Wie konnte die Aktie von UnitedHealth Group Incorporated an einem Tag fast ein Fünftel an Wert verlieren? Neue CMS-Vorgaben für UnitedHealth Medicare, der erste Umsatzrückgang seit Jahrzehnten und ein radikaler Konzernumbau verunsichern Anleger – doch was steckt wirklich dahinter?

Was drückt UnitedHealth Medicare und den Kurs?
Die Aktie von UnitedHealth Group Incorporated (UNH) bricht am Dienstag im frühen Handel um rund 19 Prozent auf etwa 284,44 US-Dollar ein. Auslöser sind schwächer als erwartete Erlösperspektiven kombiniert mit einem regulatorischen Schock bei UnitedHealth Medicare. Die US-Behörde Centers for Medicare & Medicaid Services (CMS) will die Zahlungen an private Medicare-Insurer für 2027 im Schnitt nur um 0,09 Prozent anheben – nach Branchenschätzungen wären 4 bis 6 Prozent nötig gewesen, um die Kosteninflation zu kompensieren. Für Investoren bedeutet das de facto eine Kürzung der Margen im lukrativen Medicare-Advantage-Geschäft.
Gleichzeitig verfehlt UnitedHealth im vierten Quartal 2025 beim Umsatz leicht die Erwartungen: 113,2 Milliarden US-Dollar stehen einer Prognose von rund 113,9 Milliarden Dollar gegenüber. Beim bereinigten Ergebnis je Aktie gelingt dagegen ein Mini-Beat – 2,11 Dollar statt der erwarteten 2,10 Dollar. Dennoch dominiert die Sorge, dass UnitedHealth Medicare über Jahre unter Druck bleibt, während Pflege-, Arznei- und Heimversorgerkosten weiter steigen.
Warum meldet UnitedHealth Group erstmals Umsatzrückgang?
Für das Gesamtjahr 2026 prognostiziert UnitedHealth Group Incorporated einen Umsatz von „über 439 Milliarden“ US-Dollar. Das entspricht einem Rückgang um etwa zwei Prozent gegenüber den 447,6 Milliarden Dollar des Vorjahres – laut historischen Daten der erste Rückgang seit 1989. Analysten hatten im Schnitt mit rund 454 Milliarden Dollar gerechnet. Gleichzeitig soll der bereinigte Gewinn je Aktie von 16,35 auf mehr als 17,75 Dollar steigen, was auf eine konsequente Kostenkontrolle und Portfoliostraffung hindeutet.
Hinter dem Schrumpfkurs stehen mehrere Faktoren: Der Verkauf des Europa-Geschäfts bereits im ersten Quartal und der geplante Exit aus Südamerika in der zweiten Jahreshälfte, ein Rückgang der US-Mitgliederzahl um mehr als drei Millionen sowie die Verkleinerung der Optum-Health-Sparte. Rund 550 Standorte sollen geschlossen oder verkauft werden, wodurch die Zahl der betreuten Patienten um etwa 20 Prozent fällt. Optum war lange der Gewinntreiber im Konzern, doch sinkende Erstattungen und strengere Regeln im Umfeld von UnitedHealth Medicare setzen diesen Wachstumsmotor unter erheblichen Druck.

Wie hart treffen die neuen UnitedHealth Medicare-Regeln?
Der Gesundheitskonzern kämpft seit über zwei Jahren mit steigenden Kosten in staatlich gestützten Programmen, insbesondere bei Medicare- und Medicaid-Plänen. Die Medical-Benefit-Quote – der Anteil der Prämieneinnahmen, der für Leistungen ausgegeben wird – lag 2025 bei 88,9 Prozent nach 85,5 Prozent im Vorjahr. Für 2026 rechnet das Management mit leicht besseren 88,8 Prozent. Doch ohne stärkere Anpassungen der Medicare-Erstattungen droht UnitedHealth Medicare strukturell anfällig zu bleiben.
Die CMS will mit der quasi eingefrorenen Erhöhung von 0,09 Prozent präzisere Abrechnungen und eine Modernisierung der Risikoanpassung durchsetzen, um Kosten für Steuerzahler zu begrenzen. Für Versicherer wie UnitedHealth Group Incorporated bedeutet dies, dass sie Tarife, Leistungsumfang und Netzwerke neu kalkulieren müssen. Die Branche reagiert entsprechend nervös: Neben UnitedHealth geraten Humana, CVS Health, Centene und Elevance Health deutlich unter Druck. Mehrere Vermögensverwalter, darunter Barlow Wealth Partners, haben ihre Positionen reduziert, während andere wie Compass Wealth Management die Kursschwäche zum Einstieg nutzen.
Wie stufen Analysten UnitedHealth Group jetzt ein?
Am Markt prallen derzeit zwei Lesarten aufeinander. Kurzfristig dominiert die Furcht vor länger anhaltendem Margendruck im UnitedHealth-Medicare-Segment und vor politischen Eingriffen in die Prämiengestaltung. Kommentatoren verweisen darauf, dass der CMS-Entwurf traditionell bis April finalisiert wird – es besteht also Spielraum für Nachbesserungen. Zudem hebt die starke Gewinnsteigerung je Aktie hervor, dass der Konzern seine Kostenbasis in den Griff bekommt.
Analysehäuser wie Zacks Investment Research betonen den leichten Gewinnüberhang im Schlussquartal und die robuste Ertragskraft trotz des erstmals sinkenden Umsatzes. Auf Bewertungsbasis argumentieren etwa Strategen bei Seeking Alpha, dass das aktuelle Kursniveau um 300 Dollar die Risiken eines gedämpften Wachstums und des regulatorischen Umfelds für UnitedHealth Medicare bereits weitgehend einpreist und langfristig wieder Kurse um 350 bis 360 Dollar möglich erscheinen. Viele große Häuser – darunter Citigroup, Goldman Sachs und Morgan Stanley – hatten den Titel zuvor mit „Buy“ beziehungsweise „Overweight“ und Kurszielen klar oberhalb von 350 Dollar eingestuft; ob und wie stark diese Ziele nun angepasst werden, dürfte in den kommenden Tagen ein entscheidender Stimmungstest für die Aktie werden.
Für Anleger bleibt UnitedHealth Medicare damit ein Brennpunkt: Wer an eine Stabilisierung der staatlichen Rahmenbedingungen glaubt, sieht im aktuellen Rückschlag eine Chance. Pessimisten fürchten hingegen, dass das Geschäftsmodell dauerhaft niedriger bewertet wird, solange Washington den Hebel bei den Erstattungssätzen in der Hand behält.