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Tesla Earnings Q4: 5 Fakten zum KI-Wendepunkt

Wie passen der erste Umsatzrückgang in der Geschichte von Tesla, Inc. und milliardenschwere Wetten auf Robotik und KI zusammen? Die aktuellen Tesla Earnings zeigen einen radikalen Strategiewechsel – doch was bedeutet das für Margen, Wachstum und Anleger?

Tesla Earnings mit Fokus auf schwächeres Autogeschäft und KI-Robotik-Wende in moderner Produktionshalle.
Erwähnte Aktien
TSLA Tesla
$442,60 +0.13%
Stand: 11:00 MEZ

Tesla Earnings: Warum sinkt der Umsatz erstmals?

Tesla setzte im vierten Quartal 2025 24,91 Milliarden US-Dollar um, rund drei Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Auf Jahressicht sanken die Erlöse um etwa drei Prozent auf 94,8 Milliarden Dollar – der erste Rückgang in der Firmengeschichte. Besonders deutlich zeigt sich die Schwäche im Autogeschäft: Die reinen Automotive-Umsätze brachen im Quartal um elf Prozent auf 17,7 Milliarden Dollar ein, während die Fahrzeugauslieferungen 2025 insgesamt um 8,5 Prozent auf gut 1,636 Millionen Einheiten fielen.

Trotzdem fielen die Tesla Earnings besser aus als befürchtet. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 0,50 Dollar über den Erwartungen von 0,45 Dollar. Die operative Marge sank allerdings von 6,2 auf 5,7 Prozent, während die operativen Kosten um 39 Prozent anzogen – vor allem wegen höherer Ausgaben für KI, Robotik und Forschung. Der Free Cash Flow schrumpfte im Quartal um 30 Prozent auf 1,42 Milliarden Dollar.

Wie stützen Energie und Services die Tesla Earnings?

Während das Autogeschäft schwächelt, liefern andere Sparten zunehmend den Rückenwind für die Tesla Earnings. Der Bereich Energieerzeugung und -speicherung steigerte seinen Umsatz im vierten Quartal um 25 Prozent auf 3,84 Milliarden Dollar. Auch das Service- und Sonstiges-Segment legte mit einem Plus von 18 Prozent auf 3,37 Milliarden Dollar zu. Die Konzernsicht zeigt: Tesla wird weniger zum reinen Autobauer, sondern entwickelt sich weiter in Richtung Energie- und Plattformanbieter.

Positiv sticht zudem die Bruttomarge hervor: Mit 20,1 Prozent lag sie deutlich über den erwarteten 17,1 Prozent und erreichte den höchsten Wert seit mehr als zwei Jahren. Analysten wie Morgan Stanley verweisen hier insbesondere auf eine Verbesserung der Automotive-Margen und den starken Beitrag des Energiegeschäfts. Dennoch bleibt das Bild gemischt, da unterm Strich der Nettogewinn im Quartal um 61 Prozent auf 840 Millionen Dollar einbrach und der Jahresgewinn 2025 um 46 Prozent auf rund 3,8 Milliarden Dollar fiel.

Tesla, Inc. Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Januar 2026
Tesla, Inc. (TSLA) – 252-Tage-Chart

Schwenkt Tesla, Inc. wirklich von Autos zu Robotern?

Der Kern der aktuellen Tesla Earnings liegt weniger in den Zahlen als im Strategiewechsel. Elon Musk betont, dass die Zukunft von Tesla nicht mehr im klassischen Autoverkauf, sondern in selbstfahrenden Robotaxis und humanoiden Optimus-Robotern liege. Im Zuge dessen stellt das Unternehmen die Produktion der traditionsreichen Modelle S und X im Werk Fremont ein. Die frei werdenden Kapazitäten sollen in eine Fabrik für Optimus-Roboter mit einem langfristigen Ziel von bis zu einer Million Einheiten pro Jahr umgewandelt werden.

Parallel treibt Tesla die Robotaxi-Offensive voran. In Austin und Kalifornien laufen Testflotten auf Basis des Model Y, in Austin zum Teil bereits ohne Sicherheitsfahrer. Für das speziell entwickelte Robotaxi-Fahrzeug Cybercab – ein zweisitziges Auto ohne Lenkrad und Pedale – startet die Produktion 2026, mit dem Anspruch, langfristig das volumenstärkste Modell im Konzern zu werden. Damit wird klar: Die Tesla Earnings werden künftig immer stärker von wiederkehrenden Software-Erlösen aus Full Self-Driving (FSD) und Robotaxi-Diensten abhängen.

Wie verändert der 2-Milliarden-xAI-Deal Tesla?

Ein weiterer Fokuspunkt der Tesla Earnings ist der Einstieg in Musks KI-Unternehmen xAI. Tesla, Inc. investiert rund 2 Milliarden US-Dollar in Vorzugsaktien von xAI, eingebettet in ein breiteres Kooperationsmodell rund um KI-Software, Training und Infrastruktur. Ziel ist es, die Entwicklung von FSD, Robotaxis, Optimus und weiterer sogenannter “Physical AI” massiv zu beschleunigen. Der Konzern plant zugleich ein Rekord-Capex von über 20 Milliarden Dollar im Jahr 2026, unter anderem für sechs Fabriken, AI-Compute und eine eigene Chipfertigung.

Damit verschiebt sich die Wahrnehmung an der Börse: Tesla Earnings werden von vielen Investoren nicht mehr als klassische Auto-Bilanz, sondern als Zwischenstand einer KI- und Robotikstory gelesen. Häuser wie Morningstar haben ihr Bewertungsmodell bereits angepasst und einen größeren Anteil des fairen Werts aus Robotaxis, Abo-Software und humanoiden Robotern abgeleitet. Zugleich warnen Analysten von Citigroup, Goldman Sachs und RBC Capital Markets vor hohen Investitionsrisiken, politischem Gegenwind und harter Konkurrenz durch BYD, Waymo und chinesische Robotik-Anbieter.

Wir bewegen uns in eine Zukunft, die vollständig auf Autonomie und Physical AI ausgerichtet ist – Autos zahlen heute die Rechnungen, aber Roboter und Robotaxis sollen morgen den Wert schaffen.
— Elon Musk, CEO von Tesla
Fazit

Der Markt scheint den Kurswechsel zunächst zu akzeptieren: Die Aktie legte nachbörslich um rund zwei bis drei Prozent zu und notiert aktuell bei etwa 442,60 Dollar. Für Anleger bleiben die Tesla Earnings damit ein Spagat zwischen rückläufigem Autogeschäft und der Wette auf eine hochkapitalintensive, aber potenziell extrem margenstarke Zukunft im Bereich Robotik und KI.

Tesla Robotaxi: 4% Kursrutsch und Autonomie-Drama

Kann das Tesla Robotaxi die Schwäche im Kerngeschäft von Tesla, Inc. wirklich auffangen? Zwischen Absatzrückgang, Robotaxi-Vision und Optimus-Roboter stellt sich die Frage, wie viel Zukunftsfantasie im aktuellen Kurs noch steckt.

Tesla Robotaxi Symbolbild: autonomes E-Auto in moderner Stadt bei Abenddämmerung
Erwähnte Aktien
TSLA Tesla
$423.74 -4.18%
Stand: 07:27 MEZ

Wie steht Tesla, Inc. operativ wirklich da?

Hinter der Vision vom Tesla Robotaxi steckt derzeit ein angeschlagenes Kerngeschaeft. Die globalen Auslieferungen sind 2025 um bis zu 50 % eingebrochen, der Absatz sank von 1,789 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2024 auf 1,636 Millionen Einheiten. In wichtigen Märkten verliert Tesla Marktanteile an chinesische Hersteller wie BYD, die deutlich guenstigere Einstiegsmodelle anbieten. Ein eigenes Low-Cost-Modell fehlt bislang, während gleichzeitig aggressive Preissenkungen die Marge belasten.

Nettoergebnis und Profitabilitaet stehen entsprechend unter Druck: Der jüngst gemeldete Quartalsgewinn lag rund 37 % unter dem Vorjahreswert. Gleichzeitig wird die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von deutlich über 100 gehandelt – eine Bewertung, die für einen reinen Autobauer kaum zu rechtfertigen ist und fast vollstaendig von zukünftigen KI- und Robotik-Einnahmen lebt. Der aktuelle Kursrueckgang von über 4 % spiegelt damit vor allem die steigende Risikoaversion am Markt wider.

Wie realistisch ist das Tesla Robotaxi aktuell?

Auf der technologischen Seite setzt Tesla alles auf das Thema Autonomie. Herzstueck ist Full Self-Driving (FSD), das im Dezember in Version 13 als “Supervised”-System ausgerollt wurde. Die Software nutzt End-to-End-Machine-Learning, um immer mehr Entscheidungslogik an KI zu übergeben. Nutzer berichten von fluessigerem Verhalten im Stadtverkehr, etwa beim vorsichtigen Heranfahren an Kreuzungen. Dennoch bleibt FSD rechtlich ein Level-2-System, das ständige menschliche Überwachung verlangt.

Elon Musk haelt dennoch daran fest, dass vollautonome Tesla Robotaxi-Dienste nur wenige Monate entfernt seien – ein Zeitplan, den er seit fast einem Jahrzehnt immer wieder nach hinten schiebt. Kritiker verweisen darauf, dass Wettbewerber wie Waymo auf LIDAR und Radar setzen, während Tesla ausschliesslich mit Kameras arbeitet und weiterhin mit unvorhersehbaren Fehlern kämpft, etwa Bordstein-Kollisionen. Ob und wann ein regulatorisch genehmigtes, wirklich unbeaufsichtigtes Tesla Robotaxi im grossen Stil fahren darf, ist damit hoch unsicher.

Tesla, Inc. Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Januar 2026
Tesla, Inc. (TSLA) – 252-Tage-Chart

Sind Tesla Robotaxi, CyberCab und Optimus Gamechanger?

Trotz der offenen Fragen treibt Tesla die Robotaxi-Strategie aggressiv voran. Der für 2026 angekuendigte Tesla Robotaxi-Dienst soll mit dem speziellen “CyberCab” starten. Elon Musk stellte klar, dass die Produktion der CyberCab-Flotte und des humanoiden Roboters Optimus zunächst “agonizingly slow” anlaufen werde, bevor sie deutlich hochgefahren werden soll. Für 2026 visiert Tesla interne Pilotanwendungen und erste industrielle Kunden an, mit einer geplanten Jahresproduktion von 5.000 bis 10.000 Optimus-Einheiten.

Experten sehen diese Pläne kurzfristig jedoch eher als Sci-Fi-nahe Vision denn als belastbares Geschaeftsmodell. Gleichzeitig setzen prominente Investoren genau darauf: Cathie Wood rechnet damit, dass ein skalierter Robotaxi- und Software-Betrieb langfristig Bruttomargen von 70 bis 80 % ermoeglichen könnte. Andere Marktteilnehmer wie Gary Black erwarten zwar kein “Winner-take-all”-Szenario in der Autonomie, sehen aber einen drastischen Bruch für OEMs, die den Wettlauf um autonomes Fahren verschlafen.

Wie wirken China-Druck, Zölle und Bewertung auf Tesla?

Operativ geraet Tesla zusätzlich durch chinesische Hersteller unter Zugzwang, die trotz US- und EU-Zoellen stark wachsen. In den USA sollen hohe Importzoelle US-Hersteller wie Ford, GM und Tesla schuetzen und Zeit verschaffen, bei Autonomie und Robotik aufzuholen. In Europa und in Schwellenlaendern bleibt der Preiskampf jedoch hart. Parallel dazu verschiebt Musk den Konzernfokus immer stärker von “nachhaltigem Transport” hin zu “Real-World-AI” und Robotik – ein Strategiewechsel, der an der Wall Street zwiespaeltig aufgenommen wird.

Die Bewertung von Tesla haengt inzwischen fast vollstaendig daran, ob es gelingt, aus FSD, Tesla Robotaxi und Robotik ein skalierbares Software- und Servicegeschaeft zu formen.
— Redaktion Boersenblog
Fazit

Viele Analysten warnen, dass bei der aktuellen Bewertung bereits ein erheblicher Erfolg des Tesla Robotaxi und der KI-Offensive eingepreist ist, obwohl die Verkaufszahlen rückläufig und die Gewinne sinkend sind. Tesla-Anteile werden damit zu einer hochspekulativen KI-Wette: Gelingt der Durchbruch bei Autonomie, Robotaxis und Optimus, könnte das Upside enorm sein; bleibt der Konzern aber überwiegend ein Autobauer, droht eine deutliche Neubewertung nach unten.