Die Aktie der Siemens Healthineers AG gerät nach den aktuellen Quartalszahlen unter Druck. Währungsbelastungen, ein schwächeres China-Geschäft und die anhaltende Schwäche in der Labordiagnostik prägen den Jahresauftakt – während das Kerngeschäft in Bildgebung und Präzisionstherapie weiter solide wächst.

Wie lief das Siemens Healthineers Quartal operativ?
Im ersten Quartal 2025/26 sank der Konzernumsatz von Siemens Healthineers währungsbedingt um 1,5 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro. Auf vergleichbarer, also währungs- und portfoliobereinigter Basis, legten die Erlöse jedoch um 3,8 bis knapp 4 Prozent zu und blieben damit leicht hinter den Erwartungen vieler Analysten zurück. Marktexperten hatten im Schnitt mit 5,45 Milliarden Euro Umsatz gerechnet.
Das bereinigte EBIT reduzierte sich ebenfalls um 1,5 Prozent auf 809 Millionen Euro, lag damit aber über den Prognosen des Marktes. Die bereinigte operative Marge blieb mit 15,0 Prozent stabil. Das bereinigte Ergebnis je Aktie fiel um 3,4 Prozent auf 0,49 Euro; Währungseffekte belasteten es nach Angaben von Finanzvorstand Jochen Schmitz mit rund vier Cent, Zölle mit weiteren sechs Cent. Unter dem Strich erzielte der Konzern einen Gewinn von rund 456 bis 465 Millionen Euro, was einem Rückgang von 4,7 Prozent entspricht.
Im aktuellen Siemens Healthineers Quartal zeigte sich damit ein klarer Gegensatz: Während das Kerngeschäft in der Bildgebung und Präzisionstherapie profitabel wächst, stehen Währungseffekte und das China-Geschäft spürbar auf der Bremse.
Wo stehen Bildgebung und Präzisionstherapie?
Vorstandschef Bernd Montag sprach trotz der Gegenwinde von „einem sehr guten Start“ im Kern aus Imaging und Precision Therapy. Die Bildgebung bleibt mit einer bereinigten EBIT-Marge von 21,6 Prozent der Profitabilitätsanker des Konzerns, auch wenn Währungen und Zölle die Marge um rund zwei Prozentpunkte belasteten. Die Verschlechterung von lediglich 0,3 Prozentpunkten unterstreicht die hohe Ertragskraft dieses Segments.
Deutlich verbessert hat sich die Profitabilität im Bereich Präzisionstherapie, getrieben insbesondere durch die Strahlentherapie-Tochter Varian. Hier zahlt sich die Integration zunehmend aus. Auch die starke Book-to-Bill-Ratio – also das Verhältnis von Auftragseingang zu umgesetztem Umsatz – stützt den positiven Ausblick. JPMorgan-Analyst David Adlington bezeichnete die Book-to-Bill-Ratio in einer ersten Reaktion als „sehr stark“ und hob das robuste Kerngeschäft hervor.
Damit liefert das Siemens Healthineers Quartal ein wichtiges Signal: Die langfristigen Wachstumssäulen Imaging und Präzisionstherapie funktionieren, selbst wenn kurzfristig Währungseffekte drücken.
Wie stark bremst die Labordiagnostik Siemens Healthineers?
Die Sparte Diagnostics bleibt der Problemfall bei Siemens Healthineers AG. Sie leidet unter strukturellen Veränderungen im chinesischen Gesundheitswesen, wo im Zuge einer Antikorruptionskampagne zunehmend zentral und volumenbasiert eingekauft wird und Erstattungsbeträge sinken. Umsatz und Profitabilität der Labordiagnostik gingen im ersten Quartal deutlich zurück, die bereinigte EBIT-Marge lag nur bei 2,1 Prozent – mit weitem Abstand der schwächste Wert im Konzern.
Der Vorstand stuft Diagnostics nicht mehr als Kerngeschäft ein. Die Sparte soll in den kommenden Jahren eigenständig aufgestellt werden, eine spätere Abspaltung oder ein Verkauf bleiben Optionen. Auf der Hauptversammlung forderten Aktionäre wie Hendrik Schmidt von DWS mehr Klarheit über den strategischen Fahrplan. Ohne eindeutige Entscheidung bleibe Diagnostics ein „Bremsklotz“ für den Unternehmenswert, so die Kritik.
Analysten reagieren entsprechend differenziert: Barclays spricht von einem starken Start im Kerngeschäft, während Jefferies den Auftakt insgesamt als schleppend einstuft. RBC betont, dass das starke Geschäft mit Bildgebungstechnik und die Marge in der Präzisionsmedizin durch die Schwäche in der Diagnostik verwässert werden.
Was bedeutet der Konzernumbau für Siemens Healthineers?
Neben dem internen Umbau spielt der anstehende Rückzug der Muttergesellschaft Siemens eine zentrale Rolle. Siemens plant, seinen Anteil an Siemens Healthineers schrittweise zu reduzieren und zunächst rund 30 Prozent der Anteile vorzugsweise im Rahmen einer Abspaltung an die eigenen Aktionäre auszugeben. Investoren erhoffen sich von einem höheren Streubesitz eine bessere Wahrnehmung am Kapitalmarkt, sehen aber auch die Gefahr eines strukturellen Verkaufsdrucks, solange Siemens seine Beteiligung sukzessive abbaut.
Trotz der Belastungen hält das Management an der Prognose für das Geschäftsjahr 2025/26 fest: Der vergleichbare Umsatz soll um fünf bis sechs Prozent steigen, das bereinigte Ergebnis je Aktie bei 2,20 bis 2,40 Euro liegen. Für das zweite Quartal rechnet CFO Schmitz allerdings mit einer Umsatzdynamik unterhalb der Jahresbandbreite, insbesondere wegen eines nochmals schwächeren Diagnostics-Geschäfts.
Wir hatten einen sehr guten Start mit höherem Gewinn und Profitabilität in unserem Kern aus Imaging und Precision Therapy – und das trotz erheblichen Gegenwinds durch Währungseffekte und Zölle.— Bernd Montag, CEO Siemens Healthineers
Die Börse reagierte am Berichtstag dennoch negativ: Die Aktie fiel auf 41,57 Euro und lag damit rund 2,9 Prozent unter dem Vortagesschluss von 42,80 Euro. Für Anleger bleibt damit das aktuelle Siemens Healthineers Quartal ein Spannungsfeld aus robustem Kerngeschäft, Währungs- und China-Gegenwind sowie offenem Konzernumbau.