Wie konnte die Wacker Chemie AG trotz Milliardenumsatz in ein tiefrotes Quartal rutschen? Hohe Abschreibungen, Sparprogramm und ein Kursrutsch von gut 3 Prozent sorgen für Unruhe – doch steckt darin auch eine Chance für mutige Anleger?

Wie schwach fiel das Wacker Chemie Quartal aus?
Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025 sank der Umsatz der Wacker Chemie AG um 4 Prozent auf rund 5,49 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) brach zugleich um 42 Prozent auf nur noch etwa 430 Millionen Euro ein. Damit blieb das Unternehmen beim operativen Ergebnis klar hinter den bereits reduzierten Markterwartungen zurück, während der Umsatz in etwa im Rahmen der Prognosen lag. Belastet wurde das Wacker Chemie Quartal neben schwächeren Absatzmengen und niedrigeren Preisen vor allem durch eine deutlich reduzierte Auslastung der Werke sowie die im internationalen Vergleich hohen Energiekosten am Standort Deutschland.
Bereinigt um Sondereffekte – insbesondere Rückstellungen für das laufende Sparprogramm – hätte das EBITDA bei rund 530 Millionen Euro gelegen und damit nur leicht unter den Konsensschätzungen. Dennoch machen die Zahlen deutlich, wie stark die Profitabilität unter dem schwierigen Branchenumfeld leidet.
Warum meldet Wacker Chemie einen hohen Verlust?
Unter dem Strich steht 2025 ein Nettoverlust von rund 800 Millionen Euro, nachdem im Vorjahr noch ein Überschuss von 261 Millionen Euro erzielt worden war. Haupttreiber sind Wertberichtigungen von insgesamt etwa 600 Millionen Euro, unter anderem auf die Beteiligung am Halbleiterwafer-Hersteller Siltronic sowie auf den 2023 übernommenen Auftragsfertiger ADL Biopharma. Hinzu kommen Rückstellungen von rund 100 Millionen Euro für das laufende Kostensenkungsprogramm.
Operativ leidet die Wacker Chemie AG weiter unter der schwachen Baukonjunktur, die sowohl die Polymer- als auch die Silikon-Sparte belastet. In beiden Bereichen blieb die Auftragslage zum Jahresende 2025 schwach. Gleichzeitig baute das Unternehmen gezielt Lagerbestände – insbesondere in der Silikon-Sparte – ab, was die Kapazitätsauslastung weiter drückte, aber den Finanzmittelfluss verbesserte. So konnte der Netto-Cashflow 2025 auf nahezu ausgeglichen (minus 5 Millionen Euro) verbessert werden, nach einem Minus von 326 Millionen Euro im Jahr 2024.

Wacker Chemie Quartal: Was bringt das Sparprogramm?
Als Reaktion auf den Druck im Wacker Chemie Quartal hat Vorstandschef Christian Hartel bereits im Herbst ein hartes Sparprogramm gestartet. Bis Ende 2027 sollen jährlich mehr als 300 Millionen Euro eingespart werden. Etwa die Hälfte dieser Summe soll durch den Abbau von voraussichtlich über 1.500 Stellen weltweit erreicht werden, wobei der größte Teil der Jobs an deutschen Standorten wegfallen dürfte. Insgesamt beschäftigte Wacker zur Jahresmitte 2025 gut 16.700 Mitarbeiter.
Strategisch will sich das Unternehmen stärker auf margenträchtige Spezialchemie konzentrieren: In den klassischen Chemiebereichen rückt Wacker hochwertige Spezialitäten in den Fokus, im Polysilizium-Geschäft soll der Schwerpunkt noch klarer auf dem Halbleitermarkt liegen. In der Life-Science-Sparte Biosolutions will der Konzern vermehrt auf innovative Biotech-Anwendungen setzen. Zugleich fordert Hartel erneut international wettbewerbsfähige Energiepreise und einen konsequenten Bürokratieabbau, um den Standort Deutschland zu stärken.
Wie reagieren Börse und Analysten auf Wacker Chemie?
Die Aktien der Wacker Chemie AG reagierten zunächst volatil auf das schwache Wacker Chemie Quartal. Vorbörslich fielen die Papiere zeitweise um fast 5 Prozent, drehten im Xetra-Handel aber rasch ins Plus und gehörten zeitweise mit Kursen um 74 Euro zu den MDAX-Favoriten. Zuletzt notierte die Aktie um 69,50 Euro, was einem Tagesminus von gut 3 Prozent entspricht und den schwankenden Marktreaktionen auf die Zahlen Rechnung trägt.
Analyst Chetan Udeshi von JPMorgan sprach von einem insgesamt sehr schwachen Zahlenwerk. Er betont neben dem schwierigen Branchenumfeld zusätzliche Risiken durch mögliche Lagerabbauprozesse in der Wertschöpfungskette für Halbleiter-Polysilizium und bleibt für die Aktie negativ gestimmt. Die Gewinnperspektiven seien aufgrund struktureller wie konjunktureller Faktoren weiter schwierig und aus seiner Sicht noch nicht vollständig in der aktuellen Bewertung eingepreist.
Peter Spengler von der DZ Bank sieht hingegen nur geringen Anpassungsbedarf bei seinen Schätzungen und beim Marktkonsens. Das Sparprogramm sei bereits angelaufen, und der starke freie Cashflow dank Lagerabbau und geringerer Investitionen wertet er positiv. Entscheidend für die weitere Kursentwicklung dürften die endgültigen Jahreszahlen und der Ausblick auf 2026 werden, die Wacker im März vorlegen will.
2025 ist die chemische Industrie insbesondere in Deutschland und Europa massiv unter Druck geraten.— Christian Hartel, CEO Wacker Chemie AG
Für Anleger bleibt das Wacker Chemie Quartal damit ein zweischneidiges Signal: operative Schwäche und hohe Abschreibungen einerseits, aber ein klar umrissenes Sparprogramm und besserer Cashflow andererseits. Wer einsteigt, setzt darauf, dass die Effekte des Programms und eine allmähliche Konjunkturerholung die Margen ab 2026 wieder sichtbar verbessern.