachs oder RBC Capital Markets zur Aktie wurden bislang keine neuen Details veröffentlicht; der nachbörsliche Kursrutsch signalisiert jedoch, dass viele Analysten ihre kurz- bis mittelfristigen Schätzungen anpassen dürften.
Wir haben starke Quartalsergebnisse mit Rekordumsätzen geliefert.— Cristiano Amon, CEO von Qualcomm Incorporated
Zusammengefasst zeigt das Qualcomm Quartal, dass das operative Geschäft in Kern- und Zukunftssegmenten robust ist, der kurzfristige Ausblick aber stark von der Memory-Knappheit überlagert wird. Für Anleger bedeutet das eine erhöhte Volatilität, aber auch die Chance, ein strukturell wachsendes KI-, Automotive- und IoT‑Play günstiger einzusammeln. Entscheidend wird sein, wie schnell sich der Speichermarkt normalisiert und ob Qualcomm seine ambitionierten Wachstumsziele in den kommenden Quartalen untermauern kann.