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Rheinmetall Auftragsboom: +2,2% Rallye dank 80-Mrd.-Ziel

Kann die Rheinmetall AG mit einem möglichen Auftragseingang von 80 Milliarden Euro ihren aktuellen Höhenflug an der Börse rechtfertigen? Der Konzernchef sieht gewaltiges Potenzial – doch welche Großprojekte stecken konkret dahinter und wie nachhaltig ist dieser Boom für Anleger?

Rheinmetall Auftragsboom in moderner Panzerfertigungshalle mit gepanzerten Fahrzeugen
Erwähnte Aktien
RHM RHM.DE
€1.830,00 +2.21%
Stand: 17:35 MEZ

Rheinmetall Auftragsboom: Wie real sind 80 Mrd. Euro?

Auf einer sicherheitspolitischen Tagung in Berlin zeichnete Armin Papperger ein außergewöhnlich bullishes Bild für Rheinmetall AG. „In diesem Jahr sehe ich das Potenzial für einen Auftragseingang im Wert von 80 Milliarden Euro“, erklärte der Vorstandschef. Bereits Ende September lag der Auftragsbestand des Konzerns bei fast 64 Milliarden Euro – der Rheinmetall Auftragsboom ist also längst sichtbar in den Büchern. Der anvisierte Sprung würde die Rolle des Unternehmens als zentralen Gewinner der europäischen Aufrüstung weiter festigen.

Im Zentrum steht das Bundeswehr-Programm Arminius, das die Lieferung zusätzlicher Radpanzer des Typs Boxer vorsieht. Papperger bezifferte das Volumen dieses Einzelprojekts auf nahezu 38 Milliarden Euro. Damit würde allein Arminius fast die Hälfte des von ihm genannten potenziellen Auftragseingangs ausmachen. Weitere Schubkraft kommt von laufenden Ausschreibungen rund um die Fregatten F126 und F127 sowie einer neuen Puma-Charge, die sich zusammen auf 12 bis 13 Milliarden Euro summieren sollen.

Rheinmetall AG: Welche Großprojekte treiben den Boom?

Der Rheinmetall Auftragsboom geht weit über deutsche Landprogramme hinaus. In Großbritannien hat der Konzern mit dem Kampfpanzerprojekt Challenger 3 einen markanten Meilenstein erreicht: Die ersten Scharfschuss-Erprobungen mit Besatzung wurden erfolgreich abgeschlossen. Kernstück des Systems ist die 120-mm-Glattrohrkanone L55A1 von Rheinmetall, die moderne kinetische Wuchtgeschosse ebenso wie programmierbare Mehrzweckmunition verschießen kann.

Der Auftrag über mehr als 800 Millionen Pfund umfasst die Modernisierung von 148 Panzern, schafft etwa 300 hochqualifizierte Arbeitsplätze bei RBSL und sichert zusätzlich rund 450 Stellen in der britischen Lieferkette. Für Rheinmetall bedeuten solche Programme langfristig planbare Umsätze, nicht nur in der Fertigung, sondern auch im späteren Service und in der Munitionsversorgung. Parallel dazu baut der Konzern weltweit 13 Werke aus oder neu auf, um die Serienfertigung zu beschleunigen – darunter den größten pyrotechnischen Standort der Gruppe in Silberhütte im Harz, in den ebenfalls massiv investiert wird.

Rheinmetall AG Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Januar 2026
Rheinmetall AG (RHM) – 252-Tage-Chart

Rheinmetall AG: Warum steigt die Aktie trotz Friedenshoffnung?

An der Börse sorgt der Rheinmetall Auftragsboom für spürbaren Rückenwind. Die Aktie notiert am Freitag bei rund 1.830 Euro und liegt damit gut zwei Prozent im Plus. Bemerkenswert: Rüstungswerte wie Rheinmetall AG starteten zunächst schwächer in den Handel, nachdem neue Gespräche zwischen Vertretern Russlands, der Ukraine und der USA über ein mögliches Kriegsende angekündigt wurden. Üblicherweise führen solche Meldungen zu Gewinnmitnahmen im Verteidigungssektor.

Doch die Papiere von Rheinmetall drehten rasch ins Plus und führen zeitweise sogar den DAX an. Anleger scheinen zu erkennen, dass die jetzt verhandelten Friedenschancen nichts an den strukturellen Nachholbedarfen der NATO-Staaten ändern. Seit 2021 sind die Verteidigungsausgaben in Europa deutlich gestiegen, und Papperger kritisiert, Europa habe „30 Jahre lang geschlafen“. Der Konzern kommt inzwischen auf einen Börsenwert von über 80 Milliarden Euro – ein Niveau, das den Wandel vom klassischen Rüstungslieferanten zum sicherheitspolitischen Schlüsselkonzern widerspiegelt.

Rheinmetall Auftragsboom: Welche Folgen für Anleger?

Für Investoren stellt sich die Frage, ob der Rheinmetall Auftragsboom bereits vollständig im Kurs eingepreist ist oder weiteres Potenzial bietet. Die hohe Visibilität des Geschäfts – vom 38-Milliarden-Projekt Arminius über Marineaufträge bis hin zu internationalen Programmen wie Challenger 3 und der F-35-Zulieferkette – sorgt für langfristige Planungssicherheit. Gleichzeitig befindet sich die Industrie mitten in einem tiefgreifenden Strukturwandel: Lieferketten müssen nach Jahrzehnten schrumpfender Wehretats neu aufgebaut, Stückzahlen gesteigert und Software-Anteile deutlich erhöht werden.

In diesem Jahr sehe ich das Potenzial für einen Auftragseingang im Wert von 80 Milliarden Euro.
— Armin Papperger, Vorstandschef Rheinmetall AG
Fazit

Rheinmetall investiert rund 600 Millionen Euro jährlich in Forschung und Entwicklung und positioniert sich damit offensiv gegenüber Verteidigungs-Start-ups, die künftig selbst als Generalunternehmer auftreten wollen. Kooperationen mit klassischen Autokonzernen lehnt Papperger ab, setzt stattdessen auf Partner wie Lockheed Martin. Für langfristig orientierte Anleger bleibt entscheidend, ob der Konzern diese gewaltige Investitions- und Skalierungsphase operativ sauber managt – dann könnte der aktuelle Rheinmetall Auftragsboom die Basis für anhaltendes Wachstum und stabile Margen legen.