Wie passen der erste Umsatzrückgang in der Geschichte von Tesla, Inc. und milliardenschwere Wetten auf Robotik und KI zusammen? Die aktuellen Tesla Earnings zeigen einen radikalen Strategiewechsel – doch was bedeutet das für Margen, Wachstum und Anleger?

Tesla Earnings: Warum sinkt der Umsatz erstmals?
Tesla setzte im vierten Quartal 2025 24,91 Milliarden US-Dollar um, rund drei Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Auf Jahressicht sanken die Erlöse um etwa drei Prozent auf 94,8 Milliarden Dollar – der erste Rückgang in der Firmengeschichte. Besonders deutlich zeigt sich die Schwäche im Autogeschäft: Die reinen Automotive-Umsätze brachen im Quartal um elf Prozent auf 17,7 Milliarden Dollar ein, während die Fahrzeugauslieferungen 2025 insgesamt um 8,5 Prozent auf gut 1,636 Millionen Einheiten fielen.
Trotzdem fielen die Tesla Earnings besser aus als befürchtet. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 0,50 Dollar über den Erwartungen von 0,45 Dollar. Die operative Marge sank allerdings von 6,2 auf 5,7 Prozent, während die operativen Kosten um 39 Prozent anzogen – vor allem wegen höherer Ausgaben für KI, Robotik und Forschung. Der Free Cash Flow schrumpfte im Quartal um 30 Prozent auf 1,42 Milliarden Dollar.
Wie stützen Energie und Services die Tesla Earnings?
Während das Autogeschäft schwächelt, liefern andere Sparten zunehmend den Rückenwind für die Tesla Earnings. Der Bereich Energieerzeugung und -speicherung steigerte seinen Umsatz im vierten Quartal um 25 Prozent auf 3,84 Milliarden Dollar. Auch das Service- und Sonstiges-Segment legte mit einem Plus von 18 Prozent auf 3,37 Milliarden Dollar zu. Die Konzernsicht zeigt: Tesla wird weniger zum reinen Autobauer, sondern entwickelt sich weiter in Richtung Energie- und Plattformanbieter.
Positiv sticht zudem die Bruttomarge hervor: Mit 20,1 Prozent lag sie deutlich über den erwarteten 17,1 Prozent und erreichte den höchsten Wert seit mehr als zwei Jahren. Analysten wie Morgan Stanley verweisen hier insbesondere auf eine Verbesserung der Automotive-Margen und den starken Beitrag des Energiegeschäfts. Dennoch bleibt das Bild gemischt, da unterm Strich der Nettogewinn im Quartal um 61 Prozent auf 840 Millionen Dollar einbrach und der Jahresgewinn 2025 um 46 Prozent auf rund 3,8 Milliarden Dollar fiel.

Schwenkt Tesla, Inc. wirklich von Autos zu Robotern?
Der Kern der aktuellen Tesla Earnings liegt weniger in den Zahlen als im Strategiewechsel. Elon Musk betont, dass die Zukunft von Tesla nicht mehr im klassischen Autoverkauf, sondern in selbstfahrenden Robotaxis und humanoiden Optimus-Robotern liege. Im Zuge dessen stellt das Unternehmen die Produktion der traditionsreichen Modelle S und X im Werk Fremont ein. Die frei werdenden Kapazitäten sollen in eine Fabrik für Optimus-Roboter mit einem langfristigen Ziel von bis zu einer Million Einheiten pro Jahr umgewandelt werden.
Parallel treibt Tesla die Robotaxi-Offensive voran. In Austin und Kalifornien laufen Testflotten auf Basis des Model Y, in Austin zum Teil bereits ohne Sicherheitsfahrer. Für das speziell entwickelte Robotaxi-Fahrzeug Cybercab – ein zweisitziges Auto ohne Lenkrad und Pedale – startet die Produktion 2026, mit dem Anspruch, langfristig das volumenstärkste Modell im Konzern zu werden. Damit wird klar: Die Tesla Earnings werden künftig immer stärker von wiederkehrenden Software-Erlösen aus Full Self-Driving (FSD) und Robotaxi-Diensten abhängen.
Wie verändert der 2-Milliarden-xAI-Deal Tesla?
Ein weiterer Fokuspunkt der Tesla Earnings ist der Einstieg in Musks KI-Unternehmen xAI. Tesla, Inc. investiert rund 2 Milliarden US-Dollar in Vorzugsaktien von xAI, eingebettet in ein breiteres Kooperationsmodell rund um KI-Software, Training und Infrastruktur. Ziel ist es, die Entwicklung von FSD, Robotaxis, Optimus und weiterer sogenannter “Physical AI” massiv zu beschleunigen. Der Konzern plant zugleich ein Rekord-Capex von über 20 Milliarden Dollar im Jahr 2026, unter anderem für sechs Fabriken, AI-Compute und eine eigene Chipfertigung.
Damit verschiebt sich die Wahrnehmung an der Börse: Tesla Earnings werden von vielen Investoren nicht mehr als klassische Auto-Bilanz, sondern als Zwischenstand einer KI- und Robotikstory gelesen. Häuser wie Morningstar haben ihr Bewertungsmodell bereits angepasst und einen größeren Anteil des fairen Werts aus Robotaxis, Abo-Software und humanoiden Robotern abgeleitet. Zugleich warnen Analysten von Citigroup, Goldman Sachs und RBC Capital Markets vor hohen Investitionsrisiken, politischem Gegenwind und harter Konkurrenz durch BYD, Waymo und chinesische Robotik-Anbieter.
Wir bewegen uns in eine Zukunft, die vollständig auf Autonomie und Physical AI ausgerichtet ist – Autos zahlen heute die Rechnungen, aber Roboter und Robotaxis sollen morgen den Wert schaffen.— Elon Musk, CEO von Tesla
Der Markt scheint den Kurswechsel zunächst zu akzeptieren: Die Aktie legte nachbörslich um rund zwei bis drei Prozent zu und notiert aktuell bei etwa 442,60 Dollar. Für Anleger bleiben die Tesla Earnings damit ein Spagat zwischen rückläufigem Autogeschäft und der Wette auf eine hochkapitalintensive, aber potenziell extrem margenstarke Zukunft im Bereich Robotik und KI.





