Wie verändert die Freigabe der H200-Chips den KI-Machtpoker zwischen den USA und China? Anleger blicken gespannt auf die NVIDIA H200 China-Genehmigung und CoreWeave-Deal – und auf die neue Vera-CPU. Welche Chancen und Risiken ergeben sich jetzt für die Aktie?

NVIDIA H200-China: Wie stark ist Pekings Wende?
China hat erstmals die Einfuhr von NVIDIAs H200-Beschleunigern genehmigt und damit einen strategischen Kurswechsel vollzogen. Mehrere hunderttausend Chips sollen in einer ersten Welle an große Internetkonzerne wie ByteDance und Alibaba gehen, während weitere Unternehmen bereits für spätere Tranchen anstehen. Obwohl Washington den Export der H200-Chips zuvor freigegeben hatte, hing die Umsetzung an der chinesischen Seite, die jede Lieferung einzeln absegnen musste.
Der H200 ist NVIDIAs zweitstärkster KI-Chip und liefert laut Branchenkreisen ein Vielfaches der Leistung der bisher nach China verkauften H20-Variante. Damit wird NVIDIA H200-China zu einem Schlüsselthema im geopolitischen Machtpoker um KI-Rechenleistung. Peking versucht, den akuten Bedarf an High-End-GPUs mit industriepolitischen Zielen zu verknüpfen: Diskutiert werden Auflagen, nach denen Konzerne nur dann importieren dürfen, wenn sie parallel heimische Chips einkaufen.
Die jüngste Entscheidung fällt in eine Phase, in der Chinas Internet- und Cloud-Anbieter Milliarden in den Ausbau von Rechenzentren stecken, um im KI-Wettrennen mit US-Anbietern mitzuhalten. Für NVIDIA sichert der Schritt einen wichtigen, wenn auch regulierten Absatzkanal – und entschärft zugleich die Belastung aus US-Exportbeschränkungen, die 2025 zeitweise auf den Margen lasteten.
Wie schärft NVIDIA mit CoreWeave seine KI-Rolle?
Parallel zur Öffnung für NVIDIA H200-China zündet der Konzern die nächste Stufe seiner Plattformstrategie. NVIDIA investiert rund 2 Milliarden US-Dollar in zusätzliche Aktien des Cloud-Spezialisten CoreWeave und erhöht seine Beteiligung damit auf etwa 12 Prozent. CoreWeave betreibt spezialisierte KI- und High-Performance-Computing-Rechenzentren und gilt als einer der dynamischsten Abnehmer von NVIDIA-Hardware.
Die frischen Mittel sollen direkt in den Ausbau von Kapazitäten fließen: Bis 2030 planen beide Partner gemeinsam Rechenzentren mit einer Gesamtleistung von bis zu 5 Gigawatt – ein massiver Hebel, um die strukturell hohe Nachfrage nach GPU-Rechenleistung von Hyperscalern, Start-ups und Industriekunden zu bedienen. Marktbeobachter werten die vertiefte Kooperation als Bestätigung für NVIDIAs Ansatz, nicht nur Chips, sondern komplette KI-Infrastruktur inklusive Software-Stack und Netzwerk anzubieten.
Gleichzeitig erweitert CEO Jensen Huang den technologischen Fußabdruck mit der neuen Vera-CPU, die als eigenständige Komponente im KI-Stack neben GPUs und Netzwerktechnik positioniert wird. Ziel ist es, NVIDIA mittelfristig auch im CPU-Markt als führenden Anbieter neben Intel und AMD zu etablieren. Die DZ Bank spricht in diesem Zusammenhang von NVIDIA als „Spinne im KI-Netz“ und vergibt ein Kauf-Rating mit einem fairen Wert von 225 US-Dollar je Aktie.

Was bedeutet NVIDIA H200-China für NVDA-Anleger?
An der Börse wird die Freigabe der H200-Exporte nach China als klarer Rückenwind interpretiert. NVIDIA notiert aktuell bei 191,64 US-Dollar, was einem Tagesplus von rund 1,65 Prozent entspricht. Charttechnisch bleibt die Aktie im Aufwärtstrend, auch wenn die Rallye der vergangenen Jahre zuletzt in eine Seitwärtsphase übergegangen ist. Modelle zur kurzfristigen Kursprognose sehen den Titel in den kommenden Wochen in einer Spanne zwischen 165 und 209 US-Dollar, was auf eine Konsolidierung auf hohem Niveau hindeutet.
Gleichzeitig bleibt die Entwicklung rund um NVIDIA H200-China ein wichtiger Treiber für die Story einer anhaltenden KI-Investitionswelle. Chipwerte insgesamt profitieren: Starke Auftragseingänge bei ASML und eine konstruktive Prognose von Texas Instruments haben die Stimmung im Sektor zusätzlich gehoben. Forbes sieht auf Basis historischer Kursmuster Raum für neue Allzeithochs von NVIDIA in 2026, während Analysten auf die weiterhin außergewöhnlich hohen Wachstumsraten im Data-Center-Geschäft verweisen.
Zuletzt legte NVIDIA im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen Umsatz von 57 Milliarden US-Dollar vor – ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getragen von Rekorden im Data-Center-Bereich. Jim Cramer betont angesichts dieser Zahlen und des CoreWeave-Deals, die Kritik an angeblich „zirkulären“ Umsätzen sei „Nonsense“, und empfiehlt, die Aktie zu halten statt sie nur zu traden. Gleichzeitig mahnen skeptischere Stimmen wie Jim Chanos vor einer zunehmenden Finanzierung der KI-Infrastruktur über hoch gehebelte „GPU-Schulden“, was das Risiko zyklischer Rückschläge erhöht.
NVIDIA ist die zentrale Spinne im KI-Netz und damit für viele Kunden und Partner nahezu unverzichtbar.— DZ Bank Research
Die Kombination aus China-Genehmigung für H200, CoreWeave-Ausbau und Vera-CPU stärkt NVIDIAs Rolle als Taktgeber der KI-Industrie und macht NVIDIA H200-China zum Symbol für den nächsten Expansionsschub. Für Anleger bleibt die Aktie damit ein Hebel auf das globale KI-Wachstum, auch wenn höhere Volatilität und regulatorische Risiken einkalkuliert werden müssen. Entscheidend wird sein, ob NVIDIA die hohe Nachfrage in China und im Rest der Welt nachhaltig in Margen und Cashflows übersetzen kann.

