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TikTok Joint Venture 5 Fakten zum Wendepunkt ?

Wie verändert das TikTok US-Sparte Joint Venture die Zukunft der Plattform in den USA – und wer kontrolliert am Ende wirklich Daten und Algorithmus? Der neue Deal mit Oracle, Silver Lake und MGX verschiebt Machtverhältnisse und könnte zum Modellfall für Tech-Regulierung werden.

Hightech-Kontrollraum symbolisiert TikTok Joint Venture, US-Datenkontrolle und Regulierung
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Stand: 10:36 MEZ

Was steckt strategisch hinter dem TikTok Joint Venture?

Im Zentrum der Vereinbarung steht das TikTok Joint Venture TikTok USDS, in das das bisher vom Aus bedrohte US-Geschäft der Plattform eingebracht wurde. Der chinesische Mutterkonzern ByteDance behält knapp 19,9 Prozent an der neuen Gesellschaft und liegt damit bewusst unter der im US-Gesetz festgelegten 20-Prozent-Schwelle, ab der eine beherrschende Kontrolle unterstellt würde. Für Nutzerinnen und Nutzer außerhalb der USA – etwa in Deutschland – ändert sich dadurch nichts, der internationale Betrieb läuft außerhalb der neuen Struktur weiter.

Die Mehrheit des TikTok USDS Joint Ventures liegt bei einem Konsortium aus dem US-Softwarekonzern Oracle, dem Technologie-Investor Silver Lake und dem staatsnahen Fonds MGX aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Diese drei treten als „managing investors“ auf und stellen damit die operative Kontrolle über das US-Geschäft sicher. Die politische Kernbotschaft an Washington: Der Zugriff auf US-Daten und den Empfehlungsalgorithmus liegt künftig in amerikanischer Hand.

Wie wird TikTok USDS im Alltag geführt?

Chef des neuen Gemeinschaftsunternehmens wird Adam Presser, bisher bei TikTok für Operations sowie Trust & Safety verantwortlich und früher Manager bei Warner Bros. Presser übernimmt den CEO-Posten von TikTok USDS, während der globale TikTok-Chef Shou Chew einen der sieben Sitze im Verwaltungsrat erhält. Der Board of Directors besteht mehrheitlich aus US-Persönlichkeiten, darunter Oracle-Topmanager Kenneth Glueck, Silver-Lake-Co-CEO Egon Durban und MGX-Manager David Scott.

Die neue Struktur soll die US-Einheit als „unabhängige Entität“ etablieren, zugleich aber die technische Interoperabilität mit dem globalen Angebot sicherstellen. TikTok Global bleibt für internationale Produktfeatures sowie kommerzielle Bereiche wie Werbung, E-Commerce und Marketing zuständig. Praktisch bedeutet dies: US-Creator und Unternehmen sollen weiterhin weltweit Reichweite aufbauen können, obwohl das US-Geschäft formal in das TikTok Joint Venture ausgelagert ist.

Welche Datenschutzrolle übernimmt Oracle für TikTok?

Ein zentraler Hebel zur Befriedung der politischen Debatte ist die Datenhoheit. Alle sensiblen US-Nutzerdaten werden in Rechenzentren von Oracle gespeichert und verarbeitet. Dort wird auch der berüchtigte TikTok-Empfehlungsalgorithmus gehostet, der das Nutzerverhalten analysiert und die „For You“-Seite steuert. Das TikTok Joint Venture erhält eine Kopie der Algorithmus-Software, die nun mit ausschließlich US-amerikanischen Daten neu trainiert, geprüft und regelmäßig aktualisiert werden soll.

Die US-Gesetzgebung verlangt ausdrücklich, dass weder ByteDance noch die chinesische Regierung Kontrolle über diese Schlüsseltechnologie haben dürfen. Kritiker in Washington bezweifeln allerdings, dass eine reine Kopie und Neu-Trainierung des Algorithmus genügt, um Einflussmöglichkeiten dauerhaft auszuschließen. Für die Trump-Regierung wiederum ist entscheidend, dass mit Oracle ein US-Konzern mit engen Verbindungen zum Weißen Haus als technischer Sicherheitsanker auftritt.

Wie reagiert die US-Politik auf das TikTok Joint Venture?

Die politische Vorgeschichte des Deals ist ungewöhnlich. Unter Präsident Joe Biden wurde ein Gesetz auf den Weg gebracht, das ByteDance zu einer Trennung von der Kontrolle über das US-Geschäft zwang – sonst hätte TikTok in den USA verboten werden können. In seiner zweiten Amtszeit setzte Donald Trump die Umsetzung der Regeln jedoch per Erlassen immer wieder aus, um Zeit für eine transaktionsfähige Lösung zu gewinnen.

Trump inszeniert sich nun als Retter der Plattform und betont, er habe maßgeblich dazu beigetragen, das Verbot abzuwenden. Gleichzeitig warnen insbesondere Demokraten, das Konstrukt verschiebe Einfluss über einen zentralen Social-Media-Kanal zu milliardenschweren Verbündeten des Präsidenten. Hintergrund sind die engen Verbindungen von Oracle-Gründer Larry Ellison zu Trump sowie parallele Machtverschiebungen im US-Mediensektor rund um Paramount, Warner Bros. Discovery und den Streaming-Rivalen Netflix.

Was bedeutet das TikTok Joint Venture für Anleger?

Direkt börsennotiert ist TikTok zwar nicht, doch das TikTok Joint Venture strahlt in mehrere Richtungen auf die Kapitalmärkte aus. Für Oracle und Private-Equity-Investoren wie Silver Lake eröffnet die Struktur zusätzliche Einnahmequellen in den Bereichen Cloud-Infrastruktur, Datenmanagement und Werbetechnologie. Zugleich bleibt ByteDance wirtschaftlich stark am US-Geschäft beteiligt, insbesondere im lukrativen Onlinehandel- und Werbesegment, das außerhalb des Joint Ventures weiter von der Mutter gesteuert wird. Klassische Analystenkommentare einzelner Häuser wie Citigroup oder RBC Capital zu den unmittelbaren Bewertungsfolgen liegen derzeit nicht im Fokus der öffentlichen Debatte; entscheidend ist zunächst die politische Bereinigung des Risikos eines kompletten US-Banns.

Ich bin so froh, dass ich zur Rettung von TikTok beitragen konnte!
— Donald Trump
Fazit

Das TikTok Joint Venture TikTok USDS entschärft die Verbotsdrohung in den USA, verlagert die Daten- und Algorithmuskontrolle in US-Hände und sichert ByteDance zugleich wesentliche wirtschaftliche Vorteile. Für Anleger rücken damit politische Tail-Risiken in den Hintergrund, während Oracle, Silver Lake und MGX strategisch an Bedeutung im Social-Media-Ökosystem gewinnen. Die weitere Entwicklung der Regulierung und die Performance des US-Geschaefts werden zeigen, ob sich das Konstrukt langfristig als Stabilitätsanker für TikTok etabliert.