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-5,9% Absturz: Siltronic Jahreszahlen schocken

Die aktuellen Siltronic Jahreszahlen zeigen, wie hart der Preisdruck im Wafer-Markt inzwischen zuschlägt. Trotz solider Nachfrage im KI-getriebenen 300-mm-Segment rutscht das EBIT ins Minus – und die Aktie verliert fast 6 %. Anleger fragen sich nun, wie belastbar Margen, Cashflow und Ausblick 2026 wirklich sind.

Hochglänzende Silizium-Wafer im Fokus, Symbol für Siltronic Jahreszahlen und Druck im Halbleitermarkt
Erwähnte Aktien
WAF
Schlusskurs 49,52€ -5,86% 03.02.26 11:53 Uhr
Siltronic AG

Siltronic Jahreszahlen: Wie fielen Umsatz und Ergebnis aus?

Die vorläufigen Siltronic Jahreszahlen 2025 bestätigen ein schwieriges Umfeld für die Siltronic AG. Der Umsatz ging im Jahresvergleich um 4,7 % auf rund 1,35 Milliarden Euro zurück. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sank von 363,8 Millionen Euro auf 317 Millionen Euro. Die EBITDA-Marge reduzierte sich damit von 25,8 % auf 23,5 %, blieb aber innerhalb des zuvor avisierten Korridors von 22 bis 24 %. Ohne Wechselkurseffekte und den Wegfall der SD-Linie in Burghausen hätte der Umsatz operativ nahe am Vorjahresniveau gelegen.

Deutlich schwächer zeigen sich die Zahlen auf EBIT-Ebene. Die Abschreibungen stiegen von 238,5 Millionen Euro auf 343 Millionen Euro, vor allem wegen des Produktionsstarts wesentlicher Teile der neuen Fabrik in Singapur ab August 2025. In der Folge drehte das EBIT von +125,2 Millionen Euro im Vorjahr auf -26 Millionen Euro ins Minus, die EBIT-Marge rutschte von 8,9 % auf -2,0 %. Das Minus spiegelt primär das hohe Investitionsniveau und belastende Preis- und Mixeffekte wider, weniger einen operativen Einbruch.

Siltronic AG: KI-Boom hilft nur selektiv

Im operativen Geschäft profitiert die Siltronic AG von einer robusten Nachfrage nach 300-mm-Wafern. Getrieben wird diese vor allem durch Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz, High-Performance-Computing sowie moderne Logik- und Speicherchips. Die verkaufte Waferfläche lag 2025 insgesamt über dem Vorjahr, was den strukturellen Rückenwind im High-End-Segment unterstreicht.

Den positiven Effekten stehen jedoch mehrere Bremsfaktoren gegenüber: Anhaltender Preisdruck außerhalb langfristiger Lieferverträge, ein schwächerer US-Dollar im Jahresverlauf sowie hohe Lagerbestände der Kunden bei 200-mm-Wafern belasteten die Margen. Zudem fiel die Schließung der Fertigungslinie für kleinere Waferdurchmesser (SD-Linie) in Burghausen ins Gewicht – deren Umsätze fehlen 2025 teilweise und 2026 vollständig.

Im vierten Quartal 2025 wirkten zudem Verschiebe- und Vorzieheffekte stützend. Der Quartalsumsatz sprang von 300,3 Millionen Euro im schwachen dritten Quartal auf 372 Millionen Euro, das EBITDA kletterte auf 86 Millionen Euro bei einer Marge von 23,3 %. Allerdings wurden Lieferungen aus Q3 und teils sogar aus dem frühen Jahr 2026 in das Schlussquartal vorgezogen, was das Bild optisch verbessert, aber das Folgequartal dämpfen dürfte.

Siltronic AG Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Februar 2026

Siltronic Jahreszahlen und Cashflow: Wie stabil ist die Bilanz?

Ein Lichtblick in den Siltronic Jahreszahlen ist der deutlich verbesserte Netto-Cashflow. 2025 reduzierte sich der Mittelabfluss von -297 Millionen Euro auf -85 Millionen Euro. Im vierten Quartal drehte der Netto-Cashflow sogar auf +102 Millionen Euro, unterstützt durch besseren operativen Cashflow, zeitlich verzögerte Investitionszahlungen und Investitionszuschüsse. Dennoch bleibt die Nettofinanzverschuldung mit 837 Millionen Euro oberhalb des Vorjahreswerts von 733,5 Millionen Euro spürbar.

Am Aktienmarkt kommt der Mix aus besser als erwarteten operativen Kennzahlen und vorsichtigem Ausblick nur bedingt gut an. Die Aktie der Siltronic AG notiert aktuell bei 49,52 Euro und damit rund 5,9 % unter dem Vortagesschlusskurs von 52,60 Euro. Analyst Constantin Hesse von Jefferies würdigt zwar den soliden Netto-Finanzmittelfluss und die erreichten Margenziele, verweist aber auf anhaltende Unsicherheit, da für 2026 noch keine konkreten Ziele vorliegen.

Siltronic AG: Was erwarten Analysten für 2026?

Die Unternehmensführung bleibt beim Ausblick auf 2026 zurückhaltend. Erwartet werden anhaltender Preisdruck außerhalb langfristiger Verträge, negative Wechselkurseffekte sowie ein weiterhin schwaches 200-mm-Segment mit hohen Lagerbeständen bei Kunden. Zusätzlich belasten die Vorzieheffekte aus dem vierten Quartal 2025 sowie der vollständige Wegfall der Burghausener SD-Linie das erste Halbjahr 2026.

Jefferies-Analyst Constantin Hesse betont, dass der vorsichtige Ton des Managements nicht überrasche und die Konsensschätzungen für 2026 nach unten angepasst werden dürften. Harry Blaiklock von UBS hebt hervor, dass die anhaltende Unsicherheit über die Ergebnisentwicklung 2026 die Stimmung belaste, obwohl der KI-getriebene 300-mm-Markt strukturelle Chancen bietet. In Summe signalisieren die aktuellen Einschätzungen, dass Anleger mit einem weiteren Übergangsjahr rechnen müssen, in dem die Investitionen in Singapur vorerst über Abschreibungen drücken, bevor sie sich bei steigender Auslastung in steigenden Gewinnen niederschlagen.

Nachfrageimpulse in vielen Teilen der Endmärkte – insbesondere KI-getrieben – wirkten unterstützend, während Preiseffekte und Produktmix das Umfeld weiterhin belasteten.
— Michael Heckmeier, Vorstandsvorsitzender Siltronic AG
Fazit

Für Investoren bleiben damit die Siltronic Jahreszahlen ein Spiegel eines klassischen Zyklikers im Tal: operativ solide, bilanziell belastet, aber mit erkennbarem strukturellem Rückenwind in Schlüsselanwendungen der Halbleiterindustrie.